Kultur

„Geh ma net am Orsch“ als Lebensgefühl

15.06.2026 • 16:00 Uhr
"Die Nacht (ist nicht allein zum Schlafen da)"
Die Montforter Zwischentöne wurden zu einer Feier der Selbstbestimmung. Furxer(3)

Bei der Veranstaltung „Die Nacht (ist nicht allein zum Schlafen da)“ im Innenhof des Palais Liechtenstein erlebten die Besucher einen abwechslungsreichen Abend mit Tanz und Musik.

Ganz im Hier und Jetzt bewegten sich die sechs Tänzerinnen und die Tänzer (Marina Rützler, Maartje Pasman, Fabian Tobias Huster, Sebastien Kapps, Joni Österlund und Silvia Salzmann) zur improvisierten Musik des zeitgenössischen Kammermusikquartetts „Ensemble Plus“. „Jetzt!“ war das Motto des Sommerprogramms der Montforter Zwischentöne, das von 7. bis 14. Juni stattfand.

Bewegungen von zahm bis zackig

40 Minuten lang gewährten die Künstler einen faszinierenden Einblick in das anspruchsvolle Genre der Improvisation. Zeitlupenbewegungen gingen fließend in schnelle, drehende Passagen über, Bodenakrobatik verband sich mit Synchrontanz. Abgestimmt auf die zeitgenössische Musik entstand eine Aufführung, die der Fantasie des Publikums viel Raum ließ. Die Tänzerinnen bezogen das Publikum aktiv mit ein, indem sie einzelnen Zuschauern Karten mit Stichworten zeigten und pantomimisch mit ihnen interagierten. Es waren genau die Karten, die die Besucherinnen am Anfang des Abends mit je einem Wort beschriftet hatten. Salzmann, gemeinsam mit Folkert Uhde künstlerische Leiterin der Montforter Zwischentöne, hob hervor, wie wichtig dem Team die aktive Einbindung des Publikums war: „Unser Ziel war es, das Publikum bewusst am Programm teilhaben zu lassen. Gleichzeitig wollten wir verschiedene Altersklassen durch unterschiedliche Musikstile ansprechen. Das ist uns sehr gut gelungen, wie dieser Abend zeigt.“ Im Zentrum des Formats stand das Erleben des Moments. „Es ging uns bei ‘Jetzt!’ darum, im Augenblick zu sein und aus dem heraus gute Entscheidungen zu treffen.“

"Die Nacht (ist nicht allein zum Schlafen da)"
Steinbock animiert im weißen Shirt die Menge zum tanzen an.

Tanzen bei Tageslicht

IG-Kultur-Vorarlberg-Geschäftsführerin Mirjam Steinbock leitete den nächsten Programmpunkt an. „Koreoke“ beschreibt das spontane Nachahmen der Tanzschritte aus den Musikvideos, die auf einer Leinwand gezeigt wurden. Egal ob zu „Dirty Dancing“ oder zu Dancefloormusik, das Publikum gab sich der beschwingten und lustigen Tanzshow hin. Gemeinschaftliches Tanzen bei Tageslicht außerhalb einer Disco hat einen Charme, dem man sich kaum entziehen kann.

"Die Nacht (ist nicht allein zum Schlafen da)"
Yasmo lädt zum grooven ein.

„Ich bin im Jetzt und auf mich fokussiert“

Die Wiener Hip-Hop- und Jazz-Fusion-Band „Yasmo & die Klangkantine“ bildete den Abschluss des ereignisreichen Abends. Intelligente, feministische Lieder sind das Markenzeichen der Sängerin Yasmin Hafedh. Mit ihren einfühlsamen Texten zeigte sie ihre Qualität als Poetry Slamerin, dem Genre, bei dem sie ihre ersten künstlerischen Erfahrungen sammelte. Den Satz „Geh ma net am Orsch“, ein Songtitel von Yasmo, ließen sich das Team der Montforter Zwischentöne sogar auf ihre T-Shirts drucken. Nicht ohne Grund. Salzmann bekräftigt: „Egal was rund um mich passiert, ich bin im Jetzt und auf mich fokussiert, so kann dieser Satz gelesen werden.“

Daniel Furxer