Iran-Krieg treibt Inflation im März auf 3,1 Prozent
Die durch den Iran-Krieg stark gestiegenen Ölpreise haben die Inflationsrate sprunghaft ansteigen lassen. Im Jahresvergleich legten die Verbraucherpreise im März laut Schnellschätzung der Statistik Austria um 3,1 Prozent zu, im Februar lag die Teuerung noch bei 2,2 Prozent. “Der Anstieg von 0,9 Prozentpunkten geht fast vollständig auf die Preisschübe bei Treibstoffen und Heizöl zurück”, erklärte die Behörde. In der Eurozone betrug die März-Inflation im Schnitt 2,5 Prozent.
In Österreich verteuerte sich Energie im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,1 Prozent. Nahrungsmittel, Tabak und Alkohol kosteten um 2,4 Prozent mehr. “Der wichtigste Inflationstreiber blieben jedoch Dienstleistungen, die im März um 4,5 Prozent teurer wurden, nach einem Preisplus von 4,0 Prozent im Februar”, so Statistik-Austria-Generaldirektorin Manuela Lenk in einer Aussendung. Details zur Inflationsentwicklung im März gibt die Statistikbehörde Mitte April bekannt.
Niedrigste Eurozonen-Inflation in Italien und Zypern mit 1,5 Prozent
Österreich lag bei der März-Inflation im Eurozonen-Vergleich im Mittelfeld. Die höchste Teuerung gemessen mit dem harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gab es in Kroatien (4,7 Prozent), Litauen (4,5 Prozent) und Luxemburg (3,7 Prozent). Die niedrigste Inflationsrate verzeichneten Italien und Zypern mit 1,5 Prozent und Frankreich mit 1,9 Prozent.
Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt eine Teuerungsrate von 2,0 Prozent an, die als optimal für die Wirtschaft im Währungsraum gilt. Damit steigt der Druck auf die EZB, bei ihrer nächsten Sitzung Ende April über eine Erhöhung des Leitzinses nachzudenken, um gegen die anziehende Inflation vorzugehen.
Wirtschaftsforscher erwartet in Österreich keine Teuerungswelle wie 2022/23
Wifo-Inflationsexperte Josef Baumgartner erwartet für das laufende Jahr keine Teuerungswelle wie 2022/2023, weil die Gaspreise bisher nicht so stark gestiegen sind. Für heuer rechnet er mit einer Inflationsrate in Österreich “von etwas unter drei Prozent”. Die Annahme für die Inflationsprognose sei aber, dass der Iran-Krieg zu Ende gehe und die Ölpreise sich ab Juni “wieder normalisieren” würden, sagte Baumgartner zur APA. Bei Gas rechnet der Experte längerfristig mit höheren Preisen, weil das Angebot durch Schäden an LNG-Anlagen in Katar und an Gasanlagen in Saudi-Arabien etwas eingeschränkt bleibe.
Einen stärkeren Anstieg der Lebensmittelpreise erwartet der Wifo-Ökonom vor allem ab dem Sommer mit der neuen Ernte, etwa bei Frischgemüse, Getreide und Obst. Der Iran-Krieg hat die Diesel- und Düngemittelpreise stark steigen lassen und verteuert damit die Produktionskosten der Landwirtschaft spürbar.
Seit Iran-Krieg: Diesel in Österreich um 70 Cent je Liter teurer
Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hatte zuletzt prognostiziert, dass die Inflationsrate im Jahresschnitt 2,7 Prozent betragen wird. Für die beiden Folgejahre wird wieder ein Rückgang der Inflationsrate auf 2,3 (2027) und 2,1 (2028) Prozent erwartet. Wegen der hohen Unsicherheit rund um den Iran-Krieg gebe es allerdings erhebliche Aufwärtsrisiken für die Erwartungen. “Ganz entscheidend wird sein, ob sich die aktuellen Preissteigerungen als vorübergehend erweisen oder über Zweitrundeneffekte in andere Bereiche durchwirken”, erklärte OeNB-Gouverneur Martin Kocher in einer Aussendung. Auf diese möglichen Zweitrundeneffekte sei “die Aufmerksamkeit der Geldpolitik im Euroraum gerichtet”.
Der seit Ende Februar andauernde Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat die Öl- und Gaspreise in die Höhe getrieben. Der Iran hat die Straße von Hormuz weitgehend geschlossen: Über die Meerenge wird ein Fünftel des globalen Ölverbrauchs transportiert. Das sorgt für Knappheiten, weshalb die Weltmarktpreise gestiegen sind.
Der Brent-Rohölpreis schnellte zu Beginn des Iran-Kriegs von 72 US-Dollar auf bis zu 120 US-Dollar (104 Euro) pro Barrel und notiert zuletzt bei 107 Dollar. Die Preise an den österreichischen Tankstellen sind nach dem Ausbruch des Nahost-Kriegs sprunghaft angestiegen. Der Dieselpreis ist seit Ende Februar im Schnitt um knapp 70 Cent auf 2,25 Euro je Liter nach oben geklettert, der Preis für Benzin erhöhte sich um 40 Cent auf 1,91 Euro.
FPÖ- und Grünen-Kritik
Für die FPÖ ist der sprunghafte Inflationsanstieg “das direkte Resultat einer völlig verfehlten Wirtschafts- und Sozialpolitik der schwarz-rot-pinken Verlierer-Regierung”. Die Grünen sehen das Inflationsplus als “direkte Folge einer verfehlten Energie- und Klimapolitik der Bundesregierung”. Die Arbeiterkammer forderte angesichts der Teuerung eine Reform des Preisgesetzes und einen raschen Ausbau Erneuerbarer Energien. Der ÖGB warnte davor, “die Inflation durchrauschen zu lassen” und forderte “ein Schutzschild gegen die Teuerung”.