Kultur

7000 Stimmen für die Festspiele

03.08.2026 • 11:08 Uhr
Singalong am See
Das Singalong am See wurde zu einem Geburtstagsständchen der besondern Art. Festspiele/Koehler

Zum 80. Geburtstag der Bregenzer Festspiele wurde die voll besetzte Seetribüne selbst zum Chor. Steven Moore führte das Publikum mit viel Charisma durch große Opernmelodien.

Was für ein freudig erregter Bienenschwarm auf der voll besetzten Tribüne, was für eine übersprudelnde Energie eines charismatischen Dirigenten, der fast 7000 Menschen zu einem großen Chor zusammenschweißt!

Singalong am See
Intendantin Paasikivi: „Heute sind Sie der Festspielchor.“ Festspiele/Koehler

Zum 80. Geburtstag der Bregenzer Festspiele begrüßte Intendantin Lilli Paasikivi, wie immer in leuchtende Farben gekleidet, die Sängerinnen und Sänger aus dem gesamten Bodenseeraum, die sich vom australischen Dirigenten Steven Moore und von den zündenden Melodien bekannter Opernchöre begeistern ließen.

Singalong am See
Festspiele/Koehler

Lilli Paasikivis Begrüßung „Heute sind Sie der Festspielchor“ ließ die freudige Erwartung nochmals wachsen, Steven Moores Motto „Hau rein“ lockte selbst die Schüchternsten aus der Reserve. Stimmkräftig unterstützt wurden sie von den Mitgliedern des Bregenzer Festspielchors, des Prager Philharmonischen Chors, dem Chor des Bayerischen Rundfunks, sogar ein Betriebschor der Bregenzer Festspiele hatte sich gebildet.

Singalong am See
Julia Muzychenko und Jose Simerilla Romero.Festspiele/Koehler

Unter einem Sonnendach hatten sich Mitglieder des Symphonieorchesters Vorarlberg versammelt, in Arrangements von Keyboarder Marko Hilpo war der Orchestersatz auf solistische Besetzung eingedampft worden. Julia Muzychenko und José Simerilla Romero, eines der Paare für die Hauptrollen in „La Traviata“, Michael C. Havlicek, dort in einer kleinen Rolle besetzt, und Karoly Szemerédy, der Bariton aus der Hausoper von Janáček, setzten Glanzlichter im Wechsel von Soli und Chor und hatten sichtlich ebenso viel Freude an der hautnahen Begegnung mit dem Publikum.

Singalong am See
Dirigent Steven Moore. Festspiele/Koehler

Hymne an die Sonne

Ein kurzes Warmup muss reichen, und schon geht es los mit „O sole mio“ – das ist kein Opernchor, aber eine Hymne an die Sonne, die bei der abendlichen Festspielaufführung so farbenreich im Bodensee versinkt und „die wir so brauchen“: der süditalienische Dialekt ist ungewohnt, die Melodie bekannt, die Begleitung durch das Orchester schwingend und bei der Wiederholung klappt es auch mit dem Rausschauen und dem Rubato ganz gut. Steven strahlt und ist jetzt schon nassgeschwitzt.

Beim Jägerchor aus dem „Freischütz“ – „man geht in die Kneipe und trinkt ein Bier“ – legt er besonderen Wert auf ein kräftiges „Joho“ – „wenn wir das haben, klappt das Stück!“: Auch da braucht es ein bisschen Anlauf, aber als die Bläser beherzt vorlegen, stimmen alle mit ein. Im berühmten „Nessun dorma“ („keiner schlafe“) aus Puccinis „Turandot“ unterstützt der Chor den Prinzen Kalaf in seiner siegesgewissen Arie „Vincerò!“: „beim Morgengrauen werde ich siegen“ singt José Simerilla Romero mit allem tenoralen Schmelz in einer der schönsten Melodien, die der Chor wieder mit einer Hymne an die Sonne bestärkt.

Singalong am See
Festspiele/Koehler

Vollgetankt mit Ohrwürmern

Wer dabei war, erinnert sich an die Generalprobe von „Nabucco“ vor über 30 Jahren, als sich zum Gefangenenchor alle Schleusen des Himmels öffneten und die Eindringlichkeit der Bilder noch verstärkt wurde: Dass dieses „Va pensiero“ nicht nur eine wunderschöne Melodie hat, sondern die heimliche Nationalhymne Italiens war, die Tausende beim Trauerzug für Verdi intonierten, streut der leidenschaftliche Dirigent ganz nebenbei auch ein. Karoly Szemerédy genießt als Escamillo das Bad in der Menge, angefeuert vom riesigen Chor auf der Tribüne. Und natürlich sind alle zu Gast bei Violetta Valery und erheben gemeinsam mit Julia Muzychenko und José Simerilla Romero ihr imaginäres Glas auf die Pariser Lebedame und zugleich auf die Bregenzer Festspiele! 7000 strahlende Menschen strömen nach diesem Nachmittag auf den Vorplatz, schlendern durch die Seeanlagen, sind vollgetankt mit Ohrwürmern: Der wunderbare Plan von Lilli Paasikivi, die solche Events aus ihrer finnischen Heimat kennt, ist aufgegangen, dank Steven Moore und allen Organisatoren. Happy Birthday Festspiele!

Katharina von Glasenapp