Oper mit Groove und Grunge mit Opernstimme

Trio Kronthaler glänzte bei „Baroque meets Jazz“ im Bregenzer Kunsthaus mit einem Repertoire von Händel bis Soundgarden.
Monteverdi trifft E-Gitarre und Kontrabass, Opernstimme trifft Popsong, Giulio Cesare bekommt zeitgenössischen Text: bei „Baroque meets Jazz“ im Bregenzer Kunsthaus nahmen die Mezzosopranistin Theresa Kronthaler, der Gitarrist Kalle Kalima und der Kontrabassist Oliver Potratz das Publikum mit auf eine spannende Reise durch Zeiten und Stile.

Peppig
Wie lebendig die Arien von Claudio Monteverdi oder Georg Friedrich Händel sind, was für einen „Groove“ die Generalbasslinien, auf Laute, Gitarre oder Gambe ausgeführt, entwickeln, wie peppig eine Barockoper heute inszeniert werden kann, ist bekannt. Schließlich sind auch die Improvisationen über solch einen „basso ostinato“ und die Improvisationen in einem Jazzstandard gar nicht weit weg voneinander. Ganz zu schweigen von den Inhalten, denn die Themen Liebe, Trauer, Verlust, Freude sind über die Jahrhunderte präsent in allen Liedern, Arien und Songs.

Grenzbereiche der Stimme
Das Trio Kronthaler geht aber noch weiter: während die Gesangslinie der Barockstücke ziemlich nah am Original bleibt, kann die deutsche Mezzosopranistin Theresa Kronthaler mit dem Mikrofon auch an die Grenzbereiche der Stimme mit Hauchen, Flüstern oder Sprechen gehen und umgekehrt in den Grunge-Songs wie „Black Hole Sun“ ihre Opernstimme „auspacken“.

Die gebürtige Würzburgerin ist in Rom aufgewachsen und hat in Berlin studiert, die Liebe zur frühbarocken Musik von Claudio Monteverdi spiegelt sich in einem großen Teil des Programms. Die beiden Musiker an ihrer Seite bewegen sich leichtfüßig zwischen den Stilen: Der finnische Jazzgitarrist Kalle Kalima kriecht gleichsam in die alte Musik hinein, umspielt die Gesangslinie bald zärtlich und poetisch, bald kraftvoll und rockig. Der Hamburger Bassist Oliver Potratz bringt die Möglichkeiten seines mächtigen Instruments ins Spiel, gezupft oder mit Nachdruck gestrichen, mit feinen Obertönen und den ganzen Ambitus ausschöpfend. Das Trio hat die Stücke von Monteverdi, Purcell, Händel oder Frescobaldi fein ausgehorcht, verinnerlicht und verwandelt und Songs aus Pop und Musical dazu gemischt. Die Sängerin und die Musiker sind durch gemeinsame CD-Aufnahmen verschmolzen, sie geben sich gegenseitig Raum, schaffen spannende Übergänge. So entsteht ein Crossover-Projekt, das die Ohren öffnet und durchputzt und selbst Puristen (zu denen sich die Rezensentin eher zählt) nicht vor den Kopf stößt… Im speziellen und akustisch nicht einfachen Ambiente des Kunsthauses kam der Abend in jedem Fall hervorragend an.
Katharina von Glasenapp