Kinderporno-Fall: Was die Bildungsdirektion zum Vorfall am Gymnasium sagt

Explizites Schülervideo sorgte – wie berichtet – in Feldkircher Gymnasium für Aufsehen. Monika Steurer, Leiterin des Pädagogischen Diensts in der Bildungsdirektion, spricht über den Vorfall und dessen Aufarbeitung. Videos mit problematischen Inhalten schlagen immer häufiger in Schulen auf, sagt sie.
Das noch junge Schuljahr hat für das Bundesgymnasium Rebberggasse in Feldkirch unerfreulich begonnen. Wie berichtet, postete ein zwölfjähriger Schüler kurz vor Ferienende eine Aufnahme, die ihn bei sexuellen Handlungen mit einem achtjährigen Buben zeigt. Das explizite Video verbreitete sich in Windeseile und schlug ebenso rasch in der Schule ein. Die Schulleitung setzte auf professionelle Unterstützung und offener Kommunikation – eine Vorgangsweise, die von vielen Eltern gelobt wurde. Die NEUE hat nun auch mit Monika Steurer, Leiterin des Pädagogischen Diensts in der Bildungsdirektion, über den Vorfall und die Rolle der Schule gesprochen. Im Interview erklärt sie, wie die Bildungsdirektion den Fall begleitet hat und welche Maßnahmen zur Prävention getroffen werden.
Ist Ihnen der Fall am Gymnasium Rebberggasse bekannt?
Monika Steurer: Ja, der Direktor hat sich frühzeitig an die Bildungsdirektion gewandt, die Situation geschildert und die weiteren Schritte abgestimmt.
Wie beurteilen Sie die Vorgangsweise der Schule im konkreten Fall?
Steurer: In dieser herausfordernden Situation hat die Schule äußerst professionell und verantwortungsbewusst reagiert. Erste Meldungen wurden sehr früh wahr- und ernst genommen, das zeugt von einem guten Vertrauensverhältnis an der Schule. Der Direktor hat umgehend die Bildungsdirektion informiert, wodurch der Fall in enger Zusammenarbeit mit unseren Expertinnen und Experten sowie Sexualpädagoginnen und -pädagogen begleitet werden konnte. Sowohl die Klasse als auch das Lehrpersonal wurden durch gezielte Maßnahmen gestärkt. Es wurden auch die Eltern gut informiert, diese Klarheit schafft Sicherheit.

Gab es von Seiten der Bildungsdirektion konkrete Vorgaben oder Empfehlungen für den Umgang mit der Situation?
Steurer: Der Fall wurde mit dem Direktor umfassend analysiert, die Kommunikation mit den Eltern des Schülers besprochen sowie Überlegungen zur pädagogischen Aufarbeitung mit der Klasse angestellt. Weiters wurde die Kontaktaufnahme und die Zusammenarbeit mit den Experten für Sexualpädagogik, die im Auftrag der Bildungsdirektion arbeiten, dringend empfohlen sowie der weitere Kontakt vermittelt. Die an der Schule gesetzten Schritte waren eng mit der zuständigen Schulaufsicht abgesprochen.
Gibt es Daten oder Erfahrungswerte darüber, wie oft Schulen bzw. Schüler in Vorarlberg mit ähnlichen Vorfällen konfrontiert werden. Hat die Häufigkeit von Postings mit problematischen Inhalten – also Pornografie, Cybermobbing, Gewaltvideos, Extremismus – in den letzten Jahren zugenommen?
Steurer: Konkrete Daten liegen nicht vor, aber aus der Erfahrung lässt sich sagen, dass solche Fälle zunehmen, wenn auch nicht immer in dieser Brisanz. Diese Fälle werden meist durch Erzählungen von Schülerinnen und Schülern oder zufällige Beobachtungen entdeckt. Es spielt sich in der Regel auf den privaten Geräten der Schülerinnen und Schüler ab und geschieht außerhalb der Schule. Die Schule ist dann indirekt betroffen, die Auswirkungen wirken irgendwann natürlich auf die Schülerinnen und Schüler ein und werden zum Klassenthema.
