Studierende spielen Björk – mit Pauken und Trompeten

Die Formation ConSTELLAtion, 24 Studierende sowie Lehrende der Stella Vorarlberg Privathochschule für Musik, bringt am Donnerstag im Rahmen der Poolbar die Musik von Björk auf die Bühne. Die NEUE war bei der Hauptprobe dabei.
Seit mehr als drei Jahrzehnten begeistert die isländische Musikerin mit einem experimentellen Klangkosmos zwischen Avantgarde-Pop, Elektronik, Klassik und Jazz. Nach dem gelungenen Radiohead-Projekt im vergangenen Jahr widmet sich ConSTELLAtion nun einer Künstlerin, die für musikalische Eigenständigkeit steht. „Ich suche immer nach kreativen Vorbildern, Menschen, die unbeirrt ihren eigenen Weg gehen und sich nicht vom Markt beeinflussen lassen. Björk ist dafür ein Paradebeispiel“, sagt Florian King, Projektleiter und Lehrender an der Stella.

Umfangreiches Ensemble
Für die Umsetzung ihrer Musik steht ein umfangreiches Ensemble bereit: ein fünfköpfiges Percussion-Ensemble, ein Streichquartett, fünf Bläser, Harfe, Keyboards, E-Bass, Kontrabass und fünf Sängerinnen. Lehrende coachen die einzelnen Gruppen und haben auch die Arrangements mitentwickelt. Gerade der Gesang stellt die Mitwirkenden vor besondere Herausforderungen. „Unsere Sängerinnen kommen alle aus der klassischen Ausbildung. Sie müssen nicht nur in ein neues Genre eintauchen, sondern sich auch auf Björks individuelle Gesangssprache zwischen Flüstern, Schreien und feinsten Nuancen einlassen. Das verlangt Mut, und genau den bringen sie mit“, sagt King.

Monique Vauti-Rienößl (35) übernimmt unter anderem den industriell-rockigen Song „Army of Me“. „Für mich ist spannend, dass Björk einfach macht, was sie will. Es gibt keine festgeschriebenen Regeln. Ich liebe ihre Polyphonie und dass so viel gleichzeitig passiert. Ohne ein Ensemble, das perfekt aufeinander abgestimmt ist, würde das gar nicht funktionieren.“

Debütalbum im Fokus
Das Programm trägt den Titel „Human Behaviour“, benannt nach Björks erstem Titel ihres Debutalbums. Mehrere interpretierte Stücke stammen vom ersten Album der Isländerin. Bei eben diesem Song setzt das Ensemble eine Idee um, die King schon lange verwirklichen wollte: Die markante Basslinie wird nicht elektronisch erzeugt, sondern von echten Pauken gespielt. „Unsere große akustische Besetzung eröffnet hier Klangmöglichkeiten, die mit einer klassischen fünfköpfigen Band kaum realisierbar wären.“

Dass Björks Musik häufig auf elektronischen Sounds basiert, macht die Arrangements besonders anspruchsvoll. Arwed Kern (24) aus der Percussiongruppe erklärt: „Unsere Aufgabe war es, diese elektronischen Klänge akustisch nachzubilden. Viele Sounds, die sonst ein Schlagzeuger auf einem elektrischen Drumkit spielt, verteilen wir auf fünf Personen. Ich spiele etwa einen Kunststoffdeckel oder ein Donnerblech.“

Auch Bassistin Paula Gomez (26) ist begeistert: „Ich bin ein großer Björk-Fan. Mich fasziniert, wie sie aus Nischenmusik Pop macht. Gerade dieses Experimentelle macht ihre Musik so besonders.“ Für Saxofonist Andrin Secco (27) liegen die Herausforderungen an anderer Stelle: „Es gibt unglaublich viele Rhythmuswechsel und Emotionen. Ich komme ursprünglich aus dem Jazz. Die rauchige Klangfarbe hilft mir sehr dabei, Björks Musik zu interpretieren.“

King geht es bewusst nicht um eine möglichst originalgetreue Kopie der Songs. „Mich interessiert die Essenz eines Songs. Wenn wir sie erfassen und mit unserem eigenen Klang erzählen, dann entsteht etwas Neues.“ Genau darin liegt der Reiz dieses außergewöhnlichen Projekts.
Daniel Furxer