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Hölzerne Schale, ganz weicher Kern

06.06.2021 • 11:00 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Der begnadete Holzkünstler Johannes Neßler (39) nutzt seine handwerkliche Begabung, um im Zuge von „Stunde des Herzens“ Spenden für Familien von kranken Kindern zu sammeln. <span class="copyright">Hartinger</span>
Der begnadete Holzkünstler Johannes Neßler (39) nutzt seine handwerkliche Begabung, um im Zuge von „Stunde des Herzens“ Spenden für Familien von kranken Kindern zu sammeln. Hartinger

NEUE-Serie “Die Gute Nachricht”: Holzkünstler Johannes Neßler unterstützt kranke Kinder.

Ob geschnitzte Tannenbäume, Kerzen mit hölzernen Flammen oder auch extravagante Flaschenhalter: In dem Brandner Carport von Johannes Neßler trifft man auf die verrücktesten Skulpturen.

Ob geschnitzte Tannenbäume, Kerzen mit hölzernen Flammen oder auch extravaganten Flaschenhaltern. In dem Brander Carport von Johannes Neßler trifft man auf die verrücktesten Skulpturen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Ob geschnitzte Tannenbäume, Kerzen mit hölzernen Flammen oder auch extravaganten Flaschenhaltern. In dem Brander Carport von Johannes Neßler trifft man auf die verrücktesten Skulpturen. Hartinger

Nur eines haben sie allesamt gemeinsam: Jedes der Stücke besteht aus Holz. Mit viel Mühe und Herzblut von dem 39-Jährigen von Hand angefertigt. Wann immer es seine Zeit zulässt, begibt sich der dreifache Familienvater in sein Reich und macht sich an neue Kunstwerke.

In die Wiege gelegt

Dabei tickt seine Uhr ein wenig anders als bei den meisten Menschen. Neßler arbeitet nachts und schläft am Vormittag. Nachmittags, kurz nach dem Aufstehen, begibt er sich dann in den Unterschlupf oder ins Freie und lässt seiner Kreativität freien Lauf. „Je nach Lust und Laune, ein Hobby eben“, erklärt er. Ein Hobby, das den 39-Jährigen bereits seit seiner Kindheit begleitet. Schon seit Vater nahm ihn früh mit in den Wald, werkelte selbst nur allzu gerne mit Holz herum. „Mit 16 Jahren kaufte ich mir von meinem allerersten Lehrlingsgehalt dann meine erste Kettensäge“, erinnert sich Neßler zurück.

Seine Leidenschaft für das Werkeln mit Holz entdeckte der 39-Jährige bereits im Kindesalter. <span class="copyright">Hartinger</span>
Seine Leidenschaft für das Werkeln mit Holz entdeckte der 39-Jährige bereits im Kindesalter. Hartinger

Doch wie das Leben nun einmal so spielt, sollte er das liebgewonnene Hobby eine Zeit lang aus den Augen verlieren. Erst als er dann mit seiner Frau ein neues Haus zu bauen begann, gleich neben dem seiner Eltern, umgeben von Wäldern und Holz, beschloss er, seine alte Leidenschaft wieder anzugehen. „Alles begann mit einem Stuhl für meinen Sohn. Er konnte nicht mit ansehen, wie ich Brennholz zuschnitt, darum begannen wir zu basteln. Und dann hatte ich Blut geleckt“, erinnert sich der dreifache Familienvater.

Detailfrage

Kein Wunder also, dass der begeisterte Holzkünstler eine Menge Arbeit und Herzblut in jedes seiner Werke steckt. „Am wichtigsten ist es, zu Beginn bereits einen konkreten Plan zu schmieden, was denn aus dem Stück Holz entstehen soll. Spontan läuft da nichts.“ „Mit einer großen Säge trage ich dann schon einmal das Gröbste ab, bevor ich mich mit einer kleineren Säge an die Feinheiten und Kurven mache“, erklärt Neßler den Arbeitsprozess.

Von seinem ersten Lehrlingsgehalt kaufte sich Johannes Neßler damals seine allererste eigene<br>Kettensäge. <span class="copyright">Hartinger</span>
Von seinem ersten Lehrlingsgehalt kaufte sich Johannes Neßler damals seine allererste eigene
Kettensäge. Hartinger

Bei der Wahl des Holzes hat der Künstler so gut wie freie Hand, es handelt sich um eine Detailfrage: „Natürlich würde ich für Möbel nur Laubholz verwenden, weil das entgegen anderen Sorten nicht harzt.“

„Ansonsten ist es reine Geschmackssache. Nur sollte die Wahl nicht auf solches fallen, das gerade frisch gefällt und noch nicht getrocknet wurde. Holz arbeitet, das kann schlimme Risse geben.“

Skulpturen die ankommen

Seither hat sich viel getan, die vielfältige Figurensammlung wächst stetig weiter. „Kerzen, Tannenbäume, einen Bierkühler, Figuren, Stühle und Tische. Für jede etwas mit dabei“, erklärt der handwerklich begabte Brandner. Und das, obwohl Neßler seine Fertigkeiten beruflich erlernt hatte. „Ich arbeite Freestyle“, erklärt er schmunzelnd. Dennoch, die Stücke können sich allemal sehen lassen. Das haben auch schon die Einwohner der kleinen Gemeinde bemerkt.

Extravaganter Bierkühler. <span class="copyright">Hartinger</span>
Extravaganter Bierkühler. Hartinger

„Unser Carport liegt direkt an der Straße. Als ich eines Tages, kurz vor Weihnachten, wieder an einem meiner Stücke arbeitete, hielten plötzlich Passanten an und waren ganz fasziniert von meiner Arbeit. Sie wollten unbedingt eines meiner Werke kaufen“, erinnert sich der 39-Jährige. „Es gab sogar eine Situation, in der ich eines der Stücke als Brennholz aussortieren wollte, da es mir überhaupt nicht gefiel. Ein Passant hielt mich auf, da er gerade von diesem so fasziniert war, dass er es unbedingt kaufen wollte. Geschmäcker sind nun einmal verschieden.“

„Stunde des Herzens“

Aufgrund der wachsenden Nachfrage nach seinen Skulpturen sah sich der Familienvater mit der Frage konfrontiert, wie er nun weiter vorgehen sollte. „Ich hatte keinerlei Interesse daran, großen Profit aus meinen Kunstwerken zu schlagen. Also überlegte ich, wie ich etwas Sinnvolles mit den Verkäufen anfangen könnte“, erklärt der Familienvater.

Er plant, die Aktion auch in Zukunft weiterzuführen: „Holz habe ich ja genug“, schmunzelt er. <span class="copyright">Hartinger</span>
Er plant, die Aktion auch in Zukunft weiterzuführen: „Holz habe ich ja genug“, schmunzelt er. Hartinger

Der Gedanke, mit seinem Hobby ganz nebenbei auch noch Menschen helfen zu können, sagte dem Brandner sofort zu. So wandte er sich an einen seiner Bekannten, Joe Fritsche, Obmann der Kinderhilfsorganisation „Stunde des Herzens“. Anstelle von Preisschildern brachte der leidenschaftliche Holzkünstler also kleine Kärtchen mit einem Aufruf zu Spende an „Stunde des Herzens“ an all seine Projekte an und bewarb die Aktion auf Social Media. So konnten die Interessierten selbst entscheiden, wie viel sie bereit waren zu spenden.

Hilfe für kranke Kinder

Eine Idee, die sehr gut bei den Menschen anzukommen schien, so erhielt der Künstler auch jede Menge positiver Resonanz. Aufgrund des karitativen Hintergrunds war so mancher sogar bereit, etwas tiefer in die Tasche zu greifen. „Ich weiß etwa von einem Hotelier und einer Ladenbesitzerin aus dem Ort, die aufgrund der Aktion einen sehr hohen Einzelbetrag gespendet haben.“
Wie viel jedoch genau durch sein Mitwirken für die Kinderhilfsorganisation gesammelt werden konnte, weiß der 39-Jährige nicht. Er will es auch gar nicht wissen: „Ich habe darauf bestanden, nicht zu erfahren, wie viel Geld durch meine Verkäufe zusammengekommen ist. Darum geht es mir auch gar nicht. Ich bin einfach nur froh darüber, dass einigen Kindern geholfen werden konnte.“

Der Gedanke, mit seinem Hobby ganz nebenbei auch noch Menschen helfen zu können, sagte dem Brandner sofort zu. <span class="copyright">Hartinger</span>
Der Gedanke, mit seinem Hobby ganz nebenbei auch noch Menschen helfen zu können, sagte dem Brandner sofort zu. Hartinger

Wem das Geld genau zugute kam, weiß Neßler ebenfalls nicht – erneut auf eigenen Wunsch hin. „Alles was ich weiß, ist, dass die Spenden zwei Familien mit kranken Kindern zugute kamen. Ich vertraue da völlig Joe Fritsche und seinem Team, dass sie gewissenhaft ausgewählt haben, wer das Geld am nötigsten hat.“
Fest steht für den Brandner jedoch, dass es nicht die einzigen Familien bleiben sollen, denen er helfen konnte. Er plant, die Aktion auch in Zukunft weiterzuführen. „Holz habe ich ja genug“, schließt er schmunzelnd.