Mehrere Länder fordern strenge Kontrolle von KI

22.09.2026 • 17:41 Uhr

Angesichts rasanter technologischer Fortschritte und Sicherheitsvorfälle dringt eine Gruppe von Staats- und Regierungschefs – darunter auch Österreich – auf eine schärfere internationale Aufsicht über besonders leistungsfähige Systeme Künstlicher Intelligenz. Eine am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York vorgestellte Erklärung verlangt verbindliche Sicherheitsregeln für Entwickler sowie den Aufbau einer internationalen Kontrollbehörde.

Auslöser des diplomatischen Vorstoßes, der maßgeblich vom finnischen Präsidenten Alexander Stubb und dem norwegischen Regierungschef Jonas Gahr Støre vorangetrieben wurde, sind Berichte über besorgniserregende Fähigkeiten neuester Computerprogramme. In der Erklärung heißt es, man habe zuletzt beobachten müssen, wie hochleistungsfähige Systeme eingebaute Schutzvorkehrungen umgingen, Sicherheitslücken ausnutzten und unbefugten Zugriff auf reale Computernetze erlangten. Künstliche Intelligenz (KI) müsse “unter menschlicher Leitung, Aufsicht und Kontrolle” bleiben.

Auch Österreich als Mitunterzeichner

Zu den mehr als 20 Unterzeichnern der Erklärung gehören unter anderem die Staats- und Regierungschefs von Australien, Dänemark, Finnland, Kanada, den Niederlanden, Norwegen, Singapur und Spanien. Zudem schlossen sich ihr EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sowie die Außenminister aus Bahrain, der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten an. Auch Österreich ist dabei, bestätigte das Außenministerium. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) habe das Dokument unterschrieben. Die USA, China, Großbritannien, Frankreich, Japan und Indien sind bisher nicht unter den Unterzeichnern.

Drei-Punkte-Plan für weltweite Schutzstandards

Das Papier formuliert drei zentrale Forderungen: Hersteller müssen nachvollziehbare Sicherheitsvorkehrungen treffen und unabhängigen Fachleuten vor der Freigabe neuer Programme umfassende Prüfungen ermöglichen. Zudem sollen Regierungen einheitliche Vorgaben schaffen und schwerwiegende Störfälle gegenseitig melden. Schließlich fordern die Unterzeichner die Staaten der Vereinten Nationen auf, den Aufbau einer weltweiten Einrichtung zu prüfen, die verbindliche Maßstäbe setzt, Kontrollen durchführt und Staaten zusammenruft, sobald bestimmte Leistungsgrenzen überschritten werden. 

Bürgerrechtler fordern persönliche Strafen für Konzernchefs

Deutliche Kritik an dem Vorstoß kommt von der Berliner Bürgerrechtsorganisation AlgorithmWatch, die vor zeitraubenden Scheinlösungen warnt. Man begrüße zwar das Bemühen, Gefahren für die Gesellschaft abzuwenden, sagte Geschäftsführer Matthias Spielkamp. Was die Politik jedoch übersehe, sei, dass man nicht die Beherrschung einer Technik verliere, sondern die Kontrolle über die Firmen, die sie herstellen. Ein weltweites Abkommen auszuhandeln, nehme Jahre in Anspruch, während die Konzerne unbeirrt weitermachen könnten.

Spielkamp sagte, die Europäische Union und die amerikanische Regierung könnten führende Anbieter schon heute in die Pflicht nehmen, wenn sie die bestehende europäische Gesetzgebung sowie bestehende Gesetze gegen Rechnerangriffe konsequent durchsetzen und Entwickler haftbar machen würden. Würden den Konzernchefs Haftstrafen oder ihren Unternehmen finanzielle Strafen in Milliardenhöhe drohen, wäre das verantwortungslose Vorgehen rasch beendet.