Lula will vierte Amtszeit – Duell mit Bolsonaros Sohn

02.08.2026 • 21:27 Uhr

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva ist von seiner linken Arbeiterpartei (PT) am Sonntag als Kandidat für eine vierte Amtszeit nominiert worden. Nach brasilianischer Verfassung darf ein Präsident einmal direkt für eine zweite Amtszeit in Folge wiedergewählt werden. Lulas größter Herausforderer ist der rechte Senator Flávio Bolsonaro, der älteste Sohn des wegen eines versuchten Staatsstreichs zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro.

“Ich bin unendlich viel besser in Form als damals, als ich 57 Jahre alt war und mein erstes Amt antrat. Ich bin topfit”, sagte der 80-Jährige beim PT-Parteitag vor Anhängern in São Paulo. Er berichtete von seinen täglichen Sportübungen und verkündete, er werde gegen das Altern ankämpfen. Seine Unterstützer sangen, schwenkten die rote Flagge der PT und Plakate mit Aufschriften wie “Brasilien gibt nicht auf”. Lulas 59-jährige Ehefrau trug bei der Veranstaltung ein T-Shirt, auf dem Lula als Kind abgebildet ist.

“Ich bin heute hier, weil Lulas Politik mein Leben und das meiner Familie verändert hat”, sagte die 51-jährige Sozialarbeiterin Cristiane Rosa Julho der Nachrichtenagentur AFP. “Dank ihm haben wir heute unser eigenes Haus.”

Lula ist seit 2023 erneut Präsident und hatte das Amt bereits von 2003 bis 2010 inne. Ihm ist es gelungen, seinem Land zu einem soliden Wachstum und zu einer Rekordbeschäftigung zu verhelfen. Die Menschen leiden jedoch unter hohen Lebenshaltungskosten. Bei einem Sieg bei den Parlaments- und Präsidentenwahlen am 4. Oktober würde er seine vierte Amtszeit insgesamt antreten. Erneut soll Geraldo Alckmin sein Vizepräsident werden. Eine allfällige Stichwahl um das Präsidentenamt würde am 25. Oktober stattfinden.

Duell mit Bolsonaros Sohn Flávio

Flávio Bolsonaro wurde vergangene Woche von dessen Liberaler Partei (PL) als Kandidat nominiert. Die Familie Bolsonaro pflegt enge politische Beziehungen zu US-Präsident Donald Trump, Flávio gilt allerdings als weniger populär als sein Vater und kann bisher nicht auf die geschlossene Unterstützung des konservativen Lagers zählen. 

Bei der Veranstaltung von Bolsonaros Partei trat auch Argentiniens ultraliberaler Präsident Javier Milei auf, der sowohl Lula als auch die brasilianische Justiz scharf angriff. Der Auftritt führte zu einem diplomatischen Eklat, der als einer der schwersten Streitfälle zwischen den beiden südamerikanischen Nachbarländern seit Jahrzehnten gilt. 

Für zusätzliche Kontroversen sorgte auch ein KI-Video mit Jair Bolsonaro, dessen Verwendung der unter Hausarrest stehende Ex-Präsident laut seiner Verteidigung nicht genehmigt hatte. Die Wahlbehörden prüfen mögliche Verstöße – eine Aberkennung der Kandidatur seines Sohnes gilt als unwahrscheinlich. Für Lula ist Flávio Bolsonaro ein “Verräter am Vaterland”, der die USA dazu angestiftet habe, durch Strafzölle der brasilianischen Wirtschaft Schaden zuzufügen. Flávio Bolsonaro weist dies zurück.

Lula in Umfragen für Stichwahl favorisiert

Laut einer jüngsten Umfrage des Forschungsinstituts Datafolha liegt der linke Staatschef derzeit in der Wählergunst vor seinem Herausforderer. Deutlich dahinter liegen andere Kandidaten kleinerer Parteien. Demnaach würde Lula derzeit in einer Stichwahl 48 Prozent der Stimmen erhalten, sein Herausforderer käme auf 43 Prozent.