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Landwirt: „Viele Tiere stürzen auf der Flucht“

08.08.2024 • 07:00 Uhr
Landwirt: „Viele Tiere stürzen auf der Flucht“

Gestern erlegten Jäger einen Wolf in Vorarlberg. Die NEUE fragte bei einem Landwirt, was es für ihn bedeutet.

Mittwochmorgen wurde ein Wolf im hinteren Mellental von einem Jäger erschossen. Erst vor drei Tagen kam es auf einer nahe gelegenen Alpe zu einem Wolfsangriff. Zwei Rinder und ein Kalb fielen dem Raubtier zum Opfer. Ein weiteres Rind stürzte flüchtend in den Tod. In Folge des Angriffs haben Behörden die Ende Juli erlassene Abschluss-Verordnung geographisch ausgeweitet und damit das Tier zum Abschuss freigegeben.

Der Beschluss zur Zonenerweiterung wurde nach der Erlegung des Wolfes wieder zurückgenommen. Es kann angenommen werden, dass die Weidetiere vom nun erlegten Räuber attackiert wurden. Klarheit soll eine DNA-Analyse bringen. Diese könnte ebenfalls belegen, ob der erlegte Wolf Ende Juli eine trächtige Kuh in Bezau-Schönebach gerissen hat.

Landwirt: „Viele Tiere stürzen auf der Flucht“
Hubert Schatz kann aus den verendeten Tieren Schlüsse über den Wolf ziehen. HARTINGER

„Untypisches Verhalten“

Hubert Schatz ist Leiter der Koordinationsgruppe Großraubwild der Landesregierung. Laut dem Wildökologen deutet der Angriff auf ein „völlig untypisches Verhalten für einen einzelnen Wolf“ hin. Großvieh wie Rinder zählen üblicherweise nicht zu ihrer Beute.“ Außerdem versichert er, dass das Tier „bei gutem Licht und aus guter Schussdistanz schmerzfrei letal entnommen wurde.“

Im Konflikt mit EU-Recht?

Für Agrar-Landesrat Gantner ist die Aktion ein voller Erfolg. „Wolf tot! Aufatmen für Älpler“, tituliert er auf Instagram triumphierend. Den möglichen politischen Rückenwind hat er nötig. Denn im Juli hat der Gerichtshof der Europäischen Union klar gemacht, dass das Wolfsjagdverbot in Österreich gültig ist. Daher ist es möglich, dass der Abschuss gegen EU-Recht verstößt.

Bernhard Moll
Bernhard Moll hofft, dass die Wölfe aus den Alpen vertrieben werden. PRIVAT

Wolf oder Alpwirtschaft?

Bernhard Moll ist Bergbauer in Andelsbuch. Er zieht jeden Sommer mit seinen Kühen auf die Alpe Baumgarten. In seinen Augen kann die Alpwirtschaft nur bestehen, wenn man den Wolf aus den Alpen vertreibt. Er sagt, dass die Möglichkeiten des Herdenschutzes limitiert sind: „In der Slowakei kann man seine Tiere mit Zäunen gut schützen, aber in den Bergen ist das nicht möglich. Wer soll das bezahlen? Auch Herdenhunde sind gut und recht, aber was mache ich mit ihnen außerhalb der Alpsaison? Ein Hund muss das ganze Jahr über beschäftigt werden.“

“Ich habe auch Tiere, die über Nacht ganz scheu geworden sind. Vermutlich haben sie in der Nacht Kontakt mit dem Wolf gemacht. Die sind danach so wild, ich kann sie nicht einmal mehr in den Stall führen”

Bernhard Moll, Landwirt

Verstörte Tiere auf der Alpe

Moll stört, dass man nur von gerissenen Tieren spricht. Dabei würden viele auf der Flucht vor Wölfen stürzen. „Ich habe auch Tiere, die über Nacht ganz scheu geworden sind. Vermutlich haben sie in der Nacht Kontakt mit dem Wolf gemacht. Die sind danach so wild, ich kann sie nicht einmal mehr in den Stall führen“, berichtet der besorgte Landwirt. Sollte sich nichts an der Situation ändern, so Moll, dann würden viele Bauern aufhören, mit ihrem Vieh auf die Alpen zu ziehen, was gravierende Auswirkungen auf den Tourismus hätte.
Der 35-Jährige Wälder versteht, dass viele Städter nur schwer nachvollziehen können, wie es den Älplern geht: „Wenn es einen nicht betrifft, ist es einem oft auch egal, aber in den Alpen ist es beinhart. “