Auch Gesunde sind durch Hitze in Gefahr

05.08.2026 • 11:41 Uhr
Auch Gesunde sind durch Hitze in Gefahr

Die Hitze macht selbst Gesunden teils massiv zu schaffen. Darauf machte der Chefarzt des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK), Wolfgang Schreiber, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien aufmerksam. “Menschen, die an sich gesund sind, werden mit exzessiven Körpertemperaturen von 42 oder gar 42,5 Grad in Spitäler eingeliefert”, schilderte er. Deshalb mahnte das Rote Kreuz gemeinsam mit dem Bundesfeuerwehrverband, gerade in Wetterperioden wie derzeit, achtsam zu bleiben.

Unter anderem sind dabei besonders Menschen gefährdet, die auch bei solchen Temperaturen im Freien arbeiten müssen – Bauarbeiter zum Beispiel. Schreiber wies darauf hin, dass bei solchen Witterungsbedingungen nicht nur die Sterblichkeit ansteigt, wie unter anderem die AGES dieser Tage ausgeführt hat, sondern auch die Zahl der Einsätze für die Rettungsorganisationen signifikant ansteigt, um rund zehn bis 15 Prozent. Auch das sei Schwerstarbeit, in Schutzkleidung oft in überhitzten Wohnungen und ohne Abkühlungsmöglichkeiten.

Herausfordernde Zeiten für Einsatzkräfte

Unter anderem setzt das Rote Kreuz mehr Teams ein, um die Arbeitslast auf mehrere Köpfe zu verteilen. Dazu wurden Hitzeschutzpläne für den Rettungsdienst und die mobile Pflege entwickelt: Das betrifft unter anderem die Aufstockung des Materials für Hitze-Notfälle oder die richtige Lagerung von Medikamenten bei hohen Temperaturen. An alle appellierte Schreiber, Cooling Center, wie sie etwa das ÖRK anbietet, aufzusuchen (und dort lange genug bleiben) oder die “Team Österreich”-Landkarte der kühlen Orte zu befragen und diese Plätze zu besuchen.

Schreiber und der Präsident des österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes, Robert Mayer, begrüßten die seit Jänner 2026 geltende Hitzeschutzverordnung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Diese gelte aber nicht für die freiwilligen Helferinnen und Helfer und auch nicht für ältere und pflegebedürftige Menschen.

Mehr Waldbrände

Mayer warnte vor einem weiteren Anstieg bei Waldbränden und machte darauf aufmerksam, dass bereits jetzt mit rund 280 Wald- und Vegetationsbränden deutlich mehr als im gesamten Jahr 2025 (160) registriert wurden. In den Jahren 1995 bis 2010 gab es den Zahlen des Verbandspräsidenten zufolge rund 1.700 Waldbrände. 2010 bis 2025 wurden rund 3.000 derartige Ereignisse registriert. “Etwa 80 Prozent der Wald- und Vegetationsbrände sind menschengemacht”, sagte Mayer. Der “Klassiker” schlechthin sei dabei die weggeworfene Zigarette.

Die heimischen Feuerwehren sah Mayer gut aufgestellt, mit starken Waldbrandeinheiten in Niederösterreich, der Steiermark und Salzburg sowie “in Kürze” auch mit einer bundesweiten Einheit. Dazu kommt das dichte Netz an Feuerwehren in ganz Österreich, das eine rasche Reaktion möglich macht. Umso entscheidender ist das schnelle Erkennen von Waldbränden und die möglichst zeitnahe Alarmierung.

Keine eigenen Löschhubschrauber für Feuerwehren

Mayer lobte die Unterstützung durch spezialisierte Flugeinheiten des Bundesheeres, des Innenministeriums und privater Anbieter, die rasch verfügbar seien. Aufgrund des Geländes sind in Österreich Hubschrauber im Allgemeinen besser für Löscheinsätze geeignet als Flugzeuge. Dem Vorschlag einer Eigenanschaffung von Fluggeräten erteilte Mayer eine Absage, eben weil Partnerorganisationen mit speziellen Helikoptern und Flugzeugen schnell verfügbar sind und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch das spezifische Know-how bereits hätten, das man in der Ausbildung erst erwerben muss.

Schreiber betonte, bei Klima- und Hitzeschutzmaßnahmen sei vor allem auch die Politik gefordert. Beispiel: Es sollte ein Raumklimamanagement für Spitäler und Pflegeeinrichtungen geben. In Wien hat nur das jüngste Krankenhaus, die Klinik Floridsdorf, ein eigenes Raumklimamanagement. Klimatisiert ist nur das AKH. Bei allen anderen Spitälern, die viel älter als die Klinik Floridsdorf sind, wird es wohl umfassende Nachrüstungsmaßnahmen geben müssen – angesichts der meist historischen Bausubstanz nicht einfach. “Gleiches gilt für Pflegeeinrichtungen”, sagte Schreiber.

Abgesehen davon appellierten Schreiber und Mayer, auf sich selbst und auf die unmittelbare Umgebung zu achten – zum Beispiel auf betagtere Nachbarn. Besonders gefährdet sind aber auch die Jüngsten: “Säuglinge und Kleinstkinder haben nicht die Fähigkeit, sich zu artikulieren. Die sagen nicht: ‘Ich habe Durst.’ -‘Ich schwitze.'”, erläuterte Schreiber.