Buch Wien mit Michel Friedman und László Krasznahorkai
Politisch möchte sich die am 25. November startende Buchmesse Buch Wien positionieren. “Die Buch Wien 26 ist nicht nur das größte Fest des Jahres für Bücher in Österreich, sondern auch Zentrum für Meinungsfreiheit, Diskussion und Information”, ließ Benedikt Föger, Präsident des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels, am Donnerstag wissen. Die Eröffnungsrede hält Michel Friedman. Sie trägt den Titel “Jeder ist Jemand”.
Der deutsche Publizist, dessen vorübergehende Ausladung von einer Gedenkveranstaltung bei den Bayreuther Festspielen im Sommer für Aufsehen sorgte, erinnert in seiner Festrede “an das Versprechen nach der Shoah, dass nie mehr ein Mensch entscheiden soll, ob ein Mensch ein Mensch ist, und fragt, wann wir begonnen haben, es zu vergessen”, hieß es. Im Anschluss an die Eröffnung durch Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) spricht der designierte ORF-Generaldirektor Clemens Pig bei einem Get-together über die Bedeutung des Kulturjournalismus für die Demokratie und verleihen der deutsche Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) und der österreichische Staatssekretär Sepp Schellhorn (NEOS) den ersten Deutsch-Österreichischen Lyrikpreis.
“Gegenwart erklären, einordnen und hinterfragen”
In zahlreichen Debatten, zu denen u.a. Altbundespräsident Heinz Fischer, Verfassungsgerichtshof-Präsident Christoph Grabenwarter, Roger de Weck und die Extremismusforscherin Julia Ebner erwartet werden, geht es etwa um Autokraten, Tech-Oligarchen und künstliche Intelligenz, um die Sicherheit Europas und darum, was die US-Midterms für die Welt bedeuten. “Die großen Fragen unserer Zeit lassen sich nicht mit einer Schlagzeile beantworten. Dafür braucht es Wissen, verschiedene Blickwinkel und die Bereitschaft, einander zuzuhören”, wird Patrick Zöhrer, Geschäftsführer der Buch Wien, in einer Aussendung zitiert. “Deshalb holen wir auf der Buch Wien Menschen auf die Bühne, die unsere Gegenwart erklären, einordnen und hinterfragen. Je polarisierter unsere Gesellschaft wird, desto mehr solcher Orte braucht es.”
Zu den prominentesten Autoren, die bei der bis 29. November laufenden Messe erwartet werden, zählt Literaturnobelpreisträger László Krasznahorkai. Mit Oleksandra Matviichuk, deren Organisation den Friedensnobelpreis erhielt, und dem Dichter Serhij Zhadan, der 2025 den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur erhielt, startet die neue Reihe “Update Ukraine”, zu der zwölf ukrainische Gäste in Wien erwartet werden. 2027 soll Tschechien erstes Gastland der Buch Wien werden. Erste Details dazu sollen am Eröffnungsabend bekanntgegeben werden. 2025 verzeichnete man mit 72.000 Interessierten an den fünf Messetagen einen Besucherrekord.
(S E R V I C E – )