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Indische Kulinarik statt Computer im Büro

07.02.2026 • 11:00 Uhr
Indische Kulinarik statt Computer im Büro
Tahir Rajaji und seine Frau Nusrat Rajaji sind überglücklich bei der Eröffnung. Stiplovsek (6), zvg (1)

Während der Corona-Zeit hatte Tahir Rajaji einen Bürojob. Der sagte ihm gar nicht zu – so eröffnete er sein eigenes Restaurant.

In Bregenz-Vorkloster hat vor kurzem ein neues indisches Restaurant seine Türen geöffnet. „Wir haben lange nach einem Lokal gesucht“, erzählt der Besitzer Tahir Rajaji. Dann, eher zufällig, der entscheidende Moment: „Im Internet habe ich gesehen, dass hier ein Lokal frei wird. Ich habe es mir angeschaut und dann hat es einfach gepasst.“ Gemeinsam mit seiner Frau, Nusrat Rajaji, führt er heute das Restaurant „Der Inder“. Dass es nun genau dieses Lokal geworden ist, empfindet das Paar als Glücksfall. „Wir wollten einen Platz schaffen, an dem man sich wohlfühlt“, sagt Tahir Rajaji und genau das spürt man, sobald man eintritt.

Gastrotipp Der Inder

Klarer Name

„Der Inder“ hat etwas mit seinem eigenen Namen zu tun. Rajaji arbeitete viele Jahre in der Gastronomie und sein Nachname sorgte dabei oft für Verwirrung. „Rajaji war für viele schwer auszusprechen und noch schwerer aufzuschreiben“, erzählt er. Bald nannten ihn seine damaligen Arbeitskollegen einfach „den Inder“. Als er später über einen eigenen Betrieb nachdachte, wurde aus dem Spitznamen eine Idee. Im Gespräch mit einem ehemaligen Arbeitskollegen war schnell klar das es ein einfacher Name werden soll, den jeder sagen und sich merken kann. Also nahmen sie einfach den Namen, unter dem Rajaji bekannt war.

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“Der Inder” in Bregenz.

Eigene Vision

„Ich bin von Indien nach Österreich gekommen“, erzählt Tahir Rajaji. Nach der Schule absolvierte er hier eine Fachausbildung, 2010 zog es ihn weiter nach Vorarlberg. „Da hat meine Zeit in der Gastronomie richtig angefangen.“
Fast zehn Jahre arbeitete er in unterschiedlichen Betrieben, vom Hotel bis in die Gastronomie. „Ich wollte überall dazulernen, jede Küche ist anders“, sagt er. Mit Corona kam der Einschnitt. Rajaji wechselte vorübergehend in einen Bürojob. „Ich und ein Computer, acht Stunden am Tag? Das hat einfach nicht gepasst.“ Die Gastronomie ließ ihn nicht los. Währenddessen suchte er weiter nach einem Standort für seine eigene Idee. 2024 war es schließlich so weit. In Fußach startete der Gastronom seinen ersten indischen Foodtruck. Eine Rückkehr zu der Küche, die er am besten kennt.

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Die Einrichtung ist im indischen Stil.

Zusammen Wachsen

„Am meisten Spaß macht mir der Kontakt mit den Menschen“, sagt Rajaji ohne zu zögern. „Jeden Tag triffst du verschiedene Leute und du lernst jedes Mal etwas Neues.“ Genau diese Abwechslung sei es, die seinen Beruf so besonders mache. Der Job sei für ihn aber nicht nur ein Ort des Austauschs, sondern auch des Lernens. „Ich habe bis jetzt keinen Deutschkurs gemacht und keine Deutschschule besucht“, erzählt er. Stattdessen habe er sich die Sprache direkt im Arbeitsalltag angeeignet. „Ich habe mein komplettes Deutsch bei der Arbeit gelernt.“ Durch Gespräche mit Kollegen und Kunden habe sich sein Wortschatz sehr gut erweitert. Für ihn zeigt das, wie viel Potenzial im täglichen Miteinander steckt: „Du lernst automatisch, jeden Tag, Schritt für Schritt.“

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Indische Kulinarik

Die Karte bei „Der Inder“ ist riesengroß und die Auswahl kann sich sehen lassen. Egal ob vegetarisch, vegan oder mit Fleisch, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Auf der Karte stehen Gerichte mit Hühnerfleisch, Fisch, Lamm und Garnelen. Auch bei den Beilagen gibt es viel Auswahl. Dazu kommen verschiedene Grillspezialitäten und zahlreiche Brotsorten. Besonders beliebt sind die traditionellen Naanbrote. „Wir haben verschiedene Naanbrote mit Koriander, mit Salzkümmel, mit Sesam oder mit Käse“, zählt Tahir Rajaji auf. Manche sind auch gefüllt, zum Beispiel mit Kartoffeln und Zwiebeln. Gefragt nach den Favoriten der Gäste, muss er nicht lange überlegen. „Oftmals bestellt werden Butter Chicken Curry, gegrilltes Hähnchenfleisch oder Lamm Tikka.“ Der Grund dafür liegt auch in der Art der Zubereitung. „Wir haben einen Tandoor-Ofen, den wir aus Indien importiert haben“, sagt der Besitzer stolz.

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Mittagsmenü

„Jeden Tag haben wir ein Mittagsmenü“, erklärt er. Und das wechselt ständig. „Es gibt immer eine Tagessuppe und zwei Menüvarianten – einmal vegetarisch und einmal mit Fleisch.“ Von Anfang an war klar, dass das Restaurant einen eigenen Weg gehen soll. „Wir wollten umsetzen, dass bei uns keine alkoholischen Getränke serviert werden.“ Eine Entscheidung, die dem Gastronomen zunächst Sorgen bereitete. „Am Anfang hatten wir sehr viel Angst, wie das Restaurant angenommen wird, wenn es keinen Alkohol gibt.“ Diese Angst habe sich jedoch schnell gelegt. „Es wurde sehr gut angenommen“, sagt der Wirt. „Unsere indischen Gewürze bekommen wir von einem großen Lieferanten in Stuttgart“, erklärt er. „Natürlich achten wir sehr auf Regionalität“, sagt er. „Wir haben zum Beispiel alle Getränke von VO ÜS.“

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Foodtruck

In der Küche und im Service wird Tahir Rajaji von zwei Mitarbeitenden unterstützt. Auch die Räumlichkeiten sind überschaubar. Innen ist ein Raum mit 37 Sitzplätzen, im Sommer kommen rund 35 Sitzplätze draußen dazu. „Rundherum sind viele Bewohner und wir haben eine gute Laufkundschaft.“ erzählt der Wirt. Zusätzlich ist der Foodtruck fast täglich im Einsatz. Nusrat Rajaji unterstützt den Foodtruck in Fußach, hilft in der Küche mit und verleiht dem Haus seine familiäre Atmosphäre, obwohl die Ausgangslage für „Der Inder“ zuerst alles andere als ideal war. „Das war früher ein Bierlokal. Die Küche war ganz klein, und der Innenraum hat nicht wie ein richtiges Speiselokal ausgesehen.“ Inzwischen kann man das indische Flair spüren, wenn man im Lokal sitzt.

Kontaktdaten:

Adresse: Ammianusstraße, 6900 Bregenz
Telefonnummer: 05574/45317
Öffnungszeiten: Mo bis So 11.30 bis 14 Uhr und 17.30 bis 21.15 Uhr, Di Ruhetag