IHS senkt Inflationserwartung für 2026 auf 2,2 Prozent

Das Institut für Höhere Studien (IHS) hat am Montag seine Inflationserwartung für das Jahr 2026 auf 2,2 Prozent gesenkt. In der Winterprognose war das Institut noch von 2,5 Prozent ausgegangen. Die Regierungsparteien ÖVP, SPÖ und NEOS sahen in der Prognosesenkung einen Erfolg ihrer Arbeit. Laut IHS-Ökonom Sebastian Koch dämpfen Energie-Pakete und Mehrwertsteuersenkungen die Teuerung spürbar. Dazu kommt ein statistisches Phänomen, das mit Jahresbeginn schlagend geworden ist.
Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) sprach von einer “sehr erfreulichen Trendumkehr”, diese sei “das Ergebnis der Arbeit dieser Bundesregierung”. Auch Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (beide ÖVP) werteten die Zahlen am Montag als Beleg für die Wirksamkeit der Regierungsmaßnahmen.
Die Anpassung der IHS-Prognose erfolgt vor dem Hintergrund einer deutlichen Beruhigung des Preisauftriebs. Während die Inflation im Jahr 2025 noch bei 3,6 Prozent lag und im Dezember 3,8 Prozent betrug, nähert sie sich nun dem EZB-Ziel von zwei Prozent an. IHS-Ökonom Koch bezeichnete die Korrektur als “technisches Update”, in das aktuelle Marktentwicklungen und politische Maßnahmen eingepreist wurden.
“Basiseffekt” macht Großteil des Inflationsrückgangs aus
Ein erheblicher Teil des Rückgangs der Inflation auf 2,2 Prozent ist darauf zurückzuführen, dass der massive Preisschub beim Strom durch das Auslaufen von Energiehilfen aus dem Jahr 2025 nun nicht mehr in die Berechnung der Teuerungsrate für 2026 einfließt. Dieses statistische Phänomen bezeichnen Fachleute als “Basiseffekt”, der für etwa 0,8 Prozentpunkte des Inflationsrückgangs verantwortlich sein dürfte.
Darüber hinaus drücken aktive Entlastungsmaßnahmen die Inflationsrate in Summe um etwa 0,7 Prozentpunkte. Die Senkung der Elektrizitätsabgabe bringt nach IHS-Berechnungen 0,12 bis 0,16 Prozentpunkte, Preissenkungen von Verbund und EVN 0,11 bzw. 0,05 Punkte und der Sozialtarif 0,03 Prozentpunkte. In den IHS-Berechnungen seien nur die bereits angekündigten Tarife berücksichtigt, betonte Hattmannsdorfer. “Ich gehe aber fix davon aus, wenn ich mir die Debatte in den unterschiedlichsten Bundesländern anschaue, dass auch andere Landesenergieversorger dem folgen werden müssen.”
“Land der Wechselmuffel”
Außerdem würden noch immer zu wenige Energiekunden ihren Anbieter wechseln. “Österreich ist das Land der Wechselmuffel. Wir haben nur eine Stromwechselrate von vier Prozent, während andere Länder – Spanien, Deutschland – das Fünffache an Wechselrate haben.” Es gehe also auch um Eigenverantwortung, meinte der Minister. “Der Staat ist nicht verantwortlich für das persönliche Glück der Bürgerinnen und Bürger. Der Staat macht Rahmenbedingungen, die Bürger sind eingeladen, die Möglichkeit dann auch zu nützen.”
Die Ausweitung der Mietpreisbremse auch auf bisher ungeregelte Mieten soll die Inflation um 0,13 Prozentpunkte drücken und die temporäre Senkung der Mehrwertsteuer für einige Grundnahrungsmittel soll sich mit 0,2 Prozentpunkten dämpfend auswirken.
“Wir gehen davon aus, dass sich der durchschnittliche arbeitende Haushalt rund 900 Euro im Jahr ersparen kann”, sagte Hattmannsdorfer.
Hattmannsdorfer hofft auf “Jahr der Trendwende”
Bei der Wirtschaftsentwicklung erlebe man nach drei Jahren Rezession nun einen leichten Wirtschaftsaufschwung, was ihn “vorsichtig optimistisch” mache, so der Minister. “Ich bin überzeugt, dass 2026, wenn wir weiterhin als Bundesregierung konsequent liefern, auch das Jahr der Trendwende sein kann.”
Staatssekretärin Eibinger-Miedl betonte, dass der Fokus der Budgetpolitik neben der Konsolidierung bewusst auf die spürbaren Lebensbereiche Energie, Wohnen und Lebensmittel gelegt wurde. Das Inflationsziel von 2 Prozent bleibe aufrecht.
Trotz der positiven Aussichten warnte IHS-Ökonom Koch vor verbleibenden Risiken. Geopolitische Unsicherheiten könnten die Öl- und Gaspreise rasch wieder ansteigen lassen. Zudem steht eine Neugewichtung des Warenkorbs durch die Statistik Austria an, die zu statistischen Verschiebungen führen könnte. Für den Jänner 2026 rechnet Koch vorerst mit einer Inflationsrate zwischen 2,4 und 2,5 Prozent.
Babler sieht Regierung auf Kurs
Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) sieht die Senkung der Inflationsprognose eigenen Angaben zufolge als Bestätigung für den Regierungskurs gegen die Teuerung. “Diese Regierung hat sich für den Kampf gegen die Teuerung zuständig erklärt, das sieht man an der neuen Einschätzung des IHS. Unsere Maßnahmen wirken: Mit Mietpreisstopp und dem Günstiger-Strom-Gesetz”, teilte Babler der APA Montagnachmittag mit. Als zu erwartende weitere Maßnahmen nannte er die Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel, die komme, und die Spritpreise, die nun die Preiskommission unter die Lupe nehme.
Auch die mitregierenden NEOS sehen einen Erfolg der Bundesregierung. Die gesenkte Inflationsprognose zeigt, dass die Entlastungsmaßnahmen wirken. “Entscheidend ist, dass wir jetzt die Hände nicht in den Schoß legen, sondern mutige Reformen anstoßen, um die Basis für Wachstum und einen wettbewerbsfähigen Standort wieder zurückerlangen”, drängte Budgetsprecherin Karin Doppelbauer zu mehr Reformwillen.