Kultur

Wiener Symphoniker begeistern im ausverkauften Festspielhaus

HEUTE • 10:15 Uhr
Meisterkonzert 23 Jänner Wiener Symphoniker
Solist Augustin Hadelich erlitt als Jugendlicher schwere Verbrennungen und fand dennoch seinen Weg als Meistergeiger. Mittelberger(4)

Mit Wagner, Prokofjew und Elgar bot das Orchester einen eindrucksvollen Konzertabend beim Bregenzer Meisterkonzert.

Auf ihrer jährlichen Bundesländertournee zu Jahresbeginn musizierten die Wiener Symphoniker im Festspielhaus unter der Leitung des britischen Dirigenten Alexander Soddy und gemeinsam mit dem wunderbaren deutsch-amerikanischen Geiger Augustin Hadelich. Dieses Wintergastspiel ist für das Orchester, das den Sommer über die Produktionen der Bregenzer Festspiele prägt, natürlich ein Heimspiel, schon der Auftrittsapplaus im ausverkauften Festspielhaus war lang und herzlich.

Meisterkonzert 23 Jänner Wiener Symphoniker

Starker Auftakt

Vorspiel und „Isoldes Liebestod“ bilden eine große Klammer über Richard Wagners „Tristan und Isolde“: Alexander Soddy, der Dirigent aus Oxford, der bei seinen Stationen in Österreich und Deutschland viel Opernerfahrung gesammelt hat und mit zahlreichen Orchestern weltweit arbeitet, gestaltet den Fluss der Sehnsucht, der Wagners „Handlung in drei Aufzügen“ durchzieht, aus zerbrechlichem Beginn heraus plastisch und atmend, auch mit großer Dynamik. Die große Streichergruppe schwingt sich empor, die intensiven Steigerungen und Rubato spiegeln sich in Soddys emphatischer Körpersprache und die Holzbläser greifen in schwingenden Bögen ineinander – ein starker Auftakt voller Sinnlichkeit und Wärme!

Meisterkonzert 23 Jänner Wiener Symphoniker
Dirigent Soddy führt das Orchester mit empathischer Körpersprache.

Hohe Konzentration und intensieve Verbindung

Sergej Prokofjew lässt seinen Solisten im zweiten Violinkonzert alleine in tiefer Lage beginnen, um dann in einen einerseits lyrisch, andererseits dramatisch gestimmten Dialog mit dem Orchester zu treten: Augustin Hadelich, der in Italien geborene und in Amerika lebende Meistergeiger, der als Jugendlicher so schwere Verbrennungen erlitt, dass es überhaupt ein Wunder ist, dass er wieder spielen konnte, nimmt sogleich mit dem warmen Ton seiner Guarneri-Geige gefangen. Mit hoher Konzentration und intensiver Verbindung mit dem Dirigenten und dem Orchester gestaltet er den ersten, etwas herb und zerrissen wirkenden Satz. Im Mittelsatz erhebt sich die Geige in einer langen Linie wie mit einem Silberstift gezeichnet über das sparsam begleitende Orchester, immer mehr verdichten sich die blitzsauber gesetzten Solopassagen und der aufblühende Klangkörper. Im Finale entsteht ein bodenständiger Tanz, der von den dumpfen Schlägen der großen Trommel und anderen Schlaginstrumenten akzentuiert wird. Das klingt sarkastisch, grotesk in Prokofjews Tonsprache, doch selbst in den wildesten Synkopen und der furiosen Stretta bewahrt Hadelich seine Klarheit durch faszinierende Bogentechnik und leuchtenden Klang. Er verabschiedet sich von seinem begeisterten Publikum mit einem herrlich leichtfüßigen „Louisiana Blues“ von Coleridge Taylor Perkinson, augenzwinkernd dargeboten in einem schwingenden Puls.

Meisterkonzert 23 Jänner Wiener Symphoniker
Hadelich (l.), Soddy (r.) und die gefeierten Symphoniker.

Voller Farben und Humor

Ein beliebtes Orchesterwerk aus seiner britischen Heimat präsentiert Alexander Soddy zum Abschluss mit den „Enigma“-Variationen von Edward Elgar: er gibt den bestens disponierten Wiener Symphonikern die Gelegenheit, die Variationen, in denen der Komponist verschiedene Freunde portraitiert hat, als musikalische Charakterstücke voller Farben und Humor zu interpretieren. Ob zart trippelnd, ob autoritär auftrumpfend, zierlich, kammermusikalisch mit Instrumentalsoli oder zackig und ein wenig plakativ – die Symphoniker musizieren mit Herzblut. Im Zentrum steht natürlich „Nimrod“, das innig aufblühende Adagio, das den elegischen Ton des „Tristan“-Vorspiels aufnimmt. Im großen Finale setzen Elgar und Soddy noch einmal alle Orchestergruppen zu einem brillanten Gesamtklang zusammen. Und da die Ballsaison läuft und auch die Symphoniker „ihren“ Strauß lieben, verabschieden sie sich mit der reizend zwitschernden Annen-Polka und dem quirligen „Vergnügungszug“ samt Tröte und Trillerpfeife: Dass Alexander Soddy beim Dirigieren auch immer wieder ausgeprägte „Beinarbeit“ einsetzt, gibt dem Ganzen noch eine besondere Note!

Katharina von Glasenapp