Meinung

Eine Frage der Haltung

21.08.2026 • 14:09 Uhr
Eine Frage der Haltung
Am 24. August ist der ukrainische Unabhängigkeitstag. Andii Savinov

Ein Kommentar zum ukrainischen Unabhängigkeitstag nach viereinhalb Jahren der russischen Invasion.

Die Ukraine feiert am 24. August den Tag der Unabhängigkeit. Es ist das Datum, an dem sich 2026 zum 35. Mal die Unabhängigkeitserklärung des Landes nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion jährt. Seit dem Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 bekommt dieser Tag eine neue Bedeutung. Er repräsentiert ein Land, das sich gegen die täglichen Angriffe eines Aggressors wehrt, der völkerrechtswidrig seinen Nachbarstaat bombardiert, dort nachweislich Kriegsverbrechen begeht und dessen Geschichte und Identität auszulöschen versucht.

Diese Fakten klar zu benennen – Russland als verbrecherischer Aggressor, die Ukraine als dessen Opfer – hat nichts mit fehlender Objektivität zu tun, sondern ist eine Frage der Haltung. Es geht darum, sich klar zu machen, wofür man als Journalistin oder Journalist einstehen möchte: Für ein Land, das die demokratischen Werte und das Recht auf territoriale Unvesehrtheit an der Außengrenze unseres europäischen Kontinents verteidigt und dafür mit dem Leben zahlreicher seiner Einwohner büßt, oder für eine Diktatur, die ebendiese Eckpfeiler eines friedlichen Zusammenlebens ablehnt und aktiv mit Propaganda und der Unterdrückung der freien Meinungsäußerung bekämpft.

Die unabhängigen Medien, die sich zum Erhalt der Demokratie bekennen, haben die Pflicht, die Feinde ebendieser demokratischen Grundwerte klar als solche zu benennen. Das bedeutet nicht, die Augen vor den realen Problemen zu verschließen, die in der Ukraine existieren, beispielsweise die fortwährenden Korruptionsfälle in der Politik. Auch das ist eine Frage der Haltung.

Viereinhalb Jahre nach der russichen Invasion, welcher die Ukraine noch immer standhält, sind wir im privilegierten, da von Kriegshandlungen unversehrten, Teil Europas vielfach kriegsmüde geworden. Umso entscheidender ist es, diese Haltung nicht aufzugeben. Wenn die Ukraine auch 2027 noch ihren Tag der Unabhängigkeit begehen kann, ist das auch für uns ein Grund zu feiern.

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(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)