Eine Weltreise im Chansonformat

Anne Sofie von Otter zeigte in Bregenz, wie souverän sie zwischen Chanson, Kunstlied, Volksmusik und Kabarett wechselt – getragen von einer wunderbar eingespielten Band.
Vor wenigen Tagen erst hat sie in der für Bregenz geschaffenen Musiktheaterproduktion „Passion of the common man“ als Erzählerin und Sängerin beeindruckt, nun begeisterte die schwedische Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter gemeinsam mit vier Musikern im Kornmarkttheater in einem dreisprachigen Chansonabend.

Dass die Sängerin ein enorm breites Repertoire zwischen Barockoper und zeitgenössischer Musik, allen Genres des Liedes oder geistlicher Musik ausspannt, mit Pop ebenso wie mit Volksmusik spielt, ist ja bekannt. Dass sie das bereits über Jahrzehnte macht und so klug mit ihrer schlank geführten Stimme umgeht, ist denn aber doch erstaunlich.
Frech und schwungvoll
Im Bregenzer Kornmarkttheater führt sie ihr Publikum zuerst nach Paris, zu den großen Chansonniers wie Charles Trenet, zu Georges Moustaki und seinem berührend interpretierten „Ma solitude“, zum frech schwungvollen „A bicyclette“ oder dem mit allen Emotionen spielenden „Padam, padam“, das Norbert Glanzberg für Edith Piaf geschrieben hat. Ein Lied von Cécile Chaminade und zwei im „alten Stil“ komponierte Lieder von Reynaldo Hahn repräsentieren das französische Kunstlied.

Wunderbar abgestimmt auf die Sängerin und eng mit ihr verbunden sind sowohl die Arrangements als auch die schwedischen „Jungs“ an ihrer Seite: Johan Siberg akzentuiert am Klavier mit trockenen Rhythmen, süffigen Akkorden und feinen Zwischentönen, Fabian Fredriksson zeigt ebenfalls seine Vielseitigkeit an der Gitarre. Bengan Jansson bringt am Akkordeon die feinen Musetteklänge und den satten Sound (wunderbar etwa im „Beritswalz“ von Richard Galliano, hinter dem sich ein „Zwiefacher“ mit Stolperstellen im Walzer verbirgt), Anders Jakobsson lässt seine Geige sehnsüchtig singen. Dass diese beiden Musiker auch in der schwedischen Volksmusik ein wunderbar aufeinander eingespieltes Team sind, zeigen sie nach der Pause, als Anne Sofie von Otter den schwedischen Sommer mit seinen Festen an den Bodensee bringt.

Hinreißend präsentiert
Schließlich geht die Chansonreise ins Berlin der 1920er Jahre, zu den erotisch knisternden Songs von Nico Dostal oder Friedrich Hollaender, die mit den Persönlichkeiten von Marlene Dietrich oder Zarah Leander verbunden sind. Andere Töne bringen die von Hanns Eisler vertonten Brecht-Gedichte, ein farbenreicher Tango oder die jazzige Partita von Erwin Schulhoff. Aus all dem formen die Sängerin und ihre besondere „Band“ ein facettenreiches Panorama der Zeit, hinreißend präsentiert und von allen bejubelt.
Katharina von Glasenapp