Kommentar

Gewinn und Niederlage

07.05.2021 • 22:27 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Dass das Café Feurstein nun endlich zur Miete ausgeschrieben wird und dort vielleicht schon bald wieder Menschen bei einem Kaffee oder Bier zusammensitzen können, ist ein Gewinn für Feldkirch und seine Bewohner. In einer Zeit, in der das Angebot in vielen Städten immer austauschbarer wird, ist der Erhalt eines derartigen Kleinods besonders wichtig. Das 1949 gegründete Café Feurstein ist ein kulturelles Gut, ein Ort der Begegnung und stellt in Sachen Identitätsstiftung selbst das Feldkircher Wahrzeichen samt angeschlossener Schnitzelmaschinerie in den Schatten.
Bei der Suche nach dem richtigen Pächter (Interessenten gibt es mehrere) ist Umsicht geboten, denn bei einem Café geht es nicht nur um die Kulisse. Für dessen Lebendigkeit braucht es einen entsprechenden Betreiber. Cafétier Klaus Feurstein hat jedenfalls große Fußstapfen hinterlassen, verkörperte er doch Authentizität zum Quadrat.
Bürgermeister Wolfgang Matt (ÖVP), der sich von Anfang an gegen eine rasche Nachnutzung des Cafés und das noch immer anhängige Denkmalschutzverfahren querlegte, hat in der Causa eine saftige Niederlage erlitten. Er demonstrierte unverhohlen seine Macht, musste sich jetzt aber dem öffentlichen, aber auch innerparteilichen Druck fügen. Das wird ihn nachhaltig schwächen, zumal das Feurstein nicht die einzige Baustelle ist. Vielleicht wäre es jetzt an der Zeit, eine geordnete Über­gabe einzuleiten.