Grüne und ÖVP kritisieren Wiener “Summer City Camps”

Der Wiener Stadtrechnungshof wird sich demnächst mit der Wiener Ferienbetreuung “Summer City Camps” näher befassen. Grüne und ÖVP haben dazu ein gemeinsames Prüfansuchen eingebracht. Sie kritisieren Organisation und Kosten der Camps. Der Aufwand pro Kind liege deutlich höher als bei privaten Anbietern, wird versichert. Vor allem eine Systemänderung 2024 sorgt für Unverständnis.
Der Grüne Bildungssprecher Felix Stadler und die Familiensprecherin der Wiener Volkspartei, Sabine Keri, luden am Mittwoch zu einem gemeinsamen Medientermin. Dort bekräftigten sie zunächst, dass die Einrichtung prinzipiell begrüßt wird. “Die Idee der Ferienbetreuung ist natürlich eine gute”, betonte Keri. Zweifel gibt es jedoch an der Umsetzung der 2019 ins Leben gerufenen Sommer-Camps.
Verein koordiniert seit 2024 Vergabe
Bis 2023 sei die Förderung jeweils direkt mit den beteiligten Organisationen abgerechnet worden, hieß es. Im Jahr darauf sei dann ein Umstieg erfolgt, nämlich von der Direktauszahlung hin zur Beauftragung einer Koordinationsstelle. Der dafür verantwortliche Verein erhalte die Mittel und gebe sie an die Subpartner weiter, berichtete Keri. 2025 und 2026 seien dafür immerhin jeweils rund 16 Mio. Euro zur Verfügung gestanden.
Mit dem Geld würden an 34 Standorten 33.000 Plätze für Kinder von sechs bis zwölf Jahren gefördert. Ein einzelner Platz koste den Steuerzahler rund 500 Euro – zuzüglich eines Elternbeitrags von 80 Euro. Das ist laut Türkis-Grün deutlich mehr als bei vergleichbaren privaten Anbietern, wo Plätze bereits um 300 Euro angeboten würden. Vermutet wird nun, dass das Geld in eine teure Doppelstruktur fließt.
“Versickert da das Geld?”
Dazu komme, dass auch die von der Stadt ins Leben gerufene Gesellschaft “Bildung im Mittelpunkt” involviert sei, erzählte Stadler. Diese sei etwa für die Qualitätssicherung zuständig. Damit würden nicht nur Doppelgleisigkeiten, sondern sogar eine Dreifachgleisigkeit vorliegen, befand er: “Versickert da das Geld?” Erstaunlich sind laut den beiden Oppositionsparteien die Kosten auch deswegen, weil die Camps in Schulen durchgeführt werden und damit keine Raummieten zu zahlen seien.
Die Anmeldemodalitäten sind Keri und Stadler ebenfalls ein Dorn im Auge. Diese würden jährlich zu Problemen und Frust führen, berichteten sie. Zudem sei auch die regionale Verteilung erstaunlich. Denn in Margareten gebe es etwa keinen einzigen Standort, obwohl der Bedarf an Deutschförderung – die ebenfalls Ziel der Camps sei – dort besonders hoch sei. Dies würden entsprechende Zahlen zeigen.
Der Stadt-RH wird nun unter anderem ersucht, die genauen Geldflüsse unter die Lupe zu nehmen. Auch die Summe der entstandenen Kosten seit 2019 möchte man wissen. Die Beauftragung des koordinierenden Vereins soll ebenfalls untersucht werden. Grüne und ÖVP möchten wissen, ob es ein transparentes Vergabeverfahren gegeben hat.