Welche Rolle spielen Schulen bei der Prävention und Aufklärung?
Steurer: Eine wichtige, allerdings darf die Verantwortung dafür nicht ausschließlich bei der Schule liegen. Die Erziehungsberechtigten haben diesbezüglich eine zentrale Rolle und dürfen die Auseinandersetzung mit der Thematik, die Prävention und das Gespräch über entsprechende Vorfälle nicht ausschließlich in der Zuständigkeit der Schule sehen. Sobald ein solcher Vorfall aber in der Schule aufschlägt, wird er thematisiert und es werden Präventivmaßnahmen gesetzt. Das geschieht oft durch Klassenvorstände, aber auch im neuen Fach Digitale Grundbildung.
Inwiefern sehen Sie die Schulen in der Verantwortung für Vorfälle, die zwar außerhalb der Schule passieren, aber in den Schulalltag übergreifen? Wo liegen die Grenzen des schulischen Eingreifens?
Steurer: Vorfälle, die außerhalb der Schule passieren, liegen grundsätzlich in der Verantwortung und Zuständigkeit der Erziehungsberechtigten. Eine Trennung ist gerade bei solch massiven Vorfällen aber nicht immer möglich bzw. sinnvoll. Es liegt deshalb auch im pädagogischen Auftrag der Schule, mit den Schülerinnen und Schülern Inhalte aufzuarbeiten, die den Schulalltag und somit die emotionale und soziale Entwicklung der Schülerinnen und Schüler gefährden oder beeinträchtigen.
Welche Maßnahmen sollten Schulen generell ergreifen, um die Verbreitung von sensiblen oder strafrechtlich relevanten Inhalten unter Schülern zu verhindern?
Steurer: Wichtig ist die Aufklärung und Prävention im Rahmen des regulären Unterrichts, das heißt entsprechende Inhalte in die Unterrichtsarbeit aufzunehmen, das offene Gespräch und die Auseinandersetzung bei konkreten Vorfällen zu suchen. Ein vertrauensvolles Klima zwischen Eltern, Schülerinnen und Schülern, Lehrpersonen und der Schulleitung schafft die Grundlage dazu. Auch die Zusammenarbeit mit externen Institutionen bzw. der Exekutive ist wichtig, die die Schülerinnen und Schüler auf die strafrechtlichen Grenzen hinweisen. Natürlich wären auch Maßnahmen außerhalb der Schule wünschenswert, um Plattformbetreiber stärker in die Pflicht zu nehmen und den digitalen Jugendschutz zu forcieren. Problematische Inhalte müssen so rasch wie möglich gelöscht werden.
Inwiefern unterstützt die Bildungsdirektion die Schulen präventiv, um der Verbreitung von problematischen Inhalten auf sozialen Medien vorzubeugen?
Steurer: Wir informieren immer wieder über Fortbildungen, Workshops, Veranstaltungen und Vernetzungstreffen externer Partnern wie Polizei, SUPRO etc. Im Rahmen unseres monatlichen Onlineformats für Direktorinnen und Direktoren aller Schulen greifen wir aktuelle Themen auf und laden Expertinnen und Experten ein. Hilfe und Unterstützung im Krisenfall und in der Prävention bietet unser internes Unterstützungsnetzwerk aus Schulpsychologie, Pädagogischer Beratung, Social Networkern, Schulsozialarbeit, Koordinationsstelle Mobbing etc., das neben den Lehrpersonen oft auch erste Anlaufstelle für Schülerinnen und Schüler ist, um unangemessen Inhalte oder problematische Vorfälle vertraulich zu melden. Wir empfehlen, auch Eltern aktiv in den Prozess der Medienerziehung einzubinden. Informationsveranstaltungen und Elternabende zu digitalen Gefahren und verantwortungsvollem Mediengebrauch können das Bewusstsein schärfen und die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus stärken.
Inwiefern ist das Thema „Sicherer Umgang mit digitalen Medien“ im Lehrplan integriert?
Steurer: Das ist ein wesentlicher Bestandteil des Lehrplans im Fach Digitale Grundbildung und auch der große Unterschied zum früheren klassischen Informatikunterricht.