EU-Spitzenforschung soll EU fit gegen hybride Gefahr machen

10.09.2026 • 13:22 Uhr
EU-Spitzenforschung soll EU fit gegen hybride Gefahr machen

Die EU-Kommission will die EU durch eine verstärkte Zusammenarbeit in der Sicherheitsforschung auf Katastrophen und neue Bedrohungen besser vorbereiten: Am Donnerstag eröffnete EU-Kommissar Magnus Brunner den “Security Research and Innovation Campus” im Gemeinsamen EU-Forschungszentrum (JRC) im italienischen Ispra. Für ihn zeigen gerade jüngste Ereignisse wie die Migrationskrise in Ceuta oder der versuchte Leipziger Drohnenanschlag, dass die EU besser vorbereitet sein müsse.

“Die Bedrohungslage hat sich dramatisch verändert: KI-gesteuerte kriminelle Netzwerke, Drohnen, Cyberangriffe und koordinierte Sabotageakte gehören mittlerweile zum Alltag. Und während Umweltzerstörung und Klimawandel diese Komplexität noch verstärken, können die natürlichen Ressourcen um uns herum auch zu einem entscheidenden Teil der Lösung werden”, sagte JRC-Direktor Bernard Magenhann in seiner Eröffnungsrede. Die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in operative Fähigkeiten sei “zu einem Wettlauf geworden, den wir uns nicht leisten können zu verlieren”.

Spitzenforschung mit Praxis verknüpfen

Ziel der Kommission ist die Verknüpfung von Spitzenforschung mit konkreten praktischen Anforderungen, die sich aus der sich wandelnden Bedrohungslage von heute ergeben. So soll der Campus einen wesentlichen Beitrag zur strategischen Autonomie und technologischen Souveränität der Union in allen Sicherheitsfragen leisten. Forschung, Experimente, Tests, Bewertung, Validierung, Beschaffung, Einsatz und kontinuierliches Feedback sollen auf dem Campus verbunden werden. Zu den Forschungsbereichen gehören Cybersicherheit, digitale und nukleare Forensik sowie Quantenkommunikation und Fernerkundung.

Der Campus soll Forschende, Sicherheitspersonal, Grenzschutzbeamte und andere Fachleute aus allen EU-Ländern in Ispra, weiteren Standorten in der EU und online zusammenbringen, um innovative Ideen in konkrete Lösungen für ein stärkeres und sichereres Europa umzusetzen. In Ispra erhalten die Teilnehmenden direkten Zugang zu den Laboren und Forschungseinrichtungen der Forschungsstelle.

Brunner: Europa muss besser vorausschauen

“Ich denke, Europa muss seine Fähigkeiten stärken, nicht nur um zu reagieren, sondern auch, um vorauszusehen, wie die Technologie das Sicherheitsumfeld von morgen verändern wird, sowohl im Hinblick auf Bedrohungen als auch im Hinblick auf Chancen für neue Lösungen”, betonte Kommissar Brunner. Europa verfüge bereits über viele der wesentlichen Bausteine dafür, wie Forscher von Weltklasse, Forschungslabore und wir sehr innovative Unternehmen. Aber Europa müsse “noch viel weiter gehen” und den Innovationszyklus beschleunigen – “von einer guten Idee zu einer Lösung, die zum Schutz unserer Gesellschaften eingesetzt wird”.

Auf eine Frage der APA in der Pressekonferenz, wie der neue Campus konkret zur Verhinderung von Ereignissen wie die Migrationskrise von Ceuta oder den versuchten Leipziger Drohnenanschlag beitragen könne, sagte Brunner, die in Ceuta gewonnenen Erkenntnisse zeigten, “dass wir uns früher vorbereiten müssen”, und genau hier kommt für ihn der Campus “ins Spiel, um besser vorbereitet zu sein, früher vorbereitet zu sein, alle Erkenntnisse aus Vorfällen und Ereignissen der Vergangenheit zu nutzen, um für die Zukunft besser gerüstet zu sein”. Das spiele auch bei Leipzig eine Rolle.

Grenzmanagement und nukleare Sicherheit 2 der 6 Säulen

Grenzmanagement, Krisenmanagement, Verteidigung, innere Sicherheit, nukleare Sicherheit sowie Weltraum und Quantenphysik sind die sechs miteinander verknüpften Säulen, auf die die Arbeit im Campus aufbauen wird. So soll etwa ein “Grenzsicherheitslabor” ein Kooperationsnetzwerk von Laboren schaffen, die auf die Unterstützung von Grenzkontrollen und Zollmaßnahmen spezialisiert sind. Ziel ist, Sicherheit und Effizienz an den nationalen Grenzen zu verbessern.

Das Europäische Krisenmanagementlabor (ECML) liefert wissenschaftliche Empfehlungen und Lagebilder zur Bewältigung von Naturkatastrophen und vom Menschen verursachten Katastrophen. Es unterstützt die Europäische Kommission, die EU-Staaten und internationale Organisationen, indem es täglich Karten erstellt, die einen Überblick über aktuelle Ereignisse bieten und eine wichtige Rolle bei der Durchführung von Hilfs- und Rettungsmaßnahmen spielen können.

Der “Security Campus” ist ein zentrales Projekt der Europäischen Strategie für innere Sicherheit ProtectEU. Diese soll die Mitgliedstaaten im Kampf gegen Online- und Offline-Bedrohungen durch Terroristen, Kriminelle und feindliche ausländische Akteure stärken. Darüber hinaus sollen Sicherheitsaspekte in alle künftigen EU-Politiken einbezogen werden.