Kultur

Über die Schieflage der Welt

30.09.2020 • 19:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Susanne Zamora (l.) und Tochter Isabel Pfefferkorn, dahinter Andreas Jähnert. <span class="copyright">Isabel Pfefferkorn</span>
Susanne Zamora (l.) und Tochter Isabel Pfefferkorn, dahinter Andreas Jähnert. Isabel Pfefferkorn

In „Vollendet“ vereinen sich Musik, Theater und Malerei.

Ein zentrales Thema in „Vollendet“ ist die zunehmende Umweltverschmutzung und der Klimawandel. Gleichzeitig geht es um eine Beziehung zwischen Mann und Frau. Wie bringen Sie in dem Stück diese zwei Ebenen zusammen?
Isabel Pfefferkorn:
Das Publikum sieht auf der Bühne zwei Personen, die ihren routinierten Alltag leben. Die beiden spüren langsam, dass sie begonnen haben, nebeneinander herzuleben, ohne einander noch richtig zu begegnen. Diese Abgestumpftheit und fehlende Sensibilität füreinander gibt es in der Beziehung zu unseren Mitmenschen, aber auch zwischen dem Menschen und dem Rest der Umwelt, seien es andere Lebewesen oder unsere Natur. Das Publikum blickt aus dem leeren Pool auf die Treppe, wo sich die Szenerie abspielt, symbolisch für eine im Überfluss ertrinkende Gesellschaft mit Blick auf die Schieflage, in der wir uns befinden.

Zum Stück

„Vollendet“. Aufführungen am Samstag und Sonntag, 3. und 4. Oktober, jeweils 19 Uhr im Alten Hallenbad, Feldkirch. Tickets: per Mail an theatervierfaltigkeit@gmail.com oder telefonisch unter 0660/6322280.

Neben der Vorarlberger Mezzosopranistin Isabel Pfefferkorn, der bildenden Künstlerin Susanne Zamora, dem Schauspieler und Regisseur Andreas Jähnert sind die Cellisten Anton Spronk, Paul Handschke, Payam Taghadossi und Zoltán Despond beteiligt.

Was wollen Sie dem Zuschauer vermitteln, worum geht es Ihnen in diesem Projekt?
Andreas Jähnert:
Wir möchten das unbewusste physische und psychische Handeln bewusst werden lassen. Ist Arbeit und Freizeit nur ein Katalysator, um den Lebensweg in Müll zu schmücken? Was bedeuten Träume für die beiden Menschen, und können sie miteinander überhaupt diesem Traum gerecht werden?
Pfefferkorn: Mir persönlich ist es sehr wichtig, dass die Performance keine Lehrstunde für moralisch wertvolles Verhalten wird, sondern dass eine Aufmerksamkeit füreinander und dafür, was um uns herum ist, entsteht.

Vier Cellisten und Sie als Mezzosopranistin interpretieren Werke von Schubert und Strauss bis zu Queen und Justin Timberlake. Wie ist es zu dieser Konstellation und zu dieser Auswahl gekommen?
Pfefferkorn:
Da es mir ein besonderes Anliegen ist, keine Grenzen aufzustellen, und mich von Kindesbeinen an verschiedenste Musikstile angesprochen haben, macht es mir Spaß, diese in meinen Programmen zu vereinen. Sie bereichern einander und haben unterschiedliche Ziele. Die Besetzung von vier Celli habe ich gewählt, weil die Klangfarbe des Cellos und jene der Mezzosopranstimme sehr gut harmonieren und außerdem das Thema der puren Natürlichkeit und warmen Erdigkeit widerspiegeln. Das Instrument ist mir persönlich sehr nah.

Gibt es besondere musikalische Herausforderungen in dieser Besetzung?
Pfefferkorn:
Die Herausforderung besteht vor allem darin, dass es kaum bestehende Arrangements für diese fünfköpfige Besetzung gibt, weil diese kaum gehört wird. Glücklicherweise habe ich diesbezüglich tolle Unterstützung.

„Vollendet“ vereint verschiedene Kunstformen: Es gibt eigens für dieses Stück geschaffene Malereien, es werden Texte gesprochen, es gibt Live-Musik und Gesang. Wie schwierig ist es, diese vielen Elemente zu einem Gesamtwerk zusammenzuführen?
Susanne Zamora:
Wenn man das Glück hat, mit anderen Künstlern zusammenzuarbeiten, ist das äußerst inspirierend. Meine Inspiration beim Malen ist sowieso meistens Musik. Klangfarbe, Rhythmus, Text übersetze ich in eine Art Tanz der Farben und Formen. Die Schwierigkeit ist eher, im Terminkalender gemeinsame Zeit zu finden.
Jähnert: Der Ton macht die Musik. In der Musik herrscht eine Hierarchie, und diese hat erst einmal eine klare Form. Diesen Ausdruck zu untermalen mit einem Text, der wiederum auch etwas Musikalisches haben kann, ist Bewegung, und das hat vielleicht sogar etwas Tänzerisches. Die Bilder haben auch Töne in sich, Farbtöne, die uns ansprechen, und wir können ein Gefühl damit verbinden, unbewusst – bewusst sogar in Erinnerungen tauchen. Diese doppelten Perspektiven zu verbinden, ist eine kleine Reise an das andere Ende der Welt, in uns.