Mehr Schulkinder, zu wenig Platz? Diese Herausforderung rollt auf Vorarlbergs Gemeinden zu

Nach Kindergärten und Volksschulen rücken nun die Mittelschulen in den Fokus. In der Stadt Feldkirch zeigt sich, wie Kommunen schon heute die Weichen für zusätzliche Schulplätze stellen müssen.
Die Bevölkerungsentwicklung stellt viele Vorarlberger Gemeinden vor neue Herausforderungen. Nachdem in den vergangenen Jahren zusätzliche Kindergartenplätze und neue Volksschulen geschaffen oder erweitert werden mussten, rücken nun die Mittelschulen in den Fokus. In der Stadt Feldkirch zeigt sich beispielhaft, wie sich Kommunen bereits heute auf steigende Schülerzahlen vorbereiten müssen.
Als Schulerhalter sind die Gemeinden für die Pflichtschulen, also Volks-, Mittel- und Polytechnische Schulen, verantwortlich. Sie errichten und erhalten die Schulgebäude, sorgen für die Ausstattung der Klassenräume und finanzieren das Mobiliar. Wachsen die Schülerzahlen, müssen sie rechtzeitig zusätzliche Kapazitäten schaffen.
170 zusätzliche Schüler in der Sekundarstufe bis 2030
In Feldkirch ist dieser Bedarf bereits absehbar. Für das kommende Schuljahr erwartet die Stadt zwar noch keinen Engpass. Langfristig werde der Platzbedarf jedoch deutlich steigen. Bis 2030 rechnet die Stadt mit rund 170 zusätzlichen Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen zehn und 13 Jahren, sagt Sandra Miller-Marte, Leiterin der Abteilung Kinder, Schule und Sport der Stadt Feldkirch. Dabei handelt es sich allerdings nicht ausschließlich um Mittelschüler, sondern um alle Kinder dieser Altersgruppe, also auch um Schülerinnen und Schüler der Gymnasien, der Praxismittelschule und des Instituts St. Josef.
Kurzfristig fällt der Anstieg in Feldkirch noch moderat aus. Für das kommende Schuljahr prognostiziert die Stadt rund 40 zusätzliche Schülerinnen und Schüler in der Sekundarstufe. Erfahrungsgemäß würden rund 40 Prozent davon eine städtische Mittelschule besuchen. Das entspreche etwa 16 Kindern, erläutert Miller-Marte. Mit derzeit durchschnittlich 19 bis 20 Schülerinnen und Schülern pro Klasse könnten die beiden städtischen Mittelschulen diesen Zuwachs noch aufnehmen.

Kurzfristige Änderungen
Ganz so einfach sei die Planung dennoch nicht. Neben der Bevölkerungsentwicklung würden auch kurzfristige organisatorische und pädagogische Änderungen den Raumbedarf beeinflussen. So sei die Stadt erst vor rund vier Wochen darüber informiert worden, dass an der Mittelschule Oberau eine zusätzliche Kleinklasse eingerichtet wird, wodurch weiterer Raum gebunden wird. Ebenso habe die Stadt kurzfristig erfahren, dass eine weitere Schule der Sekundarstufe ihre Klassenzahl möglicherweise reduzieren werde, während eines der Gymnasien eine zusätzliche erste Klasse eröffne. Solche Veränderungen ließen sich in der Schulplanung nie vollständig vorwegnehmen, teilt Miller-Marte mit.
Die Stadt arbeitet deshalb bereits seit der Bedarfserhebung 2025 an langfristigen Lösungen. Eine interne Projektgruppe prüfe unterschiedliche Varianten. Dazu zählten Erweiterungen bestehender Schulstandorte ebenso wie Umnutzungen von Gebäuden oder zusätzliche Standorte. Zwei Ortsteile stünden derzeit in näherer Betrachtung. Welche das sind, wolle die Stadt zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht bekannt geben.
Statistische Daten
Grundlage der Planungen sei die aktuelle Bevölkerungsprognose der Statistik Austria, erläutert Miller-Marte. Demnach steige die Zahl der 10- bis 13-Jährigen bis 2030 weiter an, stabilisiere sich anschließend kurzfristig auf hohem Niveau und gehe ab 2033 wieder zurück. Ab 2038 werde sogar mit einem Niveau deutlich unter dem heutigen gerechnet.
Auch temporäre Lösungen würden geprüft. Dabei gehe es nicht zwangsläufig um klassische Containerklassen. Nach Angaben von Miller-Marte würden ebenso Modul- und Leichtbauweisen in Holz sowie Kooperationen mit anderen Schulerhaltern in die Überlegungen einbezogen. Derzeit liefen Flächen- und Kostenberechnungen. Ziel sei es, noch heuer eine Entscheidungsgrundlage für die Politik zu schaffen.
Besorgte Eltern
Mit dieser Entwicklung steht Feldkirch nach Angaben von Miller-Marte nicht allein da. Die Bildungsdirektion habe mehrfach darauf hingewiesen, dass auch andere Städte und Gemeinden vor ähnlichen Herausforderungen stünden. Die Stadt versucht zugleich, besorgte Eltern zu beruhigen. „Uns ist bewusst, dass die Frage des Schulplatzes für Familien mit Unsicherheit verbunden sein kann. Deshalb hat das Thema für die Stadt hohe Priorität“, sagt die ABteilungsleiterin. Gemeinsam mit der Bildungsdirektion und den Schulen werde an tragfähigen Lösungen gearbeitet. Man gehe davon aus, dass jedes betroffene Kind rechtzeitig einen Schulplatz erhalten werde.