Liga-Trainer über ÖFB-Team bei WM: Minimalziel erreicht

Bei den meisten Trainern der zwölf Fußball-Bundesligisten haben die WM-Auftritte der österreichischen Nationalmannschaft wenig Begeisterung ausgelöst. Die ÖFB-Auswahl habe zwar mit dem Einzug ins Sechzehntelfinale ihr Mindestziel erreicht und sei dort an einem übermächtigen späteren Weltmeister Spanien gescheitert, dennoch sei man leistungstechnisch unter den Erwartungen geblieben, lautete der überwiegende Tenor der Coaches in Gesprächen mit der APA.
LASK-Meistertrainer Dietmar Kühbauer meinte: “Wir haben das Minimalziel erreicht, aber wir haben es von unseren fußballerischen Fähigkeiten definitiv in keinem Spiel gebracht. Gegen Spanien kann man natürlich ausscheiden, doch unsere Jungs können es besser, das werden sie auch selbst wissen.” Man habe “nach vorne nicht flüssig gespielt und nach hinten nicht so verteidigt, wie wir es können”.
Außerdem wies Kühbauer darauf hin, dass viele Außenseiter großen Wert auf ihre Abwehrarbeit legten. “Wir sind keine kleine Nation, aber viele kleine Nationen haben sich entschieden, ‘Defense pur’ zu spielen. Wir haben weder ‘Defense’ noch ‘Offense’ gespielt, wir haben eine Mixtur aus allem gehabt.”
Ingolitsch: ÖFB-Team “nicht so hardline”
Ähnlich fiel das Fazit von Sturm-Graz-Betreuer Fabio Ingolitsch aus. “Bei einem Aus gegen Spanien kann man sich nicht viel vorwerfen. Trotzdem glaube ich, dass das ÖFB-Team seiner Identität, so zu spielen wie eine Vereinsmannschaft, ein wenig untreu geworden ist. Das Team war sachter, nicht so ‘hardline’ wie in der Vergangenheit unterwegs. Österreich hat damit das gewisse Etwas gefehlt, um sich von anderen abzuheben.” Salzburgs neuer Übungsleiter Danny Röhl befasste sich nach eigenen Angaben so wie auch Neo-Ried-Coach Mario Despotovic bei der WM zu wenig intensiv mit dem ÖFB-Team, um eine Meinung abgeben zu können.
Hartberg-Rückkehrer Markus Schopp beklagte den Ausfall von “Unterschiedsspieler” Christoph Baumgartner und erklärte, er sei “nicht enttäuscht, dass wir im Sechzehntelfinale ausgeschieden sind. Es ist mehr die Art und Weise. Wir waren vielleicht weniger intensiv als erhofft unterwegs, aber in erster Linie haben wir zu wenige Lösungen in Ballbesitz gehabt. Wir haben uns mit Glück mit dem Tor in letzter Sekunde (Anm.: Sasa Kalajdzic gegen Algerien) in die nächste Runde katapultiert.”
Austria-Lustenau-Trainer Markus Mader beschrieb die ÖFB-Darbietungen als “sehr durchwachsen. Wir haben uns über Jordanien drüber gequält, waren gegen Argentinien chancenlos, gegen Algerien hatten wir sehr viel Glück und gegen Spanien waren wir wieder chancenlos”, resümierte der Vorarlberger.
Mader: Aus ÖFB-Sicht keine sehr zufriedenstellende WM
Man habe zwar gegen die beiden Finalisten verloren, “aber trotzdem: Von einer sehr zufriedenstellenden WM kann man nicht reden. Wir haben doch Spieler aus Topvereinen in Europa, da ist die Hoffnung, dass mehr rauskommt. Aber da haben uns die anderen Mannschaften die Grenzen aufgezeigt”, sagte Mader.
Altachs Ognjen Zaric erklärte: “Vom Bauchgefühl her hätte sich jeder ein bisschen mehr erwartet vom Team. Aber wenn man es realistisch betrachtet, hat die Nationalmannschaft Österreich würdig vertreten.” Ähnlicher Ansicht war Austria-Coach Stephan Helm. “Das Ziel war, die Gruppenphase zu überstehen und dann einen Großen rauszuboxen. Dafür war Spanien zu groß. Ich denke, dass man daraus Schlüsse ziehen kann, was man in Zukunft optimieren kann.”
Auch GAK-Trainer Ferdinand Feldhofer sprach einen möglichen Lerneffekt an. “Ich denke, Österreich kann doch noch besser spielen, es haben nicht alle ihr Topniveau erreicht. Trotzdem können wir stolz sein, das Minimalziel erreicht zu haben. Darauf kann man aufbauen. Wir haben gute Erkenntnisse bekommen von den anderen Ländern, wie wir in der Zukunft vielleicht nachlegen müssen.”
Semlic: “Performance absolut in Ordnung”
Für WSG-Tirol-Coach Philipp Semlic war “die Performance absolut in Ordnung. Vor allem mit diesem emotionalen Schlussmoment mit dem Tor in letzter Sekunde von Sasa Kalajdzic, das ist was Schönes und das muss man mitnehmen.” Rapids Johannes Hoff Thorup meinte, das ÖFB-Abschneiden sei “wahrscheinlich ungefähr wie erwartet” gewesen. “Ich habe gutes Teamwork gesehen, sie haben ihr Bestes gegeben.”
Laut WAC-Trainer Thomas Silberberger “war die Euphorie größer, als die WM tatsächlich war. Jordanien war okay, Argentinien die erwartete Niederlage und gegen Algerien, da haben wir keine Werbung für den Fußball gemacht mit diesem Nichtangriffspakt. Das hat an 1982 erinnert. Dann haben wir noch Spanien bespielen müssen, okay. Am Ende des Tages war die WM okay.”
Die generellen Erkenntnisse aus der WM hielten sich für die zwölf Trainer laut eigenen Angaben in Grenzen. Spaniens Triumph habe aufgezeigt, wie wichtig das Kollektiv und hohe technische Qualität sei, wurde zu Protokoll gegeben. So meinte etwa Schopp: “Die Stars haben alle nicht enttäuscht, aber Individualität war im Halbfinale Frankreich – Spanien nicht vorhanden und sie war im Finale Argentinien – Spanien nicht vorhanden. Weil das Kollektiv über allem steht.”
Hoff Thorup gingen lange Einwürfe nicht ab
Hoff Thorup zog eine weitere Lehre. “Man hat gesehen, dass man nicht viele Spieler in die Box bringen muss, um Chancen zu kreieren, sondern dass es darum geht, die richtigen Räume anzulaufen. Bei vielen Toren waren drei Spieler der angreifenden Mannschaft weniger im Strafraum.” Zudem erfreute den Dänen die von der FIFA forcierte Beschleunigung des Spiels. “Mir sind die langen Einwürfe nicht abgegangen.”