Designierter ORF-Chef Pig sucht 13 Direktoren

16.06.2026 • 13:37 Uhr

Der designierte ORF-Chef Clemens Pig sucht nach 13 ORF-Direktorinnen und -Direktoren. Am Dienstag nahm er die Ausschreibung der Topjobs vor. Gesucht sind Direktoren für “Programm und Brands”, “Audience und Plattformen”, “Finanzen und Verwaltung”, “Technologie und Innovation” und neun Landesdirektoren für die Jahre 2027 bis 2031. Er will auf ein strikt ausgewogenes Geschlechterverhältnis achten. Bewerbungen müssen bis 14. Juli, 24 Uhr, einlangen.

Mit der Direktorenstruktur weicht Pig etwas von der gegenwärtigen Aufteilung – Technik, Finanz, Programm und Radio – ab. Die Informationsagenden behält er weiter bei sich. Laut Ausschreibung können nur Personen bestellt werden, die eine für die Aufgaben relevante Vorbildung oder eine fünfjährige einschlägige oder hinsichtlich des Aufgabenbereichs verwandte Berufserfahrung nachweisen können. Auch dürfen keine Ausschlussgründe nach dem ORF-Gesetz vorliegen. Ausgeschlossen sind etwa Politiker (für vier Jahre gesperrt) und Personen, die in einem Dienstverhältnis zu einem anderen Medienunternehmen stehen.

Überzeugung für öffentlich-rechtlichen Auftrag

Erwartet wird ein abgeschlossenes Hochschulstudium – vorzugsweise in den Fachrichtungen Recht, Wirtschaft, Medienmanagement oder eine dem Studium gleichartige Berufserfahrung -, Führungserfahrung, Strategiekompetenz zur Weiterentwicklung der jeweiligen Direktion, Kenntnisse des ORF-Gesetzes, sehr gute analytische Fähigkeiten und eine hohe soziale Kompetenz.

Die Funktionen verlangen “Vertrauenswürdigkeit, Unbescholtenheit und ein Verhalten, das die Glaubwürdigkeit eines öffentlich-rechtlichen Medienunternehmens sicherstellt”, heißt es. Pig will Bewerberinnen und Bewerber zu ihrer Überzeugung für ein öffentlich-rechtliches Medienunternehmen, ihrer Identifikation mit dem öffentlich-rechtlichen Auftrag, den Programmgrundsätzen wie Objektivität, Meinungsvielfalt und Achtung der Menschenwürde, sowie den Programmrichtlinien des ORF befragen.

Konzept zur Entwicklung der Direktion

Neben einem Lebenslauf muss ein Konzept zur mittel- und langfristigen Entwicklung der jeweiligen Direktion bzw. Landesdirektion einschließlich Vorschlägen zur Gleichstellung von Frauen und Männern im ORF abgegeben werden. Das Auswahlverfahren durch den designierten Generaldirektor werde ausschließlich nach objektiven Kriterien vorgenommen, heißt es in der Ausschreibung.

Pig muss sein Team dem ORF-Stiftungsrat zur Bestellung vorlegen. Ob über seinen Antrag einzeln oder en bloc abgestimmt werden soll, bestimmt er. Jedes Mitglied des ORF-Stiftungsrats hat das Recht, die vorgeschlagenen Personen in einer Bestellungssitzung – die für Ende Juli angepeilt ist – zu befragen. Nicht länger im Bestellprozedere vorgesehen ist das Anhörungsrecht von Landeshauptleuten vor der Bestellung von ORF-Landesdirektoren. Es wurde im Vorjahr von der Bundesregierung abgeschafft.

NEOS üben Kritik an Bestellprozess

Die NEOS übten am Dienstag bei einer Pressekonferenz Kritik am Bestellprozess, der transparent, fair und diskriminierungsfrei sein sollte. “Wenn die Ausschreibung erst jetzt startet und gleichzeitig gesetzliche Fristen eingehalten werden müsse, bleibt aber kaum Zeit für Auswahl, Hearings und eine ernsthafte Prüfung der Kandidaten. Ich habe große Zweifel, dass man unter diesen Bedingungen von einem Best-Practice-Verfahren sprechen kann”, hielt NEOS-Mediensprecherin Henrike Brandstötter fest. Die NEOS sprachen sich bereits wiederholt für eine große ORF-Reform unter Einbeziehung der Bevölkerung aus. Der ORF müsse schlanker, digitaler, transparenter und bürgernäher werden, fordert die Partei, die auch eine Reform von Stiftungs- und Publikumsrat anstrebt. Mit parteipolitischen Machtspielen müsse Schluss sein. Das “Thema ORF” sei mit der Bestellung von Pig zum ORF-Chef ab 2027 nicht erledigt. “Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit”, sagte Brandstötter.

(S E R V I C E – )