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Ein Fort Knox für Ländle Käse

08.10.2020 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Reifekapazität der Käse wurde auf 1200 Tonne verdoppelt. <span class="copyright">Vorarlberg Milch</span>
Die Reifekapazität der Käse wurde auf 1200 Tonne verdoppelt. Vorarlberg Milch

Vorarlberg Milch hat 25 Millionen investiert.

Es ist ein duftender und köstlicher Schatz, welcher unterirdisch in Feldkirch-Gisingen ruht. Von außen nicht ersichtlich sind es Tonnen von Käse, die in den neuen Räumlichkeiten der Genossenschaft Vorarlberg-Milch reifen. Geschäftsführer Raimund Wachter bezeichnet diesen Teil des Unternehmens gerne als Fort Knox. Er ist stolz auf sein „Generationenprojekt“, welches nach Bauabschluss Anfang des Jahres in Betrieb ging.

Die Reifekapazität wurde auf 1200 Tonnen verdoppelt. Davon werden momentan 60 bis 70 Prozent augeschöpft. Es ist Käse-Hochsaison. Und es bleibt für die nächsten Jahre noch Luft nach oben.

Acht Käsekeller mit unterschiedlichen Klimazonen. <span class="copyright">Roland Paulitsch</span>
Acht Käsekeller mit unterschiedlichen Klimazonen. Roland Paulitsch

Ein Cubus, acht Keller

Im unterirdischen Käse-Cubus befinden sich acht Keller mit unterschiedlichen Klimazonen. Käse ist ein Naturprodukt und bedarf wechselnder, unterschiedlicher Umgebung. Das Hochregallager bring es auf 3000 Palettenstellplätze, die Regale reichen 23 Meter in die Höhe. Menschen sieht man hie und da, viele Handgriffe gehen auch ohne. Flurfahrzeugen sind automatisch unterwegs und bringen die runden und eckigen Lebensmittel von A nach B. B ist in diesem Fall die neue Fläche zur Pflege des Naturprodukts, gleich nebenan.

Flurfahrzeuge sind automatisiert unterwegs. <span class="copyright">Roland Paulitsch</span>
Flurfahrzeuge sind automatisiert unterwegs. Roland Paulitsch

Alles automatisiert

Dort waschen Maschinen die Käse und betten die auf heimischen Fichtenbrettern lagernden Laiber um. „Der Clou an dieser technischen Konstruktion ist, dass die Holzbretter immer sauber sind, weil sie gleich mitgewaschen werden“, erklärt der technische Leiter Johannes Wehinger. Die Anlage ist nur bedingt störanfällig. Einen Stromausfall gab es sowieso noch nie.

Ohne Menschen geht es trotzdem nicht. <span class="copyright">Roland Paulitsch</span>
Ohne Menschen geht es trotzdem nicht. Roland Paulitsch

Qualitätscheck ist Menschensache

Ohne Personal geht es trotzdem nicht – das soll es auch nicht. Mindestens ein Käsemeis­ter ist vor Ort und kann sich neben der Überwachung der Anlage seinem eigentlichen Job widmen: der Qualitätskontrolle

Qualitätscheck beim Käsewaschen. <span class="copyright">Vorarlberg Milch</span>
Qualitätscheck beim Käsewaschen. Vorarlberg Milch

Größte Investition

Es ist die größte Investition, die Vorarlberg Milch je getätigt hat. 25 Millionen Euro sind in das Projekt geflossen. Am Ende einer Planungs- und Bauphase von insgesamt drei Jahren wurden der Käsekeller sowie die Abpackung erweitert und ein neues Hochregallager gebaut, wodurch nun eine Steigerung der Käseerzeugung möglich ist. Vor alledem stand der einstimmiger Beschluss aller gut 500 Milchbauern und damit Eigentümer der Genossenschaft.

<span class="copyright">Vorarlberg Milch</span>
Vorarlberg Milch

Herausforderungen

Laut allen Beteiligten war es ein Mammutprojekt. Eine Herausforderung war, ein Gebäude zu errichten, welches außerordentlich hohen technischen und hygienischen Anforderungen entsprechen muss. „Man stelle sich den Bau eines Operationssaales vor und setzt noch einen drauf“, formuliert es Alfred Haßler, Geschäftsführer vom Planungsbüro BHM Ingenieure.

Zertifizierung

Eine andere Herausforderung war, dass Vorarlberg Milch von Anfang an eine Zertifizierung anstrebte. Der Plan ist aufgegangen. Die Genossenschaft wird als erste Molkerei überhaupt mit dem Gold-Zertifikat der Österreichischen Gesellschaft für nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI) ausgezeichnet.

Peter Engert (ÖGNI) und GF Vorarlberg Milch Raimund Wachter mit dem Zertifikat für nachhaltiges Bauen. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Peter Engert (ÖGNI) und GF Vorarlberg Milch Raimund Wachter mit dem Zertifikat für nachhaltiges Bauen. Klaus Hartinger

Open-Book-Methode

Bei Erweiterung und Neubau setzten Bauherr, Planer und Bauunternehmer (Hilti & Jehle) übrigens auf eine neue Art der Zusammenarbeit: die Open-Book-Methode. Bei dieser Form der Kooperation liegt der Schwerpunkt auf Offenheit, Flexibilität und Transparenz. Alle Beteiligten haben von Beginn an gemeinsam geplant und entwickelt. Die dadurch flexible Bauabwicklung hatte es erlaubt, das Projekt mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit umzusetzen.