Lokal

Unüblicher Schritt eines Branchenprofis

12.12.2023 • 16:54 Uhr
Das Baugrundstück in Feldkirch-Nofels.                <span class="copyright">Ländleimmo/Prisma</span>
Das Baugrundstück in Feldkirch-Nofels. Ländleimmo/Prisma

Projektentwickler Prisma bietet in Feldkirch ein Baugrundstück öffentlich zum Verkauf an.

Von Günther Bitschnau/wpa

Ein aktuell auf Ländleimmo zum Kauf angebotenes rund 1600 Quadratmeter großes Baugrundstück in Feldkirch-Nofels dürfte neben anderen Beispielen symbolträchtig für die gegenwärtige Situation in Vorarlbergs Immobilienbranche und den mittelfristig trüben Aussichten im Wohnungsneubau sein. Der Grund dafür ist der Umstand, dass es sich beim Verkäufer um den Quartiers- und Projektentwickler Prisma in Dornbirn.

So sind Quartiers- und Projektentwickler wie Prisma, aber auch andere ähnlich gelagerte Marktteilnehmer, in den vergangenen Jahren nicht dadurch aufgefallen, dass sie unbebaute Baugrundstücke in gut erschlossener Lage einfach so öffentlich zum Kauf angeboten haben. In der Regel erfolgte auf solchen Grundstücken entweder die Errichtung einer Wohnanlage und in der Folge der Verkauf, oder diese Grundstücke wechselten aufgrund der hohen Nachfrage gleich „unter der Hand“ den Eigentümer und wurden gar nie öffentlich als zum Verkauf stehend bekannt.

Keine schnelle Erholung

Dass sich Prisma jetzt dazu entschlossen hat, dieses Grundstück nicht länger im Eigentum zu halten und öffentlich zum Verkauf anzubieten, zeigt, dass gegenwärtig nicht einmal mehr ein derart gut vernetzter und sehr erfahrener sowie bekannter Branchenprofi in der Lage ist, das Baugrundstück ohne Weiteres an Investoren, Bauträger oder Privatpersonen zu verkaufen. Und es zeigt auch die Erwartungen der Branche, dass sich der Neubaumarkt in Vorarlberg nicht so schnell erholen dürfte.

Nikolaus Ess, Geschäftsführer von Prisma Vorarlberg, erklärte auf Anfrage, dass es tatsächlich bislang „eher selten“ vorgekommen sei, dass Prisma ein unbebautes Baugrundstück öffentlich zum Verkauf anbietet. Es handle sich dabei um eine strategisch für Prisma nicht wichtige Liegenschaft, die man im Zuge eines Tauschgeschäftes erstanden habe. Obwohl theoretisch auch eine gewerbliche Nutzung möglich sei, müsse man davon ausgehen, dass an diesem Standort wohl nur Wohngebäude entstehen werden. Für das Kerngeschäft von Prisma, die Quartiersentwicklung, sei dieses Grundstück ungeeignet.

Am Dornbirner Sitz von Prisma.    <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Am Dornbirner Sitz von Prisma. Dietmar Stiplovsek

Dass man sich jetzt für einen Verkauf und für diesen Weg der Bekanntmachung entschieden habe, begründet Ess mit mehreren Faktoren: So sei es in der jüngeren Vergangenheit aufgrund der ausgesprochen niedrigen Zinssituation üblich gewesen, Baugrundstücke bis zu einer möglichen Verwertung – und sei es auch ein Tausch – zu halten. „Jetzt wird wieder genauer hingeschaut“, so Ess.
Zudem müsse man davon ausgehen, dass der Wohnungsneubau jedenfalls in absehbarer Zukunft in Vorarlberg weiter schwächeln werde. „Es gibt derzeit keine mittelfristige Perspektive in diesem Bereich.“ Und nachdem ein Verkauf über andere Kanäle bislang nicht erfolgreich gewesen sei, biete man das Grundstück jetzt öffentlich an. Das sei auch wie ein Test, ob Nachfrage da ist, wenn deutlich mehr Menschen davon erfahren.

Fokus auf das Kerngeschäft

Eines der zentralen Argumente des Prisma-Geschäftsführers ist jedoch ein anderes: In herausfordernden Zeiten wie diesen fokussiere sich auch ein Unternehmen wie Prisma auf das eigentliche Kerngeschäft und auf jene Bereiche, die für einen selbst wichtig seien. „Das ist die Entwicklung von größeren, gemischten Quartieren und auf diese strategische Kernkompetenz wollen wir uns jetzt konzentrieren“, betont Ess. Der Bereich Wohnbau sei bei Prisma nur eine Nische mit einem Anteil von etwa fünf Prozent gemessen an allen Projekten. Deshalb wolle man auch die personellen Ressourcen primär im Kerngeschäft einsetzen.

Dass in Vorarlberg „die üblichen Verdächtigen“ die meisten verfügbaren und guten Grundstücke vom Markt wegkaufen, dürfte zumindest gegenwärtig nicht mehr der Realität entsprechen. So zeigt ein Blick auf Ländleimmo, dass gegenwärtig mehr als 170 Baugrundstücke unterschiedlichster Größe in Vorarlberg öffentlich zum Verkauf angeboten werden und auf eine Käuferin oder einen Käufer warten.