„Wände“ als Hommage für starke Frauen

Die Biennale Preisträgerin Patrizia Casagranda zeigt in der Galerie von Sylvia Janschek Frauenportraits im Street Art Stil.
In ihren Arbeiten möchte sie Botschaften verbreiten, etwa mit einer Friedensinstallationen als „Werbung für den Humanismus“ oder mit Poträts von Soldatinnen, die in der Ukraine an der Front kämpfen. Damit war Patrizia Casagranda letzten Herbst auf der Florenzer Biennale vertreten. Auch das Thema „I am You“ habe gepasst: „Weil ich als Künstlerin für die Freiheit kämpfe und sie kämpfen für ihre Rechte und die Demokratie.“
Auch in ihren anderen Serien mit Titeln wie „Fighting for change“, „Diversity“ oder „Belief” versucht die Künstlerin mit einer speziellen, selbst erfundenen Technik die Stärke und Ausdruckskraft von Frauen abzubilden. Ein Querschnitt der Werke ist nun einen Monat lang in der Bregenzer Galerie von Sylvia Janschek zu sehen.

Faszination
Porträtiert sind etwa bekannte Gesichter wie das von Marilyn Monroe, Frida Kahlo, Vermeers „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ oder ganz unbekannte Frauen aus der ganzen Welt, welche die deutsch-italienische Künstlerin oft zufällig über Kontakte kennenlernte. Aus der Faszination für diese Frauen und deren Leben entstehen dann die Porträts. „Wenn ich beispielsweise Müllsammlerinnen in Indien oder Soldatinnen in der Ukraine porträtiere“, gehe es auch darum, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken, beschreibt Casagranda. Diese Begegnungen, die sie zu Kunstwerken verarbeitet, berühren sie auch auf menschlicher Ebene. So seien mit der Kunst auch soziale Projekte entstanden: „Mit dem Geld vom Verkauf der Bilder unterstützen wir die Frauen und schauen, dass die Kinder von den Müllsammlerinnen zur Schule gehen können“, beschreibt Casagranda. „Das find’ ich dann toll, wenn man das Leben verändern kann von den Menschen.“
Leben
Patrizia Casagranda arbeitet seit 2016 als freischaffende Künstlerin in Deutschland, Indien und den Niederlanden. Zuvor schloss sie 2002 ihr Designstudium mit dem Schwerpunkt Illustration ab und arbeitete als Grafikdesignerin unter anderem für Günther Uecker und Markus Lüpertz. Die Typografie im Allgemeinen, Struktur und Farbigkeit, aber auch das Arbeiten in Konzepten, spielen in ihren Kunstwerken eine große Rolle. Neben Ausstellungen im deutschsprachigen Raum aber auch international wurde Casagranda 2021 und 2023 bei der Florenzer Biennale ausgezeichnet. Heuer wird sie bei der Biennale in Venedig ihre Ukraine-Installation präsentieren.

Technik
Casagranda arbeite „eigentlich wie die Street-Art-Künstler“, mit dem Unterschied, dass sie nicht sprüht, sondern „das Material durchzieht“, beschreibt sie. Inspiriert von alten Wandmalereien und deren Alterungsprozess entstehen ihre Arbeiten auf recycelten Sperrholzplatten, Transportboxen oder Lkw-Planen. Darauf kommen etwa 15 Schichten mit Farbe, Farbverläufen, Materialien, Buchstaben und natürlich dem Gesicht, das mit einer Rasterschablone aufgetragen wird.
Auch in ihrer „Wand an der Wand“, wie Casagranda die Ästhetik der Bilder beschreibt, möchte sie das „Bröckelnde“ und die „Darstellung“ hervorheben als „Alterungsprozess in der Moderne“. Neben der Struktur sei ihr die Farbigkeit wichtig. In einem Farbladen aus dem 17. Jahrhundert mischt sie die Pigmentfarben selbst, „deswegen ist die Farbigkeit auch weicher“, erklärt die Künstlerin.