Die patriarchalen Strukturen müssen fallen

Ein Kommentar zum Fall Collien Fernandes und der Reaktion von Friedrich Merz darauf.
Der Fall Collien Fernandes und das zugrunde liegende Problem der Gewalt gegen Frauen beschäftigt auch den deutschen Bundestag. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) meinte, man müsse auch darüber sprechen, woher diese „explodierende Gewalt“ kommt: „Ein beachtlicher Teil kommt aus der Gruppe der Zuwanderer.“
Diese Aussage rief völlig zu Recht einen Sturm der Empörung hervor. Denn Gewalt gegen Frauen ist strukturell und kommt aus allen Teilen der Gesellschaft. Man schaue nur auf den Fall Fernandes: Hier ist es ein weißer, deutscher Mann, der im Mittelpunkt der Vorwürfe steht.
Natürlich gibt es Communities, in denen ein rückständiges Frauenbild existiert und das ist keinesfalls zu tolerieren. Aber um das Gewaltproblem an der Wurzel zu packen, müssen grundlegende patriarchale Strukturen fallen. Das ist nur zu schaffen, wenn sich ausnahmslos jeder Mann an der eigenen Nase packt. Der sexistische Witz am Stammtisch oder hinterherzupfeifen, wenn man einer Frau auf dem Gehsteig begegnet – all das sind hässliche Mosaiksteine im Gesamtbild des Problems.
Wenn Merz mit dem ausgestreckten Finger auf „die Migranten“ zeigt, macht er es sich viel zu einfach. Die Verantwortung schiebt er so einfach nur beiseite. Und so lange das immer und immer wieder der Fall ist, bleibt das strukturelle Gewaltproblem ungelöst.
(NEUE am Sonntag)