Gewalt an Kindern – SPÖ will Entschuldigung wegen Kickl-Rede

Die SPÖ fordert FPÖ-Obmann Herbert Kickl auf, sich für eine Aussage in seiner Rede am 1. Mai zu entschuldigen, und hat dazu eine Petition gestartet. Kickl habe Gewalt an Kindern verharmlost und Zeiten verherrlicht, in denen “nachgeholfen” wurde, wenn ein Kind nicht gespurt hat, sagte SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler bei einem Medientermin am Mittwoch. Mit einer Geste habe Kickl zudem eine “Watsche angedeutet”. Eine rote Linie sei überschritten worden.
In seiner Rede am Urfahraner Jahrmarkt in Linz hatte Kickl von der “guten alten Zeit” gesprochen, als der Lehrer noch eine Respektsperson gewesen sei. Integration sei damals für “Ausländer in den Schulklassen” eine Bringschuld gewesen, und der Lehrer habe ein “bisserl nachgeholfen”, wenn ein Schüler nicht “gespurt” habe. Mit einer Handbewegung deutete Kickl dabei eine Ohrfeige an. Das habe “niemandem geschadet”. Im Nationalrat hatte Kickl im Mai betont, das Wort Watsche nicht in den Mund genommen zu haben. Fehlverhalten müsse aber auch Konsequenzen haben: “Wenn man etwas liebt, heißt das nicht, dass man immer lieb sein muss.”
“Wir wollen nicht zurück in diese Zeiten”, pochte Babler nun. Jedes Kind habe das Recht, gewaltfrei aufzuwachsen. Wer dieses Recht infrage stellt, habe in einem öffentlichen Amt nichts verloren. “Entschuldigen Sie sich bei Familien und Kindern für diese Entgleisung”, appellierte er an Kickl. Die stellvertretende SPÖ-Klubobfrau Julia Herr kritisierte, dass die FPÖ die Chance, sich zu distanzieren, nicht genutzt habe. So hatten die Blauen ihre Zustimmung zu einem Antrag verweigert, in dem die übrigen Parteien sich zur gewaltfreien Erziehung bekannt haben.
Auf Erziehungsgewalt folgen Ängste, Depressionen und mehr Gewalt
Die SPÖ sprach am Mittwoch vom Start eines Schulterschlusses mit der Zivilgesellschaft. Thomas Graf, Leiter eines Kinderschutzzentrums, erläuterte die negativen Folgen von Gewalt in der Kindheit – Ängste, Depressionen, ein vermindertes Selbstwertgefühl, Bindungs- und gesundheitliche Probleme sowie das Risiko, dass die Kinder später selbst Gewalt anwenden. Kinder bräuchten Grenzen und Regeln, aber ohne Gewalt und Angst.
Österreich habe zum Glück eine stolze Tradition im Bereich der Kinderrechte, sagte die Bundesgeschäftsführerin der Kinderfreunde, Daniela Gruber-Pruner. Tätigen Erwachsene in Entscheidungsfunktionen aber derartige Aussagen, torpediere das pädagogische Bemühungen. Wer Verantwortung für Traumata und lebenslange psychische Probleme tragen will, könne sich bei Kickls Ideen etwas abschauen, meinte auch der Bundessekretär der Roten Falken, Ruben Pfundner.