Haftstrafe nach Betrug an Freunden und Familie

Drei Jahre lang hat ein 28-Jähriger Familienmitglieder und Freunde in Wien um ihr Geld betrogen. Jetzt hat der junge Mann am Straflandesgericht die Quittung dafür bekommen. Der bisher unbescholtene Wiener muss wegen gewerbsmäßig schweren Betruges für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Urteil ist rechtskräftig.
Begonnen hatte der 28-Jährige, der für Finanzmärkte “ein Interesse und eine Leidenschaft” hegte, im Jänner 2023. Die Mutter seiner damaligen Freundin vertraute seinen Versprechungen und gab ihm mehr als 81.000 Euro für ein Invest. “Haben Sie eine Ausbildung dazu”, fragte ihn Richter Alfred Hebenstreit-Weinauer. “Nein” kam recht rasch vom Angeklagten. “Warum tun Sie es dann”, will der Schöffengerichtsvorsitzende wissen. “Selbstüberschätzung”, so die lapidare Antwort. Er habe mit der Mutter seiner Freundin, mit der er fünf Jahre zusammen war, über diverse Finanzformen geredet. “Ich habe aktiv angeboten, dass ich das übernehme. Sie hat mir eine Chance gegeben”, sagte der 28-Jährige.
Verlorenes Geld bei Sportwetten reinholen
Er hat das Geld angelegt, als allerdings ein Optionsschein liquidiert wurde, “habe ich Panik bekommen”. Er habe dann versucht, das verlorene Geld mit Sportwetten wieder auszugleichen. Nichtsdestotrotz suchte er im Verwandten- und Bekanntenkreis nach weiteren Investoren, die zum Teil horrende sechsstellige Summen hergaben. “So bin ich in einen Strudel gekommen”, sagte der Beschuldigte.
Investiert hatte er übrigens nur die 81.000 Euro. Den Rest hat er dann nur noch bei Sportwetten verzockt – mit Einsätzen in der Höhe von 500 bis 85.000 Euro. Er meinte, er sei spielsüchtig und bereits in Therapie.
Am Ende 50 Opfer
Am Ende gab es 50 Opfer, die sich nun im Verfahren als Privatbeteiligte anschlossen. Die Schadenssumme beläuft sich auf rund 1,8 Millionen Euro. Die Opfer im Gerichtssaal zeigten sich wenig verständnisvoll und taten laut ihren Unmut kund. Viele wurden um ihre Existenzen gebracht. Die Mutter seiner Ex-Freundin erzählte in einer Verhandlungspause der APA, der 28-Jährige habe sie ständig vertröstet, wenn sie fragte, wo ihr Geld sei. “Er hat mir drei Jahre lang erzählt, was er kann”, sagte die 65-Jährige, sie habe ihm vertraut. Er war in seinen Ausführungen eloquent, habe sie jedoch letztendlich manipuliert, ist sie nun überzeugt. Ihr Geld hat sie nie wieder gesehen. “Das war meine Altersvorsorge”, sagte die Frau.
Am 26. Jänner ließ die 65-Jährige durch ihren Anwalt dem 28-Jährigen eine außergerichtliche Zahlungsaufforderung zukommen. Da sie dennoch kein Geld erhielt, erstattete sie am 7. Februar Anzeige. Davon wusste der junge Mann. Der Druck wurde offenbar so groß, dass er am 25. Februar selbst zur Polizei ging. Bis dahin konnte der Beschuldigte, der keinen Tag in Untersuchungshaft saß, weiter unbekümmert seinen Betrügereien nachgehen. Mittels selbst erstellter Tabellen täuschte er den Investoren seinen angeblichen Erfolg vor. Die Opfer glauben nicht an eine Spielsucht. Sie berichteten am Gang vor dem Verhandlungssaal von einem ausschweifenden Privatleben des nun Angeklagten. Ein Antrag des Anwalts des 28-Jährigen, Sven Thorstensen, ein Privatgutachten zu seiner Spielsucht vorzulegen, wurde abgelehnt. Der Rechtsvertreter betonte, dass er mit der Spieleplattform in Verbindung stehe, um das dort investierte Geld wieder zurückzubekommen, weil es sich um einen illegalen Spieleanbieter handelt. Der Beschuldigte gehe davon aus, dass 60 bis 70 Prozent der dort gezahlten Summe wieder ausbezahlt werde.
Unbedingte Haftstrafe
Bei einem Strafrahmen von bis zu zehn Jahren verhängte der Schöffensenat trotz Geständnis und Unbescholtenheit eine gänzlich unbedingte Strafe. Doch bei der vielfach überschrittenen Schadenssumme und der Vielzahl an Opfern sah das Schöffengericht fünfeinhalb Jahre Haft für tat- und schuldangemessen. Die Selbstanzeige sei erstattet worden, weil der Mann bereits massiv unter Druck stand und nicht “für Ihr Seelenheil”, betonte der Richter. Der 28-Jährige und die Staatsanwältin nahmen das Urteil an.
Richter Hebenstreit-Weinauer hatte Mühe, die Vielzahl an Opfern sowie Medien und Zuhörer in dem Schwurgerichtssaal unterzubringen. Im Verfahren stellte sich nämlich heraus, dass es viel mehr über den Tisch gezogene Investoren gibt. Die Staatsanwältin dehnte die Anklage deshalb um elf weitere Opfer aus.