Jugend Eine Welt im Libanon: Alltag als Überlebenskampf

30.07.2026 • 11:38 Uhr
Jugend Eine Welt im Libanon: Alltag als Überlebenskampf

Im Vorfeld des Jahrestags der verheerenden Hafenexplosion in Beirut hat die österreichische Hilfsorganisation Jugend Eine Welt in einer Presseaussendung über die weiterhin dramatische Situation im Land berichtet. Die Katastrophe vom 4. August 2020 zerstörte große Teile der Hauptstadt und tötete Hunderte Menschen. Heute stehe die Bevölkerung laut der Hilfsorganisation aufgrund des Kriegs zwischen der proiranischen Hisbollah-Miliz und Israel erneut vor einer humanitären Krise.

“Die Menschen im Libanon haben in den vergangenen Jahren eine Krise nach der anderen erlebt”, sagte Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt. “Was besonders betroffen macht, ist, dass viele Familien nie die Chance hatten, sich von den früheren Schicksalsschlägen zu erholen.”

Der Konflikt zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz war am 2. März erneut eskaliert. Nachdem die Miliz zahlreiche Raketen auf den Norden Israels abgefeuert hatte, marschierte die israelische Armee in den Südlibanon ein. Seitdem kamen auf israelischer Seite mindestens 39 Soldaten und drei Zivilisten ums Leben. Auf libanesischer Seite wurden laut örtlichen Behörden mehr als 4.300 Menschen getötet, rund 12.200 verletzt und mehr als eine Million vertrieben. Am Montag verwies das UNO-Menschenrechtsbüro auf großflächige Verstöße israelischer Streitkräfte gegen das humanitäre Völkerrecht im Libanon. Einige der Verstöße könnten demnach Kriegsverbrechen darstellen.

Krieg verschärft humanitäre Katastrophe

Von den neuen Kampfhandlungen seien laut Jugend Eine Welt insbesondere der Südlibanon, das Bekaa-Tal und die südlichen Vororte von Beirut betroffen. Während die Bombardierungen der Hauptstadt aktuell beendet seien, bleibe die Zerstörung vielerorts sichtbar. “Die offiziellen Statistiken sind erschreckend. Derzeit benötigen 2,70 Millionen Menschen dringend humanitäre Hilfe, darunter libanesische Staatsbürger, syrische und palästinensische Flüchtlinge sowie Arbeitsmigranten”, erzählt Lina Abou Naoum, Projektpartnerin von Jugend Eine Welt und Don-Bosco-Schwester in Beirut.

Gemeinsam mit den Don Bosco-Schwestern unterstützt Jugend Eine Welt nach eigenen Angaben die Menschen vor Ort mit Bildungsangeboten, medizinischer und psychologischer Hilfe sowie direkter Nothilfe. Das ehemalige Schulgebäude der Ordensgemeinschaft wurde in ein soziales und pädagogisches Zentrum umgewandelt, das heute Kindern, Jugendlichen und Familien einen sicheren Ort bietet. Dort werden Lernprogramme, Jugendarbeit, medizinische Versorgung, psychologische Betreuung sowie Ausbildungsangebote für Frauen angeboten. Bedürftige Familien erhalten zudem Unterstützung bei der Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten und dem dringend benötigten Wohnraum.