Forschungsprojekt in Tirol: Den Schlafmäusen auf der Spur

30.10.2026 • 11:06 Uhr
Forschungsprojekt in Tirol: Den Schlafmäusen auf der Spur

Ein Forschungsprojekt der Tiroler Landesmuseen in Kooperation mit der Abteilung Umweltschutz des Landes Tirol und den Österreichischen Bundesforsten untersucht verschiedene Methoden, Bilche – auch Schläfer oder Schlafmäuse genannt – zu erfassen, um mehr über ihre Verbreitung und Lebensweise zu erfahren. Auch die Bevölkerung ist aufgerufen mitzumachen, appellierten die Tiroler Landesmuseen in einer Aussendung am Freitag.

Alle vier mitteleuropäischen Schläferarten – Siebenschläfer, Haselmaus, Gartenschläfer und Baumschläfer – sind in Tirol heimisch. Das treffe nur auf sehr wenige Regionen zu. “Aufgrund ihrer nächtlichen Aktivität und verborgenen Lebensweise sind die Bilche aber nur schwer zu erfassen”, erklärte Zoologin Petra Schattanek-Wiesmair, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Tiroler Landesmuseen: “So sind auch die verfügbaren Daten zu ihrer aktuellen Verbreitung und Bestandssituation lückenhaft. Besonders für den seltenen Baumschläfer und den europaweit rückläufigen Gartenschläfer sind stichhaltige Nachweise sehr gering.”

Bereits 2025 wurde das Projekt initiiert. Bei dem Forschungsprojekt werden verschiedene Methoden zur Erfassung von Bilchen untersucht und hinsichtlich ihrer Eignung für ein Monitoring verglichen. In vier ausgewählten Untersuchungsgebieten kommen Nistkästen, Niströhren, Wildkameras, bioakustische Aufnahmegeräte und Spurentunnel zum Einsatz. Dabei werden Nachweisraten und Praxistauglichkeit der unterschiedlichen Methoden verglichen, mit dem Ziel, das Erhebungsdesign für zukünftige Bilchuntersuchungen weiterzuentwickeln und zu optimieren.

Citizen-Science-Projekt

Ergänzend dazu werden Daten aus dem ebenfalls seit Frühjahr 2025 laufenden Citizen-Science-Projekt “Entdecke die Bilche Tirols” berücksichtigt. “Dabei ist die Bevölkerung aufgerufen, Beobachtungen von Bilchen zu melden, um so die Forschenden zu unterstützen, die Verbreitung der Tiere besser zu verstehen und gezielte Artenschutzmaßnahmen abzuleiten”, betonte Evelyn Kustatscher, Leiterin der Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Tiroler Landesmuseen.

Die Datenlage über Bilche sei gering, da die Tiere recht heimlich leben. “Einige Arten seien aber nachweislich seltener geworden, wie etwa der Gartenschläfer, der in den Nachbarländern um circa 50 Prozent zurückgegangen ist, oder der Baumschläfer, von dem es in Deutschland seit 1986 keine Nachweise mehr gibt”, nannte Petra Schattanek-Wiesmair Fakten zur Gefährdungslage dieser Tiere. Dabei seien sie wichtige Bioindikatoren für unser Ökosystem, sie beeinflussen als Samenverbreiter die Vegetation und tragen als Teil der heimischen Artenvielfalt zum ökologischen Gleichgewicht bei. Für die Humanmedizin und Raumfahrtforschung sind sie von wissenschaftlichem Interesse, da aus ihrem Winterschlaf wichtige Erkenntnisse gewonnen werden können.

Die Bevölkerung ist aufgerufen, Sichtungen bei Petra Schattanek-Wiesmair: p.schattanek@tiroler-landesmuseen.at oder Carsten Löb: 0664 12 39 949 zu melden. Wichtig seien ein Foto sowie Angaben zu Fundort und Datum.