Freiwillige Zivildienstverlängerung stößt auf geteiltes Echo

Die von der Regierung geplante, zunächst freiwillige Verlängerung des neunmonatigen Zivildienstes um zwei Monate stößt bei den Trägerorganisationen auf ein geteiltes Echo. Für den Samariterbund ist das “eindeutig zu wenig”, er hätte sich einen zwölfmonatigen Zivildienst gewünscht. Grundsätzlich positiv standen hingegen das Rote Kreuz, die Lebenshilfe und die Volkshilfe der Regelung gegenüber. Die Diakonie pochte darauf, dass Zivil- und Wehrdienst gleich lang sein sollten.
Am Montag hat die Koalition ihre Wehrdienstreform vorgestellt – dabei soll nicht nur der Grundwehrdienst, sondern auch der Zivil- bzw. Wehrersatzdienst ausgeweitet werden. Zunächst freiwillig kann er von neun auf elf Monate verlängert werden. Unterschreitet die jährliche Zahl der Grundwehrdiener aber die Marke von 13.875, soll ein Mechanismus greifen und der Zivildienst ab dem Folgejahr dauerhaft verpflichtend auf elf Monate angehoben werden. Die zusätzlichen zwei Monate können dann im Einvernehmen mit der jeweiligen Einrichtung – auch flexibel – geleistet werden.
Samariterbund: Freiwilligkeit zu wenig
Eindeutig ablehnend gab sich der Samariterbund. Die diskutierte Verlängerung des Zivildienstes auf zwölf Monate hätte zusätzliche Kapazitäten geschaffen und eine verlässliche Personalplanung ermöglicht, hieß es in einer Pressemitteilung. “Wartezeiten von bis zu vier Stunden auf einen Krankentransport sind längst keine Ausnahme mehr. Angesichts der deutlich gestiegenen Herausforderungen ist eine bloß freiwillige Verlängerung des Zivildienstes eindeutig zu wenig”, stellte Samariterbund-Bundesgeschäftsführer Reinhard Hundsmüller fest.
Politische Rahmenbedingungen hätten schließlich über Jahrzehnte dazu geführt, dass Rettungsorganisationen, Pflegeeinrichtungen und soziale Dienste auf Zivildiener angewiesen seien. “Diese Abhängigkeit haben sich die Organisationen nicht ausgesucht. Deshalb darf die Politik sie jetzt auch nicht mit den Folgen alleinlassen”, pochte Hundsmüller. Er kritisierte, dass sich mit den NEOS beim Zivildienst eine “Kleinpartei auf Kosten der Versorgung der Bevölkerung durchsetzt”.
Lebenshilfe glaubt an mehr Einarbeitungszeit
Allerdings ergab ein APA-Rundruf auch mehrere grundsätzlich positive Reaktionen. So geht Lebenshilfe-Generalsekretär Philippe Narval davon aus, dass der Mechanismus wegen geburtenschwacher Jahrgänge und niedriger Grundwehrdienerzahlen ohnehin schlagend und der Zivildienst für alle verlängert wird. Das sei durchaus sinnvoll und ermögliche mehr Zeit für die Einarbeitung, sagte er. Der Zivildienst sei in der Begleitung von Menschen mit Behinderungen jedenfalls unverzichtbar, viele junge Männer würden danach in dem Bereich bleiben. Eine freiwillige Verlängerung des Zivildiensts könnten Interessierte beispielsweise für Qualifizierungen nutzen.
Auch das Rote Kreuz hatte sich für den Regierungsbeschluss ausgesprochen. Präsident Gerald Schöpfer sah die Widerstandsfähigkeit der Gesellschaft dadurch gestärkt. Zudem würden die Änderungen Flexibilität bieten, um auf zukünftige Entwicklungen reagieren zu können. Ebenso kann die Volkshilfe der Regelung etwas abgewinnen. Der Zivildienst dürfe allerdings “nicht als Pflaster für die Risse in der zunehmend prekären Ausfinanzierung sozialer Dienstleistungen herhalten”, so Geschäftsleitungs-Mitglied Judith Ranftler. Es brauche konsequente Investitionen in den Sozialbereich, um den Fachkräftemangel zu bewältigen.
Diakonie gegen Zivildienst-Verlängerung
Die Diakonie begrüßt hingegen, dass Wehrdienst und Zivildienst zumindest zunächst gleich lange dauern. “Sollte die jetzt optionale Verlängerung des Zivildiensts um zwei Monate verpflichtend werden, würde das die problematische Ungleichbehandlung von Zivildienern und Wehrdienern der aktuellen Regelung fortschreiben”, teilte Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser mit. Wichtig sei auch, dass die Anrechenbarkeit des Freiwilligen Sozialen Jahres auf den Zivildienst bleibe.