Gruppe um Rip-Deal-Betrüger zerschlagen – Festnahmen

Ein koordinierter länderübergreifender Polizeieinsatz der “Rip-Deal Unit Vienna” hat eine Betrügergruppe auffliegen lassen. Drei europaweit polizeibekannte Beschuldigte konnten im Zuge der Operation “CASTILLO” festgenommen und gefälschte Banknoten im Wert von rund 2,1 Millionen Euro sichergestellt werden. Es handelt sich laut Angaben der Polizei am Sonntag um den bisher größten Lockfallenerfolg im Bereich der Rip-Deal-Kriminalität in der heimischen Kriminalgeschichte.
Ein Rip-Deal ist eine Form des Vorauszahlungs- und Betrugsgeschäfts, bei dem Kriminelle das Vertrauen von Verkäufern hochwertiger Güter erschleichen, um sie um ihr Eigentum oder Bargeld zu bringen. Auch in diesem Fall war das angepeilte Opfer ein österreichischer Immobilienunternehmer, der eine Luxusvilla in Marbella im Internet zum Verkauf angeboten hatte. Der Geschäftsmann witterte aber Kriminelle hinter den angeblichen Investoren und alarmierte die Polizei.
Die “Rip-Deal Unit Vienna” arbeitete zusammen mit Europol, dem österreichischen Bundeskriminalamt und der spanischen Policía Nacional in Marbella sowie dem Verbindungsbeamten-Büro des österreichischen Innenministeriums in Madrid. Die Operation lief von August bis Oktober diesen Jahres in Wien und Marbella. Am 6. Oktober gelang es schließlich, die organisierte Gruppe der Kriminellen zu zerschlagen.
Forderung nach Provision in Form von Goldmünzen
Den Anfang machte das Inserat eines heimischen Immobilienunternehmers für ein nobles Eigenheim in Marbella. Vermeintliche Investoren kontaktierten den Mann und gaben sich als Angehörige eines Schweizer Immobilienkonsortiums aus. Nach einer persönlichen Besichtigung der Immobilie mit dem Rechtsanwalt des Unternehmers sowie mehreren Treffen in Marbella vereinbarten die vermeintlichen Investoren ein weiteres Treffen. Anfang Oktober, nachdem zwischen Opfer und Tätern bereits Vertrauen aufgebaut wurde, sollte es in einem Hotel in Marbella zu einer Baranzahlung in Höhe von 1,8 Millionen Euro kommen.
Zeitgleich sollte der Sohn des Immobilienunternehmers in Wien eine Vermittlungsprovision in Höhe von 300.000 Euro in Form von Goldmünzen an einen der angeblichen Investoren übergeben, wie die Polizei mitteilte. Tatsächlich handelte es sich dabei um die Anbahnung des sogenannten “Rip-Deals”. Die Täter hatten das Ziel, im Zuge des vermeintlichen Immobiliengeschäfts Goldmünzen als Provision zu ergattern und gleichzeitig unerkannt eine große Menge Falschgeld in Umlauf zu bringen.
Unternehmer schöpfte Verdacht
Der Unternehmer wurde aber zunehmend misstrauisch und fand bei Online-Recherchen Medienberichte zur “Rip-Deal Unit Vienna” des Landeskriminalamts Wien. Schließlich nahm der Mann Kontakt mit der Polizei auf. Er bestand schließlich auch darauf, die Täter gemeinsam mit den Einsatzkräften zu überführen. Zusammen mit den zuständigen Kolleginnen und Kollegen in Spanien wurden entsprechende Ermittlungs- und Einsatzmaßnahmen eingeleitet.
Im Rahmen einer gezielten Lockfalle und eines zeitgleich koordinierten verdeckten Einsatzes in Wien und Marbella konnten vergangene Woche schließlich drei Tatverdächtige festgenommen werden. Die Festnahme eines Mannes in Wien erfolgte laut Polizei unter maßgeblicher Mitwirkung der Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EGS).
“Bei den Festgenommenen handelt es sich um Angehörige eines auf Rip-Deals spezialisierten, niederländisch- und französischstämmigen Roma-Clans”, teilte die Polizei mit. Die drei Beschuldigten sind 27, 30 und 53 Jahre alt. Gemeinsam weisen sie 30 einschlägige Vorstrafen in zumindest fünf europäischen Mitgliedsstaaten auf. Dabei handelt es sich unter anderem um Raub und Diebstahl im Rahmen einer kriminellen Vereinigung, schweren Betrug, Falschgeld- und Rip-Deal-Delikte.
Empfehlungen zur Prävention
Die Polizei rät dringend, für den Verkauf – vor allem luxuriöser – Gegenstände nicht ins Ausland zu reisen. Misstrauen sei angebracht, wenn potenzielle Käufer keine Anstalten machen würden, über den Kaufpreis zu verhandeln. Zudem sollten Nachforschungen über die Geschäftspartner gemacht und Referenzen vorgelegt werden. Sollte es zu einem Rip-Deal gekommen sein, sollte nicht nur im Ausland, sondern unbedingt auch im Inland eine Anzeige gestellt werden.