Bündnis setzt sich für mehr heimische Musik im Radio ein
Der Anteil österreichischer Musik bei Ö3, Kronehit, 88.6 und Co. soll erhöht werden. Diese Forderung stellt ein neues Bündnis, bestehend aus Vertretern der Musikwirtschaft und Musikerinnen und Musikern, auf. Mit der Kampagne #OhneFrequenz soll darauf aufmerksam gemacht werden, wie wichtig Radiopräsenz für Musikkarrieren ist und sie letztlich auch kulturelle Vielfalt und heimische Wertschöpfung stärkt. Ziel ist, in den kommenden Monaten einen Forderungskatalog auszuarbeiten.
“Wenn ein Song ins Radio kommt, ist das eine riesengroße Chance, Reichweite zu gewinnen”, sagte David Buder am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Er ist Teil der neugegründeten Agentur amp, die sich für eine Stärkung der österreichischen Musikbranche einsetzt und Träger der Kampagne ist. Mehr Airplay würde auch Einnahmen durch Streaming, Konzertbesuche, Ticketverkäufe und Rechteerlöse ankurbeln. Aktuell finde sich in den größten Radiosendern des Landes aber ein “relativ kleiner Anteil” von österreichischer Musik, monierte Buder. Hierzulande würden über 80 Prozent der Radio-Tantiemen ins Ausland fließen.
Norwegen und Dänemark weisen den Weg
Beispielsweise komme Ö3 als klarer Marktführer auf Basis einer freiwilligen Selbstverpflichtung auf 18 Prozent österreichische Musik bzw. 15 Prozent in der so wichtigen Kernzeit. Dass es auch anders ginge, würden vergleichbare öffentlich-rechtliche Programme in anderen Ländern zeigen. So komme NRK P3 in Norwegen auf 57 Prozent bei einer Mindestvorgabe von 40 Prozent oder auch DR P3 in Dänemark auf 52 Prozent bei einer Vorgabe von 50 Prozent, zeigte Buder auf.
Als erstmals ein Song von Ina Regen auf Ö3 lief, habe ihr Leben einen “Purzelbaum” gemacht, erinnerte sich die Musikerin. Drei Wochen später habe sie ihren bürgerlichen Beruf gekündigt und sich ganz auf Musik konzentrieren können. Es sei zwar toll, dass es Förderungen wie etwa über den österreichischen Musikfonds gebe, aber Ziel müsse sein, dass diese junge Talente über eine erste Schwelle heben und man in der Folge auf eigenen Beinen stehen könne. Dazu brauche es Partner und Multiplikatoren wie eben Radiosender. “In der Bevölkerung gibt es eine Sehnsucht nach einer viel diverseren Abbildung davon, was es heißt, Mensch in Österreich zu sein”, meinte Ina Regen. Österreichische Musik helfe hier weit mehr als die “Tagebucheinträge von Taylor Swift”. “Wer österreichische Musik will, muss sie auch spielen”, stellte sie klar.
Julian le Play sieht “irre Macht” der Sender
“Damit ganz Österreich einen Song kennt, dafür braucht es Radio”, betonte auch Julian le Play die “irre Macht” der Sender und stellte klar, dass Musikerinnen und Musiker nicht um Almosen betteln, sondern mittlerweile einen “ernstzunehmenden Wirtschaftsfaktor” darstellen würden. “Österreicherinnen und Österreicher haben Lust auf österreichische Musik. Man verliert die Hörerinnen und Hörer nicht, wenn man mehr davon spielt”, zeigte er sich überzeugt. Könne man doch Geschichten aus dem Land vermitteln und ein Lebensgefühl aufgreifen.
Nenda würde es als Musikerin nicht mehr geben, hätte FM4 nicht einst einen Song von ihr gespielt, sagte die Musikerin. Sehr schnell habe sie an Reichweite – auch im Streamingbereich – gewonnen, Konzertanfragen und Einkommen stiegen. Dass eigene Songs im Radio einen finanziellen Unterschied machen, bestätigte auch Ella Stern, die über Social Media bekannt wurde. Zudem dürfe musikalischer Erfolg nicht nur von Algorithmen abhängen. “Ein guter Song ist nicht immer ein viraler Song”, sagte sie. Radios sollten ruhig mehr Verantwortung übernehmen und jungen Talenten mutig mehr Bühnenzeit bieten. Profitieren würden alle davon, zeigte sie sich sicher.
Forderungskatalog bis 13. Februar
Ziel müsse eine deutliche Erhöhung des Österreich-Anteils sein – in den ORF-Radios und bei Privatsendern, fasste Buder zusammen. Dabei sollten nicht nur bekannte Artists, sondern auch neue Talente über alle Genres hinweg Sendezeit erhalten, um die Chance zu bekommen, in der Branche Fuß zu fassen. Dafür wolle man in den kommenden Monaten in einem offenen Prozess Gespräche in der Branche führen und letztlich bis zum Weltradiotag am 13. Februar einen klaren Forderungskatalog ausarbeiten.
Mehrfach wurde betont, dass ein Schulterschluss mit den Radiosendern Ziel sein müsse. Die Kampagne soll als Chance gesehen werden. Bei den Privatradios setze man auf Freiwilligkeit und Partnerschaft. Beim ORF mit seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag könne man sich aber durchaus verpflichtende Vorgaben vorstellen.
Weitere Unterstützer gesucht
Neben den bereits genannten Musikerinnen und Musikern sind u.a. auch Hubert von Goisern, Gottfried Würcher (Nockis), Sassy Holzinger (ehem. Seer), Yasmo, Florian Ritt (Folkshilfe), Avec und Anna Buchegger an Bord. Weitere Personen sind aufgerufen, sich der Kampagne anzuschließen.
ORF: Förderung heimischer Musik “zentrales Anliegen”
Der ORF betonte auf APA-Anfrage, dass die Förderung österreichischer Musik ein “zentrales Anliegen” sei. Der Gesamtanteil heimischer Musik in allen ORF-Radios betrage 33 Prozent. Zu diesen habe sich der ORF selbstverpflichtet. Zudem liefere der ORF Hintergründe zur Entstehung der Musik, Biografisches zu den Künstlerinnen und Künstlern und schaffe so ein Gesamtbild vom Markt, hieß es.
(S E R V I C E – )