Kultur

Hymnen an die Freiheit

28.01.2026 • 18:37 Uhr
Basler Kammerochester
Das Kammerorcheser Basel unter Leitung des Mailänder Flötisten und Dirigenten Giovanni Antonini. Kohler

Beim dritten Abonnementkonzert im Rahmen von Dornbirn Klassik begeisterte das Kammerorchester Basel am Montagabend mit gut gewählten Raritäten.

Bestens vorbereitet durch die Einführung von Bettina Barnay-Walser erwartete das Publikum im Dornbirner Kulturhaus-Saal einen gern gesehenen Gast: Das Kammerorchester Basel spielte diesmal unter der Leitung des Mailänder Flötisten und Dirigenten Giovanni Antonini ein besonderes Programm mit selten zu hörenden Werken von Cherubini, Méhul und Beethoven.

Aufwühlendes Werk

Das Konzert wurde mit der Ouverture aus Luigi Cherubinis Oper „Medée“ eröffnet. Mit energischen und weit ausladenden Gesten forderte Maestro Antonini ein feuriges und impulsives Musizieren. Das Orchester ließ sich gerne darauf ein und präsentierte eine aufwühlende Interpretation des Werkes, die das Seelenleben einer Furie zeigt, welche – mit allen Feind – am Ende Blut, Schrecken und Zerstörung hinterlässt.

Leidenschaftlicher Méhul

Auch die 1. Symphonie in g-Moll von Ètienne-Nicolas Méhul erwies sich als spannende Wiederentdeckung, die durch große Bogen, zerklüftete Melodien und dicht ineinander verflochtene Phrasen bestach. Einem ersten Satz mit Verve folgte ein pastoraler, tänzerischer zweiter Satz, dem ein Menuett mit huschenden pizzicati folgte. Das lyrische Trio hatte dann – in seiner Erdigkeit – schon fast Beethoven-Qualität und der vierte Satz entließ mit entfesselter Urgewalt das Publikum aufgewühlt in die Pause.

Egmonts Freiheitskampf

Nach der Pause war Beethovens Schauspielmusik zu Goethes „Egmont“ zu hören. Die etwas rasch geratene Ouverture war zwar plastisch herausgearbeitet, allein das fallende Beil des Henkers (verdeutlicht durch eine surrende Quart) hätte deutlicher herausgehoben werden können. Zwischen den Musikteilen führte der französische Sänger, Schriftsteller und Schauspieler Dominique Horwitz als Sprecher durch die Handlung. Clärchens Lieder wurden von Anett Fritsch beherzt, burschikos, dann aber auch wieder einfühlsam und warmherzig interpretiert, gerade so, wie sie in die Handlung eingebettet sind. Die Siegessymphonie des Beginns beendete das Drama dann mit einem eindringlichen Ruf nach Freiheit und stellte den Gedanken an den Schluss, dass man zwar Menschen töten, nicht aber ihre Ideen bezwingen könne. Eine gerade heute enorm aktuelle Botschaft!

Thomas Thurnher