Kultur

Scharmützel mit Krampus und andere Alltäglichkeiten

11.11.2024 • 17:22 Uhr
Barbi Markovic Lesung
Barbi Marković mit “Minihorror” und ihrem neusten Werk “Piksi-Buch”. Schallert

In der Stadtbibliothek Dornbirn erzählt Autorin Barbi Marković aus ihrem preisgekrönten Buch „Minihorror“ von den absurden Schreckensszenarien des Alltags.

Was haben eine Prügelei mit einem Krampus, eine Wade voller Erdbeersauce nach einem Hundebiss, eine abgenutzte Küchentheke mit Portal zu einer unbekannten Welt, und tagelange Gespräche mit dem Hilfsservice von Ikea gemeinsam? Es sind alles Probleme, mit denen sich Mini und Miki in ihrem Alltag herumschlagen müssen.

Das Grauen des Alltags

In ihrem Buch „Minihorror“ erzählt Barbi Marković die Kurzgeschichten über (un-)gewöhnliche Albtraumszenarien, mit denen sich ihre Protagonisten konfrontiert sehen. Das Buch erschien 2023, bei der heurigen Leipziger Buchmesse erhielt „Minihorror“ eine Auszeichnung.

Nun wurde auch das Publikum in der Stadtbibliothek Dornbirn in den kafkaesken Alltag von Mini und Miki eingeweiht, wo Marković am 7. November mehrere ihrer Kurzgeschichten vortrug. Es wurde über die Absurdität der Situationen und den zynisch-trockenen Erzählstil gelacht, andererseits konnte man sich auch stets mit der langweiligen Alltäglichkeit identifizieren. Denn verkrampfte Besuche bei der Schwiegerfamilie, Odysseen durch einen Möbelhaus-Hilfeservice oder Tränenausbrüche im Büro dürften nicht nur den Protagonisten Mini und Miki bekannt sein.

Direkt und skurril

Die Banalität der Schreckensszenarien wird mit einem zynischen Erzählstil gepaart, der sich der Einfachheit von Comics und Cartoons bedient. Die verschiedenen Situationen werden von der trockenen Erzählstimme immer weiter ins Absurdum getrieben, wobei der realistische Kern der Geschichte erhalten bleibt. Gelegentliche und subtil verpackte Seitenhiebe an Gesellschaftsstrukturen oder den Spätkapitalismus schimmern immer wieder durch das Narrativ.

Eine humorvolle und satirische Abrechnung mit den großen und kleinen Albträumen des alltäglichen Lebens: In „Minihorror“ muss man sich bei trockenen Fleischbällchen aus Schweden oder selbst der Prügelei vor der eigenen Haustür das Lachen verkneifen.

Barbi Markovic Lesung
Die Lesung fand am 7. November in der Stadtbibliothek Dornbirn statt. Schallert

Für ihr Buch ließ sich Marković von eigenen Geschichten oder den Erzählungen anderer inspirieren. Der Prozess zu schreiben, erzählt sie, hätte mit Lektorat bloß ein halbes Jahr gedauert. Mit einem Augenzwinkern bemerkt sie bei der Kurzgeschichte, in der eine überforderte Mini im Büro in Tränen ausbricht, dass diese Geschichte auch das Leben einer Autorin widerspiegle. Kein Wunder, denn Marković ist bereits fleißig dabei, weitere Geschichten, Bücher und Theaterstücke zu schreiben. Dabei wird der bissige Humor und die Faszination für alltägliche Absurdität immer wieder aufgegriffen.

Mit „Minihorror“ hat Marković vor allem ein Werk erschaffen, das im eigenen absurden Alltag als Unterhaltung dienen soll. Es kann aber auch eine Hand an alle reichen, die sich im bizarren Chaos des menschlichen Alltagslebens nicht mehr so allein fühlen möchten.