“Die tote Stadt” in Grafenegg als spätromantisches Schwelgen

Mit einer konzertanten Aufführung der Oper “Die tote Stadt” von Erich Wolfgang Korngold ist am Sonntagabend im Wolkenturm das vorletzte Wochenende des Grafenegg Festivals zu Ende gegangen. Das 1920 uraufgeführte Werk des damals 23-jährigen Komponisten bietet viel spätromantisches Schwelgen und eine Handlung voll Gefühlsverwirrung rund um die beiden Hits “Glück, das mir verblieb” und “Mein Sehnen, mein Wähnen”.
Eine konzertante Opernaufführung ist natürlich immer eine halbe Sache, denn zum Musiktheater gehört eben auch das Theater. In diesem Fall wurde das Defizit durch exquisite Mitwirkende – und dramaturgisch eingesetzte Lichttechnik – weitgehend kompensiert. Das Tonkünstler Orchester sorgte für opulente Klangreisen, versierter Steuermann am Pult war Dmitri Jurowski, der das Dirigat von Axel Kober übernommen hatte.
Kongeniales Protagonistenpaar Cutler und Nylund
Eric Cutler als seiner verstorbenen Liebe nachhängender Paul und Camilla Nylund als lebenslustige Marietta bildeten ein kongeniales Protagonistenpaar, stimmlich und im Ausdruck hervorragend. Samuel Hasselhorn in der Doppelrolle Frank/Fritz erwies sich als Bariton mit beträchtlichem Volumen.
In weiteren Partien sangen Christa Mayer (Brigitta), Ilia Staple (Juliette), Florentina Serles (Lucienne), Daniel Jenz (Victorin/Gaston) und Matthäus Schmidlechner (Graf Albert). Nicht zu vergessen der von Eduard Kostelnik einstudierte Tschechische Philharmonische Chor Brünn. Wer das Werk auf der Bühne erleben will, hat dazu im Frühjahr 2027 bei einer Inszenierung von Willy Decker in der Wiener Staatsoper Gelegenheit.
(Von Ewald Baringer/APA)
(S E R V I C E – Grafenegg Festival, bis 6. September. Information: )