Kultur

Mystische Wesen und Explosionen

11.11.2020 • 19:32 Uhr
Das Küefer-Martis-Huus lädt zu einer Ausstellungsreihe. <span class="copyright">Stephan Sude</span>
Das Küefer-Martis-Huus lädt zu einer Ausstellungsreihe. Stephan Sude

Aktuelles Kunstschaffen aus der Region in Ruggell zu erleben.

Der Stand der Dinge“ nennt sich eine Ausstellungsreihe im Küefer-Martis-Huus in Ruggell, wobei hier der Begriff „Stand“ etwas irreführend ist. Im Wechsel von drei Wochenenden nämlich zeigen jeweils drei Künstler aus der Region ihr vielseitiges Schaffen – das Haus befindet sich also im steten Wandel: „Der Stand der Dinge wird zum beweglichen Spiel“, heißt es dazu im Begleittext. Durch die Corona-Reisebeschränkungen geriet der Zyklus etwas durcheinander, die Schau mit Carol Wyss, Simon Kindle und Damiano Curschellas wurde auf Anfang 2021 verschoben. Noch bis 15. November gibt sich das Trio Arno Egger, Victorine Müller und Stephan Sude die Ehre. Die übernächste Schau mit Marbod Fritsch, Martin Frommelt und Gertrud Kohli ab 11. Dezember klingt ebenso vielversprechend

Schmauchspuren

Obwohl die drei Künstler eigenständig arbeiten, entsteht durch Gespräche untereinander eine gewisse Interaktion, meinen Egger und Sude bei einem Besuch. In dem historischen Haus spielen sich zudem die drei Positionen zu und verstärken sich gegenseitig. Explosives zeigt dabei der Kurator und Künstler Arno Egger: Angetrieben von seiner Faszination vom Universum und von der Lust am „Zündeln“ erschafft der Feldkircher Werke, indem er Schwarzpulver-Körner auf dickem Aquarellpapier mit einer Lunte entzündet. Dabei wird das Papier bedeckt, durch den unterschiedlich hohen Druck entstehen Muster, die nicht selten mit Schmauchspuren ergänzt werden.

Großformatige Werke von Arno Egger im Dachgeschoss. <span class="copyright">Stephan Sude</span>
Großformatige Werke von Arno Egger im Dachgeschoss. Stephan Sude

Sonneneruptionen entstehen da etwa durch die tänzelnden Bewegungen der entzündeten Körner, manche Motive könnten auch mikroskopische Aufnahmen oder eine Pusteblume darstellen, sagt der Künstler. In einer neuen Serie arbeitet Egger auch mit gesammelten Steinen. In seinem Interesse an der Astronomie ließ er sich von dem Feldkircher Eugen Steck (1902 bis 1985) inspirieren, der mit einem selbstgebauten Teleskop den Himmel beobachtete. Auch das Werk des chinesischen Explosions-Künstlers Cai Guo-Qiang ist Egger bekannt.

Tiefe in der Fläche

Die Dreidimensionalität der Fläche erkundet der Ruggeller Künstler Stephan Sude. Viele seiner Werke sind mit Öl auf Spiegeln oder Alu-Dibond gefertigt, meistens bringt er die Farbe mit Stempeln an. Durch die Überlagerung der Farbschichten, in Kombination mit dem Lichtspiel auf den freien Flächen, werde das Dreidimensionale der Fläche verstärkt, erklärt Sude. Für ihn ist eine Oberfläche wie eine Hauswand, nie ganz flach und glatt, Nuancen etwa im Kolorit würden stets eine Tiefe erzeugen. Seine Werke mit Spiegeln als Grundlage zeugen zudem von mehreren Ebenen: Im Spiegel doppelt sich das Bild selbst, es spiegelt sich aber auch die Umgebung und der Betrachter. Gitterartige Muster erzeugt Sude, die wie eine Fläche kein Zentrum besitzen. Der Künstler bevorzugt das Chaos, eine rhythmische Wiederholung des Gleichen will er in seinem Schaffen vermeiden.

Augenzwinkern

Performativität ist eine zentrale Eigenschaft des Schaffens der in Zürich lebenden Künstlerin Victorine Müller. Humorvoll und mit einer gro­ßen Leichtigkeit setzt sie sich mit dem Verhältnis von Mensch, Tier und Natur auseinander. Beim Aufgang in das erste Geschoss sieht der Besucher als Begrüßung ein tierisches, aufgeblasenes transparentes Wesen („Gargoyle d‘air“, 2018). Müllers Kohlezeichnungen haben etwas Mystisches, sie erschafft Geschöpfe mit einem meist weiblichen Menschenkörper, der aber nahtlos übergeht in Pflanzen und Tiere. In Videos wird der Entstehungsprozess der Zeichnungen nachvollziehbar gemacht.

Eine Arbeit von Victorine Müller. <span class="copyright">Stephan Sude</span>
Eine Arbeit von Victorine Müller. Stephan Sude

Wenn sich Müller in ihren Videoarbeiten verkleidet durch den Wald bewegt und dabei etwa mit Ästen ihre Flügel schlägt, dann wird ein Augenzwinkern in Richtung Esoterik-Szene erkennbar. Ein starker Auftritt in diesem gelungenen Trio!

Zur Ausstellung

Stand der Dinge.

Schau mit Arbeiten von Arno Egger, Stephan Sude und Victorine Müller bis Sonntag, 15. November, im Küefer-Martis-Huus, Ruggell (FL). Geöffnet am Fr., Sa. und So., 14 bis 17 Uhr, am Sonntag sind die Künstler anwesend. Ab 20. November sind Werke von Helmut Gopp, Heinz P. Nitzsche und Daniela Peter zu sehen.