Kultur

Solidaritäts-Ausstellung für unheilbar erkrankten Künstler Johan Jansen

06.07.2026 • 19:43 Uhr
Solidaritäts-Ausstellung für unheilbar erkrankten Künstler Johan Jansen
Mit Unterstützung seiner Frau Angelika Tschofen malt Jansen heute mithilfe eines ballförmigen Pinselaufsatzes weiter. NEUE/privat/canva

Mit „Walking in Paradise“ zeigt KunstVorarlberg das Werk von Johan Jansen. Der Erlös der Ausstellung kommt dem schwer erkrankten Künstler zugute.

Die neue Sommerausstellung von KunstVorarlberg ist weit mehr als eine Ehrung für den gebürtigen Niederländer und Wahl-Bludenzer Johan Jansen (Jahrgang 1957).

Zur Erkrankung

Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine seltene, fortschreitende Erkrankung des motorischen Nervensystems. Dabei sterben jene Nervenzellen ab, die die Muskulatur steuern. Die Folge sind zunehmende Lähmungen, Muskelabbau sowie Schwierigkeiten beim Sprechen, Schlucken und Atmen. Geistige Fähigkeiten bleiben in den meisten Fällen erhalten. ALS gilt derzeit als unheilbar. Therapien können den Krankheitsverlauf lediglich verlangsamen und Symptome lindern.

Sie dient dem Zweck, den seit 2025 mit der unheilbaren Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose diagnostizierten Künstler zu unterstützen. Konkret soll der Erlös aus den Bildverkäufen lebenswichtige Medikamente und einen Sprachcomputer mit Augensteuerung mitfinanzieren. Doch wer die Ausstellung betritt, merkt rasch: Die Krankheit steht nicht im Mittelpunkt. Es sind die Bilder.

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„Ein ganzes Malerleben“

Gleich im ersten Raum „steckt ein ganzes Malerleben“, schwärmt Organisatorin Gabriele Bösch. Dort versammelt die Serie „Rachel“ Jansens jüngste Arbeiten und versteht sich als Hommage an die niederländische Barockmalerin Rachel Ruysch (1664–1750). Auf schwarzweiß gehaltene Reproduktionen ihrer opulenten Blumenarrangements fügt der motorisch stark eingeschränkte Künstler bunte Tupfer von erstaunlicher Strahlkraft hinzu. Die Werke schlagen damit eine Brücke von der Herkunft des an der Akademie der bildenden Künste in Breda ausgebildeten Malers hin zur Gegenwart.

Ausstellung Johan Jansen
Ein Werk aus der Serie „Rachel“. NEUE

Fotorealismus

Mit der titelgebenden Serie „Walking in Paradise“ zieren teils fotorealistische Landschaftsbilder den zweiten Raum. Die Werke gehen auf Wanderungen zurück, die Jansen über Jahre hinweg unternahm – unter anderem auf dem Jakobsweg, durch Irland oder Skandinavien.

Ausstellung Johan Jansen
Serie „Walking in Paradise“.KunstVorarlberg

Die Langsamkeit des Schrittes, das genaue Beobachten und das allmähliche Erschließen einer Landschaft sind in die Bilder förmlich eingeschrieben. Mit einer Arbeit, die überflutete Auen, samt Baumkronen und Böschungen, wiedergibt, gelang ihm die Kunst, Zerstörerisches ästhetisch einzufangen, ohne es zu verklären.

Johan Johansen
Erneut aus der Serie „Walking in Paradise“. KunstVorarlberg

Überhaupt zeigt sich in der Schau der verspielte, bewusst konstruierte Blick des Künstlers auf die Natur. Er ist frei vom Verdacht, heroische Gipfelbilder auf die Leinwand zu bannen. Vielmehr zelebrieren die Werke das subjektive Erleben von Landschaft.

Augenfreude

Eine Tür weiter fallen bei „Landscapes“ Blüten ins Wasser oder blickt man durch sie dem Himmel entgegen? Der spielerische Umgang mit Perspektive und Ebenen weckt Freude am Betrachten und ehrt damit nicht nur die florale, sondern auch die menschliche Natur. So auch bei „Looking at Clouds“, wo man sich fühlt, als würde man auf einer Wiese liegend dem Lauf der Wolken folgen.

Johan Johansen
Aus der Serie „Landscapes“.KunstVorarlberg

Den Einschnitt durch die Krankheit markiert der letzte Raum. Unter dem Titel ALS zeigt er die ersten Arbeiten nach der Diagnose im Herbst 2025. Statt realistischen Pinselstrichen blühen hier abstrakt anmutende Stillleben, die sich einer klaren Einordnung, ob Blumenstrauß oder doch Seerosenteich, entziehen.

Johan Johansen
„Looking at Clouds“. KunstVorarlberg

Begeisterte Käuferin erzählt

Während der Besichtigung sah die NEUE, dass bereits drei Werke verkauft sind. Eine der Käuferinnen gerät beim Rundgang regelrecht ins Schwärmen: „Als ich auf der Emsiana erstmals ein Bild von Jansen sah, war ich total fasziniert. Was er drauf hat, ist unglaublich. Auf der einen Seite malt er naturgetreu, auf der anderen stellt er durch die frechen, abstrakten Einfügungen, für mich immer wieder infrage, wie wirklich die Wirklichkeit ist. Außerdem sind sie natürlich sehr schön.“

Ausstellung Johan Jansen
Serie „ALS“. NEUE

Die Sommerausstellung „Walking in Paradise“ wird am Donnerstag, 9. Juli, um 19 Uhr in der Villa Claudia eröffnet. Die Einführung übernimmt Gabriele Bösch. Zu sehen ist die Werkschau bis 9. August. Begleitend finden Führungen mit Margot Prax (19. Juli, 11 Uhr) und Erhard Witzel (26. Juli, 11 Uhr) statt.

SAV