Auch finanzielles Motiv bei Vorgehen gegen BUWOG-Richterin

25.08.2026 • 13:02 Uhr
Auch finanzielles Motiv bei Vorgehen gegen BUWOG-Richterin

Im Zusammenhang mit dem Angriff auf BUWOG-Richterin Marion Hohenecker ergibt sich aus dem Ermittlungsakt, dass der mutmaßliche Schwindler, dem die Grasser-Anwälte auf den Leim gingen, von Anfang an ein finanzielles Motiv gehabt haben dürfte, als er an die Strafverteidiger herantrat. Der 60-Jährige war nach einem beruflichen Absturz zuletzt in einem Heim für Wohnungslose gelandet. Wegen Mietzinsrückständen in Höhe von 3.500 Euro befürchtete er, aus dem Heim zu fliegen.

Zur Erinnerung: Der Mann hatte am 1. April 2025 die Rechtsvertretung von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser kontaktiert. Er gab vor, er könne nachweisen, dass die BUWOG-Richterin Marion Hohenecker das Verfahren gegen Grasser & Co. parteilich und voreingenommen geführt hatte. Sie habe die Verurteilung Grassers garantiert und dafür Bestechungsgelder kassiert. Wie sich herausstellte, waren die Mails, die der Mann in weiterer Folge als scheinbare Beweise den Anwälten präsentierte, gefälscht. Die Staatsanwaltschaft Wien leitete gegen den mutmaßlichen Schwindler, der am 19. Mai 2026 fest- und für fünf Wochen wegen Tatbegehungs- und Verdunkelungsgefahr in U-Haft genommen wurde, ein Verfahren wegen Verleumdung, Fälschung von Beweismitteln und schweren gewerbsmäßigen Betrugs ein.

“Ich hatte großen Nachholbedarf”

Seiner Aussage nach bekam der 60-Jährige für seine Dienste beim Vorgehen gegen Hohenecker von einem der drei Grasser-Anwälte bis Oktober 2025 insgesamt 22.500 Euro an Auslagenersatz und Spesenabgeltung übergeben. Bereits beim Erstkontakt hatte der Mann 4.500 Euro für nicht näher bezeichnetes “Equipment” verlangt. Grassers Rechtsvertreter bestreiten die Höhe der Summe. Als der 60-Jährige bei der Verhängung der U-Haft gefragt wurde, was er mit dem Geld gemacht habe, erwiderte er: “Ich habe ja teilweise auf der Straße gewohnt. Ich hatte einen großen Nachholbedarf. Ich habe das Geld für alltägliche Sachen verwendet wie zum Beispiel Essen und Wohnen.” Auch “neue Kleidung” kaufte sich der 60-Jährige.

Die vorgeblichen Mails von Hohenecker hatte er nicht einmal mit einem eigenen Laptop oder PC fabriziert, sondern vorwiegend an PC-Arbeitsplätzen im Lesesaal der Arbeiterkammer in der Wiener Prinz-Eugen-Straße. Auf die Frage der Haftrichterin, weshalb er keine eigenen Geräte besäße, antwortete er: “Ich brauch einfach keine eigenen. Es gibt ja auch Internetcafes. Alles andere wäre einfach zu teuer.”

1.000 Euro für Recherchen im Fall Jennifer Sch.

Der Mann lebte zuletzt von der Mindestsicherung und von Zuwendungen von Verwandten und Freunden. Diverse Gelegenheitsjobs hielten ihn finanziell über Wasser. Für einen in Wien ansässigen diplomatischen Mitarbeiter eines zentralasiatischen Staates führte er seinen Angaben nach etwa “Recherchen” durch, wofür er jeweils 50 bis 100 Euro bekommen habe. Im Vorjahr verdiente er 1.000 Euro, indem er im Zusammenhang mit der 2018 verschwundenen Jennifer Sch. im Umfeld des tatverdächtigen Ex-Freundes recherchierte, der sich diesen Donnerstag wegen Mordes vor einem Wiener Schwurgericht verantworten muss.

Es steht allerdings zumindest der Verdacht im Raum, dass der 60-Jährige neben den Grasser-Anwälten auch andere Personen übers Ohr gehauen haben könnte. So soll er einem Bekannten 4.500 Euro mit dem Versprechen abgenommen haben, er könne den Betrag gewinnbringend veranlagen. Das Geld ist weg, in seiner Beschuldigteneinvernahme spricht der 60-Jährige von einem “Totalverlust”.

Auch mit Recherchen zur vorgeblichen Renovierung von Strommasten in Kamerun hatte der Mann versucht zu Geld zu kommen. Und der 60-Jährige erhoffte sich, mit Ex-FPÖ-Generalsekretär Walter Meischberger ins Geschäft zu kommen, für den er seinen Angaben zufolge in Brasilien den nach Südamerika ausgewanderten Ex-Lobbyisten Peter Hochegger und “Immobilien-Deals” durchleuchten hätte sollen, was jedoch an der Bezahlung gescheitert sei.