Kultur

Auf dem Schulhof der großen Gefühle

06.08.2026 • 18:26 Uhr
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Im sturmfreien Haus entfaltet sich ein regelrechter Sturm der Liebe. Festspiele/Mathis(5)

Das Opernstudio der Bregenzer Festspiele zeigt „L’elisir d’amore“ als Highschool-Geschichte.

Nemorino steht diesmal nicht auf einem Dorfplatz, sondern auf einem Schulhof. Er ist schüchtern, verliebt und unglücklich genug, einem zweifelhaften Liebestrank zu vertrauen. Adina wiederum ist keine ferne Schöne, sondern eine kluge, selbstbewusste junge Frau, die in dieser Welt sehr genau weiß, wie sie wirkt. So beginnt Anna Kelos Zugriff auf Donizettis „L’elisir d’amore“, die diesjährige Produktion des Opernstudios der Bregenzer Festspiele. Ab 17. August ist sie im Theater am Kornmarkt zu sehen.

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Emanuel Tomljenović (Nemorino) und Iana Aivazian (Adina).

Liebeskomödie

Für Leserinnen und Leser, die das Stück nicht kennen: „L’elisir d’amore“ ist eine italienische Liebeskomödie aus dem Jahre 1832. Nemorino liebt Adina, Adina scheint sich eher für den selbstbewussten Belcore zu interessieren. Dann taucht Dulcamara auf, ein Quacksalber mit großem Auftritt und verkauft Nemorino einen angeblichen Liebestrank. Aus Sehnsucht wird Geschäft, aus Hoffnung Verwirrung, aus einem Missverständnis eine ganze Oper.

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Kelo verlegt diese Konstellation in eine Highschool. „Der erste Akt spielt auf einem Schulhof“, konkretisiert die finnische Regisseurin, die unter anderem von der Netflix-Serie „Sex Education“ inspiriert wurde. „Alles, was dort passiert, führt dann im zweiten Akt zu Adinas Hausparty.“ Diese Protagonistin sei in der Vorlage „ziemlich naiv, auf eine schöne Weise, aber nicht sehr glaubwürdig“. Als Regisseurin ist sie daher bemüht, „dass die Menschen leichter einen Bezug zu dem finden, was sie sehen“.

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Anna Kelo: Es wird wie eine kleine Familie. Ein bisschen wie ein Sommercamp.“

Text und Musik bleiben dabei selbstverständlich unberührt. „Es ist noch genau dasselbe Stück, aber alles, was man sieht, ist anders.“ Kostüme und Bühne sind modern, dazu kommen kleine zusätzliche Beziehungslinien. Giannetta etwa ist nicht mehr nur eine Nebenfigur im Chor, sondern Nemorinos beste Freundin und selbst in ihn verliebt.

Ohne Schenkelklopfer

Kola verzichtet beim anspruchsvollen Genre der Komik bewusst auf Schenkelklopfer. Zwar ist „L’elisir d’amore“ eine Opera buffa, doch sie will keine Pointenmaschine daraus machen. „Humor ist sehr schwierig und sehr subjektiv“, bekräftigt sie. In ihrer Version gehe es daher weniger um lautes Lachen als um „dieses innere Lächeln“. Komik entstehe schließlich nicht, indem man sie erzwinge, sondern „durch die Menschen auf der Bühne, durch Spannungen und Energien“.

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In die Wiege gelegt. Oper ist ein seltsames Medium, gesteht die heitere Finnin. Als Tochter eines Dirigenten und einer Pianistin wurde ihr das Format jedoch förmlich in die Wiege gelegt: „Von dem Moment an, in dem ich geboren wurde, war ich da drin.“ Anfangs habe sie noch versucht, sich dagegen zu wehren. Etwa in Form einer frühpubertären Punk-Phase. Letzten Endes entschied sie sich dennoch für das „Familiengewerbe“ und studierte während der Sowjet-Zeit an der heutigen Russischen Akademie für Theaterkunst in Moskau.

Kleine Welt

In Bregenz trifft sie nun auf die ihr vertraute finnische Opernwelt. Eine kleine Szene, versichert Kelo: „Wir haben nur ein Opernhaus, die Finnische Nationaloper. Im Grunde kennen sich alle, die in Finnland im Opernbereich arbeiten.“ Mit Intendantin Lilli Paasikivi und dem künstlerischen Betriebsdirektor Jaakko Kortekangas verbindet sie eine lange Geschichte. Bregenz wird so auch zum Wiedersehen an einem anderen Ort.

Für das Opernstudio ist die Produktion zugleich Bewährungsprobe und Ausnahmezustand. Junge Sängerinnen und Sänger erarbeiten unter professionellen Bedingungen eine ganze Oper. Musikalisch geleitet wird „L’elisir d’amore“ von Danila Grassi, Iana Aivazian singt Adina, Emanuel Tomljenović den Nemorino. Kelo beschreibt die Probenzeit als intensive, vorübergehende Gemeinschaft: „Es wird wie eine kleine Familie. Ein bisschen wie ein Sommercamp.“ Man arbeite eng zusammen, lerne einander kennen, verbringe fast die ganze Zeit miteinander. „Und in ein paar Wochen verdampft alles wieder, und alle gehen weg. Aber so ist Oper.“

SAV