Vorarlbergs junge Filmschaffende im Mittelpunkt

Die Alpinale zeigt Kurzfilme Vorarlberger Filmschaffender
von beachtlicher Vielfalt und Qualität.
Auf die Jury der heurigen Alpinale darf man wahrlich nicht neidisch sein. Zu groß sind Vielfalt und Qualitäten der insgesamt 15 Einreichungen in der Kategorie „v-shorts“, dem Vorarlberger Kurzfilmpreis. Fraglich, wer da ein rasches Urteil treffen kann. Daher folgt auch dieser Artikel ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Wilde Abenteuer
Gleich vier Beiträge sind das Werk jugendlicher Nachwuchsfilmer, die sich in Workshops von Film Vorarlberg und Reel Movie austobten. Sie flüchten vor Dämonen, jagen Räuber, beschützen eine ominöse Tasche und entführen das „nervtötendste Mädchen, das man sich vorstellen kann“. Stets in Bludenz gedreht, auffällig oft mit Bürgermeister Simon Tschann vor der Linse, entstanden unglaublich charmante Clips, mit beachtlich organischer Kameraführung.

Fachhochschule stark vertreten
Studierende und Absolventen des Studiengangs Intermedia an der Fachhochschule Vorarlberg sind besonders stark vertreten. So auch Julia Gulàs, die mit Bastelwut und Eigenregie den Stop-Motion Film „Les Créatures fragiles“ schuf.

In minutiöser Kleinstarbeit schuf sie Figuren und Kulissen aus Recyclingpapier. Die Handlung führt von liebevollen Szenen des Alltags in ein scheinbar magisches Verhängnis und wurde von Ovids „Metamorphosen“ inspiriert.

„A Dance against the system“ von Fabio Paulmichl zeigt den anmutigen Tanz einer jungen Frau. Wie eine Bewegung gegen den Strich regt sie sich an denkbar unpassenden Plätzen. Sei es alleine am Strand, in einer U-Bahn-Station oder vor modernen Monolithen. Bestechend ist dabei vor allem die Kraft der Farben.
Ein Feuerwerk spontaner Liebe
Alexander Böckle ist mit gleich zwei Einreichungen im Rennen. Das Medium Film begeistert ihn seit Kindertagen: „In der Familien-Cloud haben wir Aufnahmen, wie ich mit kleinen Autos im Sandkasten die ersten Stop-Motion Clips gedreht habe“, berichtet der 21-Jährige. „And So We Are Here“ ist ein Feuerwerk spontaner Liebe.

Spannungsgeladen beginnt es mit dem Streit zwischen einer jungen Frau und einem jungen Mann in der nächtlichen Bregenzer Innenstadt.


Ohne geraden Zeitstrahl zeigt er, wie sie sich am selben Tag kennengelernt und verliebt haben. Musik und Farbwahl fügen sich subtil in die Erzählung, werden selbst zu Erzählern.

Das Ende von „if they could speak“ wird niemand erahnen. Er zeigt den Monolog einer jungen Frau, die nach der Geburt von ihrer Mutter getrennt wurde und einem scheinbar kriminellem Komplott zum Opfer fiel. Man glaubt, einer Geschichte über Menschenhandel beizuwohnen.

In Wirklichkeit handelt der Film vom Leben einer Kuh. Besonders stark dabei die Montagen dämonischer Fratzen, die wie ein Schrei aus dem Unterbewusstsein erscheinen.
Der leibhaftige Zweifel
Bei Jan Schenks Beitrag „Court of Doubt“ führte Böckle die Kamera. Der Film entstand während einem gemeinsamen Auslandssemester in Finnland und spielt in den weiten Wäldern des Landes.

In dieser Kulisse erwachte eine Autorin am Anfang des Films, nachdem sie an ihrem Schreibtisch eingeschlafen ist. Dort sieht sich die junge Frau mit ihrem leibhaftigen Zweifel konfrontiert, gespenstisch umhüllt in ein Bettlaken. Ihm folgend, findet sie sich vor drei Spiegeln wieder.

Ein Motiv, das sich in zwei weiteren Zweifel-Gestalten spiegelt. Ihr Schreibtisch dient ihnen als ominöser Altar, auf dem die Autorin ihr Werk verbrennt. „Court of Doubt“ ist ein fantasievoller Film ohne Happy End.

Wie gruselig bereits der Dreh für manche war, verdeutlicht Böckles Erinnerung: „23 Uhr in der Nacht schien noch die Sonne. Zufällig ist ein Finne vorbeispaziert, der nur einen Geist in Leinen und eine an den Baum gebundene Frau sah. Er ist total erschrocken. Wir hatten dagegen einen großen Spaß hinter der Kamera.“
Die Preisverleihung des Kurzfilm-Festivals Alpinale findet diesen Samstag ab 20.30 Uhr in der Remise Bludenz statt. Dann wird bekanntgegeben, welche Produktion mit der „v-shorts“-Filmklappe samt 500 Euro Preisgeld geehrt wird.