Neues Öffi-Tarifsystem sorgt in Vorarlberg weiter für Unmut

Seit Einführung eines neuen Öffi-Tarifsystems in Vorarlberg Anfang Juni reißt die Kritik daran nicht ab. Was laut Vorarlberger Verkehrsverbund (VVV) “Öffi-Fahren einfacher als Eis essen” machen sollte, sorgt seither für Unmut. Bemängelt werden Preissteigerungen und fehlende Praxistauglichkeit. Landesstatthalter Christof Bitschi (FPÖ) kündigte eine Evaluation der Tarifreform für den Herbst an, Nutzer sollen sich über eine “Mitmach-Plattform” einbringen.
Statt bisher 94 Zonen, aus diesen “Dominos” konnte man sich seine Fahrt mit Bus und Bahn zusammenstoppeln, gibt es seit 1. Juni nur mehr drei Zonen: Lokal für Fahrten in Nachbarorte, Regional für solche in der umliegenden Region und Maximo für das gesamte Bundesland. Dazu kommen drei Zeitstufen – 60 Minuten, 120 Minuten und 24 Stunden, im jeweiligen Zeitfenster kann beliebig oft gefahren werden. Das neue System sollte vor allem für Gelegenheitsnutzer günstigere Fahrten bringen, so die Idee.
Verärgerte Passagiere, überfordertes Personal
Für viele Öffi-Nutzer ist aber offenbar das Gegenteil der Fall: Vorarlberger Medien berichten seit Monaten über verärgerte Fahrgäste und überfordertes Öffi-Personal und verdeutlichen anhand von Fahrtenberechnungen Verteuerungen. Preise für einzelne Strecken stiegen massiv, manche Fahrten gingen sich in den Zeitfenstern gar nicht aus, so die Kritik aus der Bevölkerung. Längst stimmte auch die Landtagsopposition ein: SPÖ und Grüne verlangten im Landtag bisher vergeblich eine Rücknahme. SPÖ-Klubobmann Mario Leiter sprach von einem “Tarifwahnsinn”, Bitschis Ressort-Vorgänger Daniel Zadra (Grüne) nannte die Reform “vermurkst” und einen “großen Fehler”. NEOS-Klubobfrau Claudia Gamon ortete “eklatante Führungsmängel” bei Bitschi bei Umsetzung seines ersten großen Projekts in politischer Verantwortung.
Landesregierung und VVV verteidigen Reform
Der VVV und Bitschi verteidigen unterdessen die Umstellung. Diese brauche Zeit, um akzeptiert zu werden, hieß es. Man versprach bessere Information. Bitschi wies im August eine “einseitige negative Darstellung der ÖPNV-Tarifumstellung” zurück. Für die Mehrheit der Fahrgäste bedeute diese günstigere Preise, betonte Bitschi und verwies auf ein günstiges Klimaticket, die Möglichkeit zum nun bargeldlosen Ticketkauf sowie eine geplante Evaluation des neuen Tarifsystems im Herbst. “Gegebenenfalls” werde “nachgesteuert”.
Diese Woche kündigten VVV und Land nun den Start dieses Prozesses und eine neue “Plattform zur Mitgestaltung der Mobilitätszukunft” an. “Interessierte Fahrgäste sind ab sofort dazu eingeladen, sich für die neue Mitmach-Plattform zu bewerben”, so VVV-Geschäftsführer Christian Hillbrand. Unter allen Anmeldungen zum “VMOBIL Forum” werde ein fixes, demografisch repräsentatives Kernteam ausgewählt, das sich mehrmals jährlich zum Dialog über Angebote und Serviceleistungen treffen soll. Bewerben kann man sich bis 11. Oktober, bis Ende des Jahres erwartete sich Mobilitätslandesrat Bitschi Ergebnisse. Der erste Workshop werde noch im Herbst stattfinden, Schwerpunkt: Die neue Tarifwelt.