Symphonieorchester Vorarlberg würdigt Herbert Willi mit einem fulminanten Saisonstart

Zum Saisonauftakt des Symphonieorchesters Vorarlberg wurde das Montforthaus nicht nur zum Konzertsaal, sondern auch zur Projektionsfläche für Wort, Bild und Ton. Im Zentrum stand Herbert Willi, dessen Klarinettenkonzert mit Sharon Kam und dem SOV zu einem vielschichtigen Porträt seines Schaffens wurde.
Nicht nur für die Ohren, auch für die Augen und den Geist war viel geboten beim Auftaktkonzert zur neuen Saison des Symphonieorchesters Vorarlberg. Den 70. Geburtstag von Herbert Willi zu Beginn dieses Jahres und die Aufführung seines Klarinettenkonzerts durch Sharon Kam und das SOV hatten Studierende des Lehrgangs InterMedia an der FH Vorarlberg zum Anlass genommen, den Komponisten in „Re-Sonanzen“ von Wort, Bild und Ton zu portraitieren. Im Vorgespräch gaben Sharon Kam und Herbert Willi Einblick in ihre künstlerische Begegnung, druckfrisch lag auch eine von Martin Skamletz nach zahlreichen Gesprächen aufgezeichnete Autobiographie von Herbert Willi aus und fand zahlreiche Interessenten, die sich dem Komponisten aus dem Montafon und seinem „inneren Hören“ verbunden fühlen.

„Mein zweites Leben“ wird sicherlich auch bald in dieser Zeitung vorgestellt werden. Beim hier besuchten Konzert im Montforthaus Feldkirch wurden auch Foyer und Fassade mit Videos und Klängen bespielt.

Im Auftrag der Salzburger Festspiele
Für das Mozartjahr 2006 hatten die Salzburger Festspiele Herbert Willi mit einem Klarinettenkonzert beauftragt und da die Klarinette Willis erstes Instrument gewesen war und er sich zudem mit Sharon Kam seine Wunschinterpretin aussuchen konnte, schuf er sein, wie er sagt, persönlichstes Werk. Persönlich auch deswegen, weil mit dem Akkordeon auch das Instrument seines Vaters einen prominenten Platz in der Partitur und im Orchester bekommen hatte und sich der Komponist an das gemeinsame Musizieren in seiner Kindheit erinnerte. „Ego eimi – ich bin dort, wo du auch bist“ (nach Martin Buber) hat Herbert Willi seinen Eltern gewidmet, die ihn während der langen Krankheitsjahre in seiner Jugend immer unterstützt hatten. Und das Klarinettenkonzert ist auch Teil seines Werkzyklus‘ „Montafon“. Die Solokadenz, die bei anderen Konzerten inmitten eines Satzes erklingt, setzt Herbert Willi an den Beginn, die Klarinette (und damit die wunderbar experimentierfreudige und sympathische Sharon Kam) tänzelt durch die Register, spielt mit Farben und Stilen, Volksmusik und Jazz sind nah beieinander, die Solistin öffnet den Raum und lädt das Orchester zum Mitspielen ein. Aus einem Liegeklang entwickelt sich gleißend und wabernd der vielgestaltige und obertonreiche Kosmos von Herbert Willis Orchestersprache. In großem Kontrast dazu sind die rhythmischen Explosionen, wenn Zupfbässe und Schlagwerk wie eine Jazzcombo klingen und die Klarinette einen traumtänzerischen, von der Tuba grundierten Dialog mit dem Akkordeon (Marko Trivunovic) beginnt. Noch einmal entfaltet sich das weite Klangspektrum des ganzen Orchesters mit starken majestätischen Klängen (natürlich denkt man da an die großartige Bergwelt des Montafons!), die Soloklarinette erhebt sich mit intensiven Spitzentönen und doch eingebunden in den großen Klang. Sharon Kam erweckt das musikantische, facettenreiche Werk gemeinsam mit dem hochmotivierten SOV und unter der klaren Leitung von Leo McFall zum Leben. Zusammen tauchen sie in der Zugabe mit Gershwins „Summertime“ noch einmal ein in den Spätsommer – beschwörend, sprechend, groovend…

MATHIS
Dramatisch, freundlich, himmlisch
Eingerahmt wurde dieses Konzert von der Ballettmusik zu Mozarts „Idomeneo“ und der großen C-Dur-Symphonie von Schubert: Bei Mozart postierte der Dirigent die Gruppe der Holzbläserinnen (mit einem „Klarinetten-Hahn im Korb“) vor die Streichergruppe, haben sie doch eine prominente Funktion in Mozarts farbenreich akzentuierter Theatermusik. Schwungvoll, pointiert, freundlich, aber auch dramatisch gestalteten Leo McFall und das SOV diese selten zu hörende Musik. Schuberts Symphonie Nr. 8 war dann wahrlich „groß“ – in der Ausdehnung wie in der Ausführung: von der legatissimo fließenden Einleitung, dem gefürchteten und glänzend gemeisterten Hornthema über den Aufschwung im Allegro, in dem viele kleine Motive das große Ganze bilden. Im langsamen Satz bereiteten die Streicher sacht pulsierend den Boden für das kecke Oboensolo (Heidrun Pflüger) und die Antwort der Klarinette (Francesco Negrini) – was sich daraus an charaktervollen Entwicklungen entfaltet, war fein herausgearbeitet. Das Scherzo gestaltete Leo McFall in einem schwingenden Rundtanz mit raunenden Einschüben, bevor die Energie im Finale immer neu aufgenommen wurde: so fein und musikantisch gestaltet wirkte der Satz sehr natürlich, tänzerisch pulsierend und zuletzt dunkel akzentuiert: „himmlisch“ – ohne die „Längen“, die dieser Symphonie so gern zugeschrieben werden. Das war ein glänzender Saisonauftakt, Dirigent und Orchester wurden vom Publikum gefeiert und es ist immer wieder wunderbar zu erleben, wie „zuhause“ der sympathische Engländer bei seinem Orchester ist!
Katharina von Glasenapp