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„Erst am Ende wird abgerechnet“

08.08.2020 • 18:57 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Buchungslage ist derzeit besser als erwartet. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Die Buchungslage ist derzeit besser als erwartet. Dietmar Stiplovsek

Tourismus Spartenobmann warnt vor zu großer Euphorie.

Es ist noch nicht lange her, da zeichnete die komplette Tourismusbranche ein düsteres Bild im Hinblick auf die heurige Sommersaison. Ausgangsbeschränkungen und Grenzschließungen verhießen nichts Gutes. Doch mit den Lockerungen kamen auch die Gäste zurück. Momentan ist die Gesamtstimmung durchweg positiv. Die Branche bewegt sich weit weg von einem Totalausfall, sondern erfreut sich einer guten Buchungslage. Städte, Berge und Strandbäder sind gut besucht – die Leute sehnen sich nach Urlaub. Allerdings ist im Moment Hochsaison, es ist Ferienzeit und das Wetter spielt ebenfalls mit.

Markus Kegele, Hotelier und Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Markus Kegele, Hotelier und Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft. Klaus Hartinger

Markus Kegele, Hotelier und Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, warnt deswegen vor einer allzu großen Euphorie.
„Grundsätzlich ist die Stimmung in der Branche derzeit gut. Aber man muss die Situation auf das komplette Jahr betrachten“, gibt Kegele zu bedenken. Natürlich seien derzeit viele Gäste im Land, aber es gab aber auch Monate des Lockdowns und damit schlechte Zeiten. Auch erinnert er an das Nachtgeschäft, wo noch immer quasi Stillstand herrscht. Kegele selbst rät dazu, den Sommer und den Herbst erst einmal abzuwarten, denn „abgerechnet wird erst am Ende“.

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Dietmar Stiplovsek

Es liegt an den Umständen, dass derzeit vermehrt heimisches Publikum zu Gast ist. Und sogar viele Vorarlberger sind im Land geblieben. „Einige stellen jetzt erst fest, wie schön es hier ist“, haben der Hotelier aus Stuben, aber auch Berufskollegen beobachtet. Beim Umgang mit dem Coronavirus hat Kegele bei Gästen keine totale Verängstigung festgestellt. Durchaus aber eine gewisse Wachsamkeit. Diese würden auch sämtliche Mitarbeiter an den Tag legen, wie der Hotelier besonders hervorhebt.

<span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Dietmar Stiplovsek

Dennoch sitzt Kegele wie auf Nadeln, wie er selbst sagt. Denn es kann immer und überall passieren, dass ein Covid-Fall auftritt. Dann gilt es, schnell zu reagieren.
Der Hotelier betrachtet den Sommer als Test für die Wintersaison – und davor hat Kegele großen Respekt. Auch, weil im Land viele Betriebe gerade auf jene Urlaubszeit angewiesen sind. „Aber wir lernen ja alle dazu, Gäste und Mitarbeiter. Das Bewusstsein sich in Acht zu nehmen wächst“, bleibt der Spartenobmann optimistisch.

Die Buchungslage in Lech ist gut. <span class="copyright">Lech-Zürs Tourismus</span>
Die Buchungslage in Lech ist gut. Lech-Zürs Tourismus

Toursimus-Regionen

Vorsichtig optimistisch sind auch die Sprecher aus den Tourismus-Regionen. Die Buchungslage in Lech ist gut. „Im Juli kommen wir bestimmt annähernd an die Zahlen vom Vorjahr heran“, berichtet Fabinenne Kienreich von Lech-Zürs Tourismus. Ein Minus wird ihr zufolge sicher bei den Internationalen Gästen geschrieben. Die Top 3 der Herkunftsländer sind Österreich, Deutschland und die Schweiz. Die Hälfte der Wanderer in Lech und Umgebung seien Tagesgäste. Bei den Wanderbussen wurde daher Security Personal angestellt, damit Abstand und Sicherheit in den Fahrzeugen gewährt wird. Und auch die Freizeitangebote wie etwa das Autokino würden gut angenommen werden. „Zum Schutz der Besucher wurde aber auch eine Limitierung im Waldschwimmbad festgesetzt“, sagt Kienreich.

Im Montafon spricht man von "Vollauslastung".<span class="copyright"> Montafon Tourismus</span>
Im Montafon spricht man von "Vollauslastung". Montafon Tourismus

Montafon, Brenzerwald

Erfreuliche Zahlen gibt es im Montafon. Dort spricht Franziska Nitschmann von Montafontourismus von „Vollauslastung“ bei Hotels und Freizeitanlagen. „Die Auslastung in diesem Jahr ist im Vergleich zum Vorjahr gleich, zum Teil sogar besser“, sagt Nitschmann. Was auffalle sei, dass deutlich mehr Tagesausflügler als in den Vorjahren unterwegs sind.
Auch im Bregenzerwald ist die Buchungslage gut, es gibt jedoch quer durch alle Kategorien noch Verfügbarkeiten.

Alpenregion Bludenz

In der Alpenregion Bludenz geht man ebenfalls von einer ordentlichen Auslastung aus. „Im Klostertal könnte es noch etwas besser sein“, berichtet Geschäftsführerin Kerstin Biedermann-Smith. Die Stimmung sei aber generell gut – habe im Frühjahr doch niemand mit einer entsprechenden Sommersaison gerechnet. Auffällig sei die Auslastung durch neue Gäste aus dem Osten Österreichs.

Im Kleinwalsertal steigt die Anzal der Gäste aus österreich.  <span class="copyright">Kleinwalsertal Tourismus</span>
Im Kleinwalsertal steigt die Anzal der Gäste aus österreich. Kleinwalsertal Tourismus

Kleinwalsertal

Im Kleinwalsertal stammt der Großteil der Gäste (über 80 Prozent) von jeher aus Deutschland. „Erfreulich ist heuer der Anstieg der Gästezahlen aus Österreich“, berichtet Elmar Müller von Kleinwalsertal Tourismus. Derzeit sei die Belegung in den Hotels und Pensionen sehr gut. Mit dem 15. Juni hatte sich der Tourismus positiv entwickelt und die Zahlen für den Juli liegen knapp unter dem Vorjahr. Einzig bei den Betrieben die auf Schulfahrten und größere Gruppen ausgelegt sind, wird ein starker verzeichnet.