Buddhisten-Präsidentin fordert zum Wählen auf

Die neu gewählte Präsidentin der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft (ÖBR), Erika Erber, ruft ihre Mitglieder auf, an politischen Wahlen teilzunehmen. “Das scheint mir das wichtigste Recht zu sein, und auch die Pflicht”, sagte sie im APA-Interview. Als erste weibliche Vorsitzende ihrer Religionsvertretung will sie auch andere Frauen über ihre Gemeinschaft hinaus ermutigen, derartige Chancen zu ergreifen und nicht abzulehnen.
Erber wurde Anfang Oktober zur Präsidentin der ÖBR gewählt. Sie übernahm die Präsidentschaft von Gerhard Weißgrab. Mit der einstigen Chemieingenieurin und nunmehrigen Yoga- und Meditationslehrerin leitet eine weitere Frau eine anerkannte Religionsgemeinschaft in Österreich: Seit 2023 ist Maria Kubin die erste Bischöfin der altkatholischen Kirche. 2025 wurde Cornelia Richter zur ersten evangelisch-lutherischen Bischöfin gewählt.
Als Frau Zeichen gesetzt
Dass mit ihr eine weitere Frau eine Religionsgemeinschaft leitet, war Erber bei ihrer Wahl bewusst: “Das war schon entscheidend, weil ich mir dachte: Wenn ich es jetzt nicht mache, dann dauert es wieder mindestens fünf Jahre bis zu einer Wahl.” Persönlich schade findet sie, dass Frauen derartige Angebote öfter ablehnen als Männer. Insofern habe die Tatsache, dass es mit ihr eine Präsidentin gibt, eine Rolle gespielt. “Weil ich es schon gut finde, dass damit auch ein Zeichen gesetzt wird.”
Der Buddhismus ist in Österreich seit 1983 als Religionsgesellschaft anerkannt – dem ersten Land in Europa. Im Jahr 2021 bekannten sich 26.600 Menschen laut Statistik Austria zu diesem Glauben. Bei der ÖBR als stimmberechtigte Mitglieder registriert sind rund 5.000 Personen. “Natürlich ist es ein Ziel, dass wir langsam wachsen”, meint Erber. “Aber tatsächlich wachsen wir auch, aber sehr langsam.” Jährlich würden bis zu 200 neue Mitglieder aufgenommen, wobei man sich erst als Erwachsener offiziell zur Glaubenslehre bekennen solle. Erber: “Man soll erst dann entscheiden, ob man diesen Weg gehen will.”
Spätberufene
Dementsprechend ist auch die neue ÖBR-Präsidentin Spätberufene. 1958 im niederösterreichischen St. Valentin geboren, wuchs sie in einer römisch-katholischen Familie auf. “Meine Mutter hat im Kirchenchor gesungen. Das gehört auch zu meinen schöneren Erinnerungen”, berichtet sie. “Ganz zu Hause gefühlt” hat sie sich in der Kirche aber nicht. Auch der Religionsunterricht sei damals so gestaltet gewesen, “dass man sich gedacht hat, das kann es irgendwie nicht sein”.
Das Lesen vieler Bücher und Interesse an Meditation führten Erber schließlich ins buddhistische Zentrum. “Ich muss zugeben, ich habe mich auch nicht zu Hause gefühlt, wie ich hier mit Zen angefangen habe. Es war sehr fremd für mich”, blickt die neue Präsidentin zurück. “Die Form war auch recht streng, aber ich habe gemerkt, es tut mir gut.” Aber auch die japanische Form sei mit der Zeit “ein bisschen sanfter” geworden. “Und es hat schon lange gedauert, bis ich da reingefunden habe.”
Vielfältige
Das Buddhistische Zentrum in Wien beheimatet gleich mehrere Strömungen der Lehre. “Manche Gruppen setzen den Schwerpunkt auf Rituale und gemeinschaftliches Erleben, andere auf Meditation.” Dabei bleibt es aber nicht. “Wir bieten fast alles an, was die großen Religionen auch haben, aber letztlich mit viel weniger Leuten. Es gibt ein mobiles Hospiz, also Sterbe- und Krankenbegleitung, es gibt eine Gefangenenbegleitung. Dem zugute kommt die recht frühe Anerkennung in Österreich. “Der Vorteil ist, dass der Buddhismus keine Sekte mehr ist.”
Die Auswirkungen der Anerkennung zeigen sich in vielen Bereichen. “Zum Beispiel beim Zivildienst kann es einen Unterschied machen”, so Erber und: “Ich war Geschworene und Gerichtsgutachterin. Da ist es wichtig, wie man schwört, weil wir als Buddhisten natürlich nicht auf die Bibel schwören und so nicht den Eid ablegen könnten.” Als anerkannte Religionsgemeinschaft genieße der Buddhismus auch Minderheitenschutz, wie auch andere Religionen. Und nicht zuletzt gebe es buddhistische Schulen und buddhistischen Religionsunterricht.
Umweltschutz als Anliegen
Direkte politische Botschaften versucht auch die ÖBR – ganz im Sinne der Trennung von Staat und Religion – zu vermeiden, betont Erber. Auch wenn es natürlich gesellschaftliche Anliegen gebe, wie den Schutz der Umwelt. Die nunmehrige Vorsitzende nahm auch an den Klimastreiks von Fridays for Future teil. “Ich möchte aber alle Buddhisten und Buddhistinnen auffordern, wählen zu gehen”, lautet ihre Botschaft. “Denn das sind dann die Vertreter der Bevölkerung, und die müssen dann die Politik machen.”