Kino und Design: Ausstellung zeigt Bedeutung von Brillen

Eine Brille kann mehr verraten als ein Blick: Sie verleiht einer Figur Glamour, unterstreicht ihren Charakter oder wird zu ihrem unverwechselbaren Markenzeichen. Ob Marilyn Monroe mit Cat-Eye-Fassung, Federico Fellini mit markanter Sehbrille oder Johnny Depp mit gelben Gläsern – im Kino sind Brillen weit mehr als Sehhilfen. Die Ausstellung “The Lens of Time” in Rom erzählt, wie Brillen die Filmgeschichte und das italienische Design geprägt haben.
Die Ausstellung spannt einen Bogen von den Anfängen der Brillenherstellung über historische Handwerkskunst bis hin zu modernen Technologien. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Wechselspiel zwischen Design, persönlicher Identität und Filmen. Die von ANFAO, dem italienischen Verband der Hersteller optischer Artikel, in Zusammenarbeit mit dem Brillenmuseum von Pieve di Cadore organisierte Schau ist noch bis Ende Oktober geöffnet. Zeitgleich läuft das römische Filmfest.
Vom venezianischen Handwerk zum internationalen Design
Die Geschichte der Brille reicht bis ins späte 13. Jahrhundert zurück. Einer der ältesten Belege für ihre Herstellung stammt aus Venedig: In den Zunftregeln der Kristallglashersteller vom 2. April 1300 finden sich Hinweise auf die Produktion von Brillen. Im Laufe der Jahrhunderte veränderten sich Materialien, Formen und Herstellungstechniken. Einen wichtigen Impuls für die italienische Brillenindustrie brachte 1878 die Gründung einer ersten Brillenfabrik in Calalzo di Cadore in Venetien. Aus dieser Tradition entwickelte sich ein bedeutender Produktionsstandort, der wesentlich zum internationalen Ruf des italienischen Designs beitrug.
Auf der Leinwand erhielt die Brille eine zusätzliche Bedeutung: Sie wurde zum Instrument der Charakterzeichnung. Exponate in Rom führen in die jüngere Filmgeschichte. Zu sehen ist unter anderem eine weiße Variante einer Fassung aus den späten 1980er-Jahren, die mit Brad Pitts Rolle Westray im Film “The Counselor” von 2013 in Verbindung gebracht wird.
Auch italienische Filmschaffende sind vertreten. Die Brillen von Federico Fellini und Marcello Mastroianni erinnern daran, wie eng Accessoires mit dem öffentlichen Bild von Schauspielern und Regisseuren verbunden sein können. Fellinis großformatige Sehbrillen gehörten ebenso zu seiner Erscheinung wie die dunklen Gläser von Jean-Luc Godard. Lina Wertmüller machte weiße Brillen zu einem visuellen Erkennungszeichen, während Pier Paolo Pasolini und der japanische Regisseur Akira Kurosawa ebenfalls mit charakteristischen Brillenbildern verbunden sind.