Bundesforste trotz Hitzesommer “grundsätzlich optimistisch”

29.08.2026 • 06:00 Uhr
Bundesforste trotz Hitzesommer "grundsätzlich optimistisch"

Der heiße Extremsommer neigt sich dem Ende zu und die Österreichische Bundesforste AG (ÖBf) zieht im Gespräch mit der APA eine erste Bilanz für 2026, die laut ÖBf-Vorstandssprecher Georg Schöppl “grundsätzlich recht optimistisch” ausfällt. Zumindest sei das Jahr bisher, “wenn man nur auf die Zahlen” schaue, recht zufriedenstellend. Die Schadholzmenge sei etwa bisher vergleichsweise gering, doch blicke man gespannt auf die mittel- und langfristigen Folgen der extremen Dürre.

Schon jetzt sehe man, dass sich das Laubholz vorzeitig verfärbt, vorzeitig die Blätter abgeworfen werden, ergänzte Andreas Gruber, Vorstand für Forstwirtschaft und Naturschutz, und das “teilweise auch noch in grüner Form, was kein so schönes Signal ist.” Laut Schöppl könne man den einstigen Herbstwald im Moment einen “Augustwald” nennen und er hoffe, dass das nicht die neue Normalität wird.

Jedoch sei klar: “Die Temperaturen, die wir heute haben, die werden bleiben und tendenziell weiter steigen, denn wir sind mitten im Klimawandel und Österreich ist hier besonders betroffen.” Ebenso gehe es aber auch um das Thema “Sommertrockenheit”, denn einerseits wisse man zwar bereits, dass die zunehmende Erwärmung die Niederschlagsintensität verändere, doch spannend sei die Niederschlagsverteilung: Und hier könne man nach zwei trockenen Jahren seriöserweise noch keinen langfristigen Trend ablesen.

Borkenkäferbefall vorerst auf Niveau des Vorjahres

Die Klimakrise ist für die Bundesforste auch so längst spürbar. Zum Beispiel was den Hauptschädling Borkenkäfer betrifft, denn da bewege man sich beim Befall “ungefähr in der Range des Vorjahres”, berichtete Gruber. Jedoch lagen die Aufwendungen für dessen Bekämpfung im Jahr 2025 trotzdem bei 6,4 Millionen Euro. Die Lage werde in der nächsten Zeit angespannt bleiben, und inwieweit die Fichte vor allem im nächsten Jahr dann prädisponiert für einen Borkenkäferbefall sei, werde sich erst zeigen. Der Käfer profitiert indes von der Erwärmung und hat sich längst bis zur Baumgrenze hochgearbeitet. “Früher hat es geheißen: Über 1.000 Meter Seehöhe gibt es keine Borkenkäfer. Das ist Geschichte”, ergänzte der Vorstandssprecher.

Der Faktor Klimawandel zeige sich jedenfalls deutlich in den finanziellen Einschnitten, erläuterte Schöppl: “Vor zehn, fünfzehn Jahren war es der Normfall, dass Schäden im Durchschnitt 14, 15 Millionen Euro ausgemacht haben. Jetzt liegt die neue Normalität beim Doppelten und mehr: Im vergangenen Jahr waren es über 30 Millionen Euro, im Jahr davor waren es fast 50 Millionen Euro. Das heißt, wir spüren das sehr stark.”

Seriöse Prognose im Frühjahr möglich

Was die Wetterlagen der vergangenen Monate betrifft, so habe es diese in einer solchen Form bisher nicht gegeben, stellte Gruber fest. Die ÖBf reagieren mit einem “Beobachtungsnetz”, bei dem bewaldete Flächen mit Drohnen beflogen und terrestrische Aufnahmen gemacht werden. Man verfolge dies über den Zeitverlauf die nächsten zwei, drei Jahre. “Dann werden wir wirklich sehen, welche Auswirkungen die Trockenheit tatsächlich auf die Bäume hat”, sagte Gruber. Viel hänge jedoch noch vom weiteren Niederschlagsverlauf in Herbst und Winter ab. “Eine wirklich erste seriöse Prognose werden wir daher im Frühjahr geben können”, so Schöppl.

Ohnehin gelte es, den Mischwald “im Zuge der Klimawandelanpassung unserer Waldbestände” weiter auszubauen, wies Gruber auf die vor Jahren eingeschlagene Strategie “Wald der Zukunft” hin. Dieser wird in Zukunft – die Pläne für einen klimafitten Mischwald reichen bis ins Jahr 2100 – vor allem mit weniger Fichten ausgestattet. Geplant ist es den Anteil des Nadelbaums von rund 57 Prozent im Jahr 2025 bis 2100 auf rund 37 Prozent zu reduzieren. “An Fichtenfläche haben wir in den vergangenen zehn Jahren bereits 10.000 Hektar abgebaut, also rund 1.000 Hektar pro Jahr”, erläuterte Gruber. Der Anteil an Lärchen oder Tannen wird hingegen gesteigert.

Diversifizierungsstrategie finanziert “Wald-Umbau”

Vor mehr als zehn Jahren habe der ÖBf das Jahrhundertprojekt gestartet, berichtete Schöppl, seit Mai 2025 wird es zudem von einem wissenschaftlichen Beirat begleitet. Es sei jedenfalls wichtig, langfristige Ziele zu definieren, das brauche es gerade im Wald. “Denn vom Setzling bis zum erntereifen Baum dauert es durchschnittlich 120 Jahre bei uns.” Es gelte, das, was man in den kommenden 30, 40, 50 Jahren vorhabe, dann auf die Jahresprogramme runterzubrechen, “und da sind wir auf einem guten Weg.”

Mit ein Grund für den guten Weg ist dabei die Diversifizierungsstrategie der ÖBf, die neben der Betreuung der Wälder als Kerngeschäft inzwischen die Bereiche erneuerbare Energie, Immobilien/Tourismus und Dienstleistungen umfasst. “Wir machen diese Projekte und diese Geschäfte, damit wir aus den Gewinnen, die wir daraus erzielen, dieses Jahrhundertprojekt aus eigener Kraft stemmen können”, sagte Vorstandssprecher Schöppl. Eine Strategie, die aufgeht: Während so der Geschäftsbereich Forst/Holz in den beiden von hohen Schadensummen begleiteten Vorjahren 1,3 bzw. 0,4 Mio. Euro zum Betriebserfolg (EBIT) beigetragen haben, lieferte die Sparte Immobilien/Tourismus hier 35,4 bzw. 35,1 Mio. Euro. Vor zehn Jahren lag das Verhältnis Forst/Holz zu Immobilien/Tourismus hingegen noch bei 8,2 zu 15,8 Mio. Euro.

Die ÖBf verwalten mit 850.000 Hektar rund zehn Prozent der Staatsfläche bzw. 15 Prozent der Waldfläche. Dazu zählen auch 74 größere Seen.

(Das Gespräch führte Andreas Westphal/APA)