Massiver ukrainischer Drohnenangriff auf Moskau – Tote
Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf Moskau sind in der Nacht auf Dienstag nach Behördenangaben zwei Menschen getötet worden. Neun weitere Menschen seien verletzt worden, erklärte Gouverneur Andrej Worobjow. Er sprach von einem der bisher schwersten Drohnenangriffe auf die Hauptstadtregion. Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf einen Bus im russisch besetzten Teil der südöstlichen Region Saporischschja wurden den dortigen Behörden zufolge drei Menschen getötet.
Drei weitere wurden verletzt. Unter den Toten sei auch der Busfahrer. Die Ukraine äußerte sich zunächst nicht dazu. Laut dem Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin steuerten mehr als 650 ukrainische Drohnen auf die russische Hauptstadt zu. Die meisten seien jedoch abgeschossen worden. Bei den Todesopfern in der Region Moskau handle es sich um einen 71-jährigen Mann, der aus den Trümmern eines Hauses geborgen worden sei, sowie einen 20-jährigen Mann aus einem nahe gelegenen Dorf, erklärte Gouverneur Worobjow. Der staatlichen Nachrichtenagentur TASS zufolge geriet zudem ein Lagerhaus in Brand. In Domodedowo südlich von Moskau, wo sich der drittgrößte Flughafen des Landes befindet, fiel in einigen Dörfern der Strom aus.
Auch Russland griff wieder die Ukraine an. Das russische Verteidigungsministerium teilte am Dienstag mit, die eigenen Streitkräfte hätten in der Nacht mehrere Ziele in ukrainischen Schwarzmeerhäfen attackiert. Dabei sei ein Frachtschiff im Hafen von Tschornomorsk getroffen worden, das zur Versorgung des ukrainischen Militärs genutzt worden sei. Zudem seien ein Waffenlager im Dorf Ilitschanka sowie Hafenanlagen in Ismajil angegriffen worden. Der staatlichen Nachrichtenagentur RIA zufolge meldete das Ministerium zudem Angriffe auf Rechenzentren in mehreren großen ukrainischen Städten. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte die Berichte zunächst nicht unabhängig bestätigen.
Nach Brücken in Kiew griff Russland ukrainischen Behördenangaben zufolge am Dienstag nun auch in der Stadt Saporischschja eine Brücke über den Fluss Dnipro an. Dabei seien fünf Menschen verletzt worden, teilte der Gouverneur der Region, Mychajlo Semikin, auf Telegram mit. Er äußerte sich nicht zur Art des Angriffs, sondern sprach allgemein von Beschuss. Dazu veröffentlichte er ein Foto, das einen Krater auf der Fahrbahn der Brücke zeigen soll. Der Verkehr sei zeitweise gestoppt worden. Aber auch die Nordbrücke in Kiew griffen russische Truppen erneut mit Drohnen an. Das meldete TASS unter Berufung auf das Verteidigungsministerium. Die Brücke sei für den Transport von Militärpersonal genutzt worden, hieß es. Angaben zum genauen Zeitpunkt des Angriffs machte TASS nicht.
Jahrelanger Abwehrmodus
In der vergangenen Woche hatten die russischen Streitkräfte erstmals Brücken in Kiew mit Drohnen angegriffen. Der breite Strom Dnipro fließt von Norden nach Süden durch die Ukraine und teilt das Land. Eine mögliche Zerstörung der Brücken würde das Land massiv treffen und die Verteidigung erheblich erschweren.
Sowohl die Ukraine als auch Russland haben in den vergangenen Monaten ihre gegenseitigen Angriffe auf zivile und industrielle Ziele verstärkt, darunter Energie-, Transport- und Hafeninfrastruktur sowie Schiffe im Schwarzen Meer. Moskau kündigte an, die Angriffe auf Infrastruktur auch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew mit dem Herannahen des Winters zu intensivieren.
Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Hilfe seit mehr als viereinhalb Jahren gegen eine großangelegte russische Invasion. Als Teil ihres Abwehrkampfes nimmt sie immer wieder auch Ziele im russischen Hinterland ins Visier. Russland beschießt das Hinterland des Nachbarn systematisch und setzt dazu Drohnen und Raketen ein. Bei den Attacken kommen in der Ukraine fast täglich Zivilisten zu Tode, Wohnhäuser und für die Bewohner lebenswichtige Infrastruktur werden zerstört.
Am Montag waren durch russische Fliegerbomben in der ostukrainischen Großstadt Charkiw nach Behördenangaben mindestens sechs Menschen getötet worden. Die Ermittlungsbehörden sprachen von 59 Verletzten. Unter den Trümmern eines Wohnhauses wurde weiter nach möglichen weiteren Opfern gesucht